Sicher gibt es sie,

die kleinen blauen oder grünen Männchen. Und das sage ich nicht bloß, weil Mister Spock* meine erste große Liebe war. Schon der griechische Philosoph Demokrat war sich im vierten Jahrhundert vor Christus sicher, dass es zahllose, verschieden große Welten gebe, aber erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als klar wurde, dass unsere Galaxie nur eine von vielen (ähäm, sagen wir eher, sehr vielen, man geht von mehreren Hundert Milliarden aus) im Universum ist, bekam die Frage wieder neue Aktualität. Wahrscheinlich ist es eine Mentalitätsfrage, ob einen das eher ängstigt oder erfreut. Wenn ich ehrlich sein soll? Nun, hinter meinem sicheren Schreibtisch bin ich ziemlich neugierig und würde gerne mal welche sehen (David Bowie war schließlich auch ein Alien). Aber in echt? Das wäre wohl eine ultimative Erfahrung. Möglicherweise auch eine, die einen nie wieder in welche Alltagsnormalität auch immer zurückkehren lassen würde. Aber was für eine berauschende Vorstellung! Dieser eher etwas humanoid geratene Geselle steht zum Beispiel vor dem Aldi in der Kreuzbergstraße. Was, noch nie gesehen? – …

* Ich habe in einem früheren Beitrag mal behauptet, es sei Winnetou gewesen. Als ich aber neulich meine großen Lieben zurückgezählt habe, war Mr. Spock doch der allererste.

Hunde zwischen den Buchdeckeln

Ich habe natürlich schon lange die Witterung aufgenommen: Hunde in der Literatur, Claudia vom „grauen Sofa“, Sabine, die „binge-readerin“ und Birgit von „Sätze und Schätze“ sind den Tieren auf der Spur. Mit tollen Büchertipps und noch tolleren Fotos. Weil ich im Moment fast nicht zum bloggen komme, weil sich die Arbeit alpenartig auf meinem Schreibtisch türmt, will ich nur ein paar Bücher in die Runde werfen, ohne mich direkt um ihre Vorstellung kümmern zu können. Vielleicht übernimmt das jemand anders? Oder ich komme später noch dazu. Nicht vergessen in meinem kleinen Hundebücherstapel möchte ich „Timbuktu“ von Paul Auster, das nicht bei mir zu Hause im Regal steht. Ich habe wirklich geheult, als ich das Buch am Ende der Lektüre zuklappte.

Paul Auster, Timbuktu – A Novel, 1999

Garth Stein, The Art of Racing in the Rain, 2009

Jon Fosse, Von Kötern, Kläffern und feinen Hundedamen, 1995

Thomas Windung, Mein kleiner Hund Mister, 1988 (Kinderbuch)

Monika Maron, Endmoränen, 2002 (Achtung! Der Hund erscheint erst auf der vorletzten Seite)

Urlaub für die Ohren

Fred ist ja so etwas wie der große Bruder von meinem Kimmo. Doch während Kimmo noch immer im Tauchboot sitzt, erlebt Fred schon sein nächstes Abenteuer, das ihn dieses Mal auf der Reise mit Opa Alfred durch Mittelamerika regelrecht erwischt. Fred fällt nämlich gelegentlich durch die Zeit in die Vergangenheit. Und natürlich mitten ins wildeste Geschehen. Wäre ja auch langweilig, auf einer Eisscholle zu landen, die die nächsten Wochen nur träge durchs Meer zieht. Dieses Mal stört er ein Maya-Mädchen bei der Befragung eines Jaguars. Kein Wunder, denn Fred sieht nur das wilde Tier und kann sich gar nichts anderes vorstellen, als dass es das Mädchen angreifen will. Er verscheucht das Tier, dabei, so lernt er später, ist der Jaguar das Seelentier vom Vater des Mädchens und sie versucht ihn zu befragen, um etwas über ihren Vater in Erfahrung zu bringen. Der wiederum ist nämlich in Gefangenschaft geraten und muss gerettet werden, womit auch schon klar ist, was Fred in der Mayawelt erwartet.

Fred ist diese Zeitsprünge schon gewohnt. Dennoch muss er sich jedes Mal wieder auf fremde und vor allem gefährliche Umstände einlassen. Denn die Kinder aus früheren Zeiten führten längst nicht so ein behütetes Leben, wie wir das gewohnt sind. Sie mussten schon von klein an arbeiten und schnell lernen, denn das Leben in der Natur oder in wenig besiedelten Gegenden war hart. Auch das Mädchen Xkik‘, das Fred fortan begleitet, geht nicht zur Schule. Alles, was sie weiß, hat sie von ihren Eltern gelernt oder anderen Erwachsenen abgeschaut. Sie will ihren Vater retten, und auch wenn sie noch keinen Plan hat, ist schnell klar, dass sie einen Weg finden wird. Kinder-hör-bücher gehen schließlich fast immer gut aus. Zum Glück. Denn so bleibt Zeit, ganz nebenher eine ganze Menge über die Kultur der Maya zu erfahren und sich in den Alltag der damaligen Menschen einzufühlen. Eine tolle Erfahrung, die einmal mehr zeigt, dass Menschen eben Menschen sind und waren, egal wo und wann sie auf dieser Erde unterwegs waren.

Birge Tetzner, Fred bei den Maja. Ein Hörspiel für Kinder. Ultramar-Media Berlin 2016. Übrigens, die Stimme von Xkik‘ hat mich umgehauen. Sie gehört Maximiliane Häcke, die unter vielen anderen auch Prinzessin Lillifee spricht.

Ganz was neues.

Seit einiger Zeit schlafe ich schlecht. Was komischerweise nicht viel macht, denn, von dem Herumgeliege mal abgesehen, bin ich tagsüber genauso wach wie früher. Aber es tut sich etwas, was ich so noch nicht kannte: Ich träume bei vollem Bewusstsein. Keine Tagträume, in denen ich Regie führe und mich wahlweise ins Paradies oder in die Hölle versetze. Nein. Es sind richtige, meist chaotische Träume in denen ich Sachen sehe, die ich gar nicht kenne, mir also auch nicht ausdenken könnte. Mein Gehirn scheint sich selbständig zu machen. Wenn, so höre ich es meckern, wenn Madame nicht einschläft, fahren wir eben trotzdem unser Programm. Ganz schön merkwürdig. Soll noch mal eine/r sagen, das Älterwerden halte keine Überraschungen bereit…

Natürlich

kann man über solche Kinderfantasien über das Leben der Erwachsenen schmunzeln. Doch je länger ich als Freiberuflerin tätig bin, desto mehr komme ich ins Grübeln. Vielleicht wissen die Kleinen doch mehr, als wir denken.

Es gibt Tage,

da wirkt die Welt so frisch, als stünde sie gerade zum ersten Mal in der Morgensonne. Tage, die ein Versprechen bergen, dass manchmal erst sehr viel später eingelöst wird.

Schweigen ist Gold

Doch. Es gibt Dinge, die man besser nicht sagt. Immer und immer wieder. Nicht bloß Geheimnisse. Nicht bloß Dinge, die einem die besten Freund/innen anvertraut haben. Nicht nur das, was einen tagsüber durch die Seele gekrochen ist, mit schlechter Laune. Oder was mein Gegenüber verletzen könnte, nur weil ich gereizt bin oder mit meinem Latein am Ende. Reden ist oft der einzige Weg, uns verständlich zu machen. Aber es ist doch eine Einbahnstraße. Schweigen ist ja nicht nur ein Verweigern von Aussagen. Manchmal kann es Raum schaffen, sich gegenseitig kennenzulernen. Indem man sich zeigt und nicht kommentiert. Aber dafür braucht es Geduld. Gut dass die Fäden gestern schon eingetroffen sind.

Das wurde aber Zeit!

Denn komischerweise brauche ich meist zu Beginn des Jahres gleich die längsten Geduldsfäden. Für die Aufgaben, die ich aus dem alten Jahr mitgenommen habe, und die ich am liebsten nur anbrüllen würde, wenn ich sie morgens schon wieder auf meinem Schreibtisch finde. Und für die neuen Aufträge, die sich wie ganze Gebirgsmassive vor mir auftürmen. Also. Jetzt wieder mit Geduldsfäden. Hoffentlich reißen sie nicht.