Das schlug mir mein diesjähriger Neujahrs-Glückskeks vor. Hoppla, denke ich. Was bedeutet das? Ich – !? Aber wahrscheinlich gehört zum Gesicht zeigen mehr, als bloß die Nase in den Wind stellen. Wie sieht mein Gesicht überhaupt aus? Ehrlich: seit Wochen halte ich es morgens nur kurz in den Spiegel und dann schnell los. Nachschauen. Und dann: Was ist das für ein Gesicht? Was können Menschen darin lesen? Mich hat die Keks-Botschaft durchaus angesprochen. Weil, Gesicht zeigen klingt auch irgendwie wie „Ernst machen“. Oder: Wirklich schauen, d.h. nicht in der Deckung bleiben. Ich bin gespannt, wohin mich dieser Neujahrs-Keks noch bringt.
Ausgebremst
Eine Panne kommt selten allein. Und wenn man erst von einer ganzen Woge überrollt wurde, lohnt sich eigentlich nur noch eins: liegen bleiben. Das Ausmaß meiner Neujahrspannen ist kaum zu beschreiben. Ich wusste nicht mal, dass Dattelsirup aus einer Plastikflasche explodieren kann. Kann er. Telekom heißt das andere Stichwort, damit ist mir wahrscheinlich erst mal universelles Mitleid sicher…
Aber darum geht es gar nicht. Sondern um dieses merkwürdige Phänomen, dass ein zügiger Alltag durch ein paar Pannen ziemlich schnell geschreddert werden kann. Und dann ist die Desorientierung groß, oder – wie bei mir – mein Kopf arbeitet auf Hochtouren, um zumindest improvisierte Lösungen zu finden, wie ich von A nach B komme. Zumal auf der ganzen Linie die Zeit drängt.
Gleichzeitig komme ich natürlich hier und da trotz aller Spitzfindigkeit nicht weiter. Ich muss Pausen einlegen. Und plötzlich tun sich ganz neue Dinge auf. Denn tatsächlich überall liegen und stehen Sachen herum, die darauf warten, in die Hand genommen oder „erledigt“ zu werden. Ich komme mir in meiner Wohnung wie in einer fremden vor. Was ich alles in meiner Alltagsroutine übersehe, nur um „effizient“ zu sein.
Paff. Ein ausgebremster Neujahrsstart. Nicht dass ich mich drum gerissen hätte. Aber, doch, hat was…
Tischfeuerwerk?
Von wegen! In Kreuzberg fallen uns seit Stunden schon fast die Ohren ab. Was an Sonne in den letzten Tagen fehlte, wird gerade als Gedonner nachgeholt. Dieses Jahr kann hier keiner so tun, als sei es ein Abend wie jeder andere…
Ich habe mich für eine kleine Retrospektive ins Hinterhaus gekuschelt und mir meinen Kalender noch einmal durchgeschaut. Wie schnell ich Sachen vergesse! Dass das letzte Jahr so in einem Rutsch an das vorhergehende anschloss, dass mir fast Hören und Sehen verging! Ich war mitten in der Kimmo-Hörbuchproduktion und habe quasi durchgearbeitet. Ich weiß noch, wie verdattert ich war, als Mitte Januar mein Geburtstag anstand – Was jetzt schon!? Und dann war es eine kleine lustige Sause, klein, weil es am nächsten Tag nach Leipzig ging, und da lag Schnee, wie ich mich erinnere. Im Februar hatten viele Freund/innen Geburtstag, ich war bei einer gruseligen Kinderbuchpräsentation im sensationell schönen Berliner Aquarium und mit meinen Freundinnen Sigi und Katharina in einer derartigen Rowdyfahrt zum Müll, dass mir noch Stunden später – als wir kichernd beim indischen Essen saßen – die Ohren schlackerten. Karneval war ich bei meiner neuen Firma in Süddeutschland und konnte es mir knapp verkneifen, die Pappnase aufzusetzen. Im März hatten noch mehr Freund/innen Geburtstag, jupppieee!, was wäre das Leben ohne Euch!?, danach war ich im Rheinland, wieder zurück, der Osterhase kam vorbei, eine Tetanusimpfung klappte wegen einem Infekt nicht und dann war ich knapp drei Wochen im Paradies mit Namen Kalifornien. Danach war nichts mehr so wie vorher. Echt wahr.
Keine Sorge, den Rest spare ich aus. Es gibt mir bei dieser Rückschau zu denken, woran ich mich wirklich erinnere, und dass es oft die kleinen Dinge sind, die sich mehr einprägen, als die – im jeweiligen Moment – vielleicht als „wichtig“ empfundenen. haha. Auch schon oft gehört und gelesen. Aber doch immer wieder verblüffend, wenn es einen dann selbst trifft.
Was möchte ich nächstes Jahr machen? Mir bleiben noch ein paar Stunden, das rauszufinden. Ich lebe gerne mit Zielen. Auch, wenn ich nicht immer stramm draufzulebe. Aber dass ein paar Sterne am Horizont leuchten, gefällt mir. Also werde ich mir auch dieses Jahresende noch ein paar in den Himmel picken. Euch wünsche ich allen einen guten Start und eine vergnügliche Nacht. Bis nächstes Jahr dann…
Auf den Baum schauen
Vielleicht ist das noch weiterer – selten ausgesprochener – Zweck vom Weihnachtsbaum, dass jede/r mal ein paar Tage im ablaufenden Jahr in seinem Wohnzimmer unter einer Tanne sitzt und sie anschaut. Denn: Der Mensch kann so viel lernen vom Baum. Was? Ja, hinsetzen und schauen. Das Exemplar auf dem Foto hat mir zum Beispiel gezeigt, wie unverwüstlich so ein Grünfell dem eigenen Absterben entwachsen kann. Zugegeben, in freier Wildbahn. Aber die Haustanne hat sicher auch was zu sagen. Geht hin, und horcht mal, bevor sie wieder verschwindet.
Was bleibt? Was geht? Was kommt?
In der letzten Dezemberwoche räume ich auf. Ich ziehe mich so weit es geht aus dem Alltag zurück und sortiere, was mir in die Hände kommt. Das kann auch mal nur die Schreibtischschublade sein. Es geht nicht um Ordnung, sondern darum, für ein neues Gleichgewicht Platz zu schaffen. Die letzten zwei Tage war ich krank und hatte Alpträume, in denen sich die guten Dinge meines Lebens in Monster verwandelten. Es war fürchterlich. Zum Glück bin ich schon fast wieder gesund. Aber diese Traumbilder haben mir gezeigt, dass auf nichts Verlass ist, dass sich alles ändert und kein Gleichgewicht ewig hält. Deshalb brauche ich diese letzte Dezemberwoche, um Hoffnungen, Vorstellungen, Erwartungen und Ängste neu zu justieren, einige vielleicht über Bord zu werfen, andere neu hinzuzunehmen. Auf die Gefahr hin, mich zu irren. In der Hoffnung, die Balance auch im kommenden Jahr nicht zu verlieren.
Fehlerteufel
In meinen WordPress-Account hat sich ein Fehlerteufel oder was auch immer eingeschlichen. Ich kann nicht mehr auf Eure Kommentare antworten, und auch sonst schlingert hier einiges. Ich hoffe, das geht bald wieder – grrrrghhhh
Jedes Jahr eine andere?
Was, dachte ich eben, würde ich in eine Vitrine stellen, wenn es darum ginge, mich, mein Leben, meine Gedanken auszustellen? – Tatsächlich gibt es gelegentlich solche „Ausstellungen“, jedenfalls habe ich hier und da (jaja, auch in Frauenzeitschriften) Fotos von den Inhalten von Handtaschen oder Koffern gesehen, die dieser Idee (sich selbst darzustellen) sehr nah kamen. Mir gefällt die Idee, in einem Museum an solchen Vitrinen vorbeizugehen, in denen Menschen sich mit Gegenständen zeigen könnten.
Meine eigene Vitrine würde jedes Jahr wieder etwas anders aussehen. Da bin ich sicher. Aber wahrscheinlich gäbe es auch Dinge darin, die lange blieben. So wie immer wieder Muscheln oder Steine an einen Strand geschwemmt werden – und dann stets Neues dazukommt, während andere Dinge verschwinden. Die persönliche Ebbe und Flut: arme Zeiten, reiche Zeiten. Und wenn wir schon dabei sind: Ich wäre jetzt gerne an einem Strand, an einem Strand mit Sonne drauf.
Der Weihnachtshase
Eigentlich ist es ja Ostern, wenn wir auf die Wiese gehen und nach Eiern und kleinen Geschenken suchen. Und: Nein, ich war heute Morgen noch nicht auf der Wiese. Aber ich habe ein Weihnachtsei gefunden, als ich mich zu unfestlich früher Zeit – so gegen sieben – an den Schreibtisch gesetzt habe. Aus meinen Unterlagen purzelte plötzlich eine von einem von mir geschätzten Künstler minimal kolorierte und (ebenso minimal) signierte Einladungskarte heraus. Was für ein tolles – und vor allem völlig unerwartetes Geschenk. Soll noch mal jemand die Nase rümpfen, wenn andere an Feiertagen arbeiten…
Weihnachten für Veganer
Da reden die Christen immer noch von „Fleischwerdung“ – dabei geht doch der Trend eindeutig ins Gemüse! Liebe Leute, ganz egal! Hoffnung entspringt oft etwas Neuem. Etwas, was aus heiterem Himmel kommt und vielleicht eine Wende ins Gute bringen kann. Ich möchte mich dieses Jahr darauf konzentrieren: Dem Neuen Vertrauen entgegen zu bringen. Frohe Weihnachten!
Die Welt ist rund und der Mond ein Propeller
Auf rätselhafte Weise habe ich es dieses Jahr geschafft, alles Weihnachtliche bereits gestern erledigt zu haben. Gut, gekocht und gebacken wird „in time“ oder auch vor Ort, aber der Rest: Alles fertig – naja, ausser die vermaledeite Schreibtischarbeit, aber die schiebe ich für die nächsten Tage einmal ganz weit über die Kante…
Sofort kehrt Ruhe ein. Hier und da will sich noch mal schlechte Laune breit machen, aber nö. Tür zu. Die kann woanders rumoren. Ich fange an, das Jahr Revue passieren zu lassen. Und, als wolle mir dieses Jahr noch eine Freude machen, werden gerade noch ein paar Dinge rund, d.h. es gibt so etwas wie kleine Happy Ends in sehr alten Geschichten, die einmal nicht so rund endeten. Aber eben, manchmal ist das Leben eben doch ein Spiel auf Zeit. Sehr schön: Ich habe gleich eine Handvoll sehr sympathischer neuer Bürokolleginnen und Kollegen. Das gehört ja zu den großen Geschenken, denn ein Büro ist eben doch ein Lebensmittelpunkt und gute Leute da sitzen zu haben eine echte Bereicherung.
Ein Überraschungsgeschenk kam aus New York, von wo aus mir ein Künstler, über den ich geschrieben habe, ungefragt zwei Zeichnungen geschickt hat. Wow! Was für eine Großzügigkeit. Solche Momente geben mir das Gefühl, dass die Welt eben (manchmal) doch ein guter Ort ist. Und erst Kalifornien im Frühjahr! Davon zehre ich heute noch. Das Beste: für übernächstes Jahr hat der Freund, mit dem ich dort war, einen Road-Trip von New York nach Los Angeles vorgeschlagen. Soweit also alles im tannengrünen Bereich. Doch, ich bin froh. Auch wenn mir das Altwerden nach wie vor unheimlich ist. Ich habe die längste Zeit meines Lebens hinter mir und trotzdem klingt die eigene Stimme im Kopf nicht älter als zwanzig. Und wehe, da fliegen auch noch Schmetterlinge im Bauch! Menschsein auf diesem Planetenkarussell ist gar nicht so einfach. Jaja, soso. Erkenntnisse, die auch immer wieder im Kreis kommen. Euch einen schönen Vorfeiertagssamstag!






