Eigentlich

sind Bäume so was von verrückt. Stehen da ihr Leben lang, tags, nachts, wachsen langsam in den Himmel, krallen sich in den Boden, werfen Blüten ab, Blätter und Früchte. Keine Nadeln. Erdulden Wind und Wetter, laute Fußgänger, Abgase und Dinge, von denen wir Menschen gar nichts wissen. Fallen im Sturm. Oder unter der Säge. Sie brauchen keine Knochen und keine Zähne. Augen haben sie auch nicht. Ob sie hören können? Immerhin können sie rascheln und rauschen. Bäume stehe da wie Dekoration. Nicht, dass ich nicht wüsste, dass sie leben. Ihre Unbeweglichkeit macht sie für mich unsichtbar. Doch: Ohne die Bäume wäre die Stadt unerträglich. Deshalb. Ein Lob auf die Bäume. 🌲 🌳 🌲 🌳 🌲 🌳 . Besonders auf die in der Stadt. Hipp Hipp Hurra!!!

„Geh hin und sieh!“

Diesen Satz habe ich heute bei Johann Joachim Winckelmann gelesen, eine Selfmade-Archäologen und Kunstschriftsteller aus ärmlichen Verhältnissen, der Mitte des 18. Jahrhunderts in Rom lebte und die Schönheit antiker Kunst für uns Nachkommen überhaupt erst sichtbar machte. „Geh hin und sieh“ sagte er zu seinen Schülern, die er oft mehr als platonisch liebte. Und ich denke, es ist der Satz, den ich meinem Liebsten immerzu zurufen möchte, wenn ich etwas Schönes sehe.

Glück im Unglück

Manchmal muss man tatsächlich erst mal Pech gehabt haben, um dann Glück 🍀 🍀 🍀  zu bekommen. Also, gestern war so ein Tag, wo Glück und Pech eng beieinander lagen. Erst war mein Bibliotheksausweis abgelaufen, so dass ich nicht ans Regal kam, wo mein bestelltes Buch lag (Pech), dann streikte auch noch der Kassenautomat (noch mehr Pech), dann war die Ausleihe geschlossen (Wäääähhh!!!). Die Bibliothekarin hat mich dann unter Gemecker noch reingelassen (Glück), ich habe mein Buch bekommen (Glück), später allerdings gesehen, dass ich es kaum gebrauchen kann (naja). Danach war ich im Kammermusiksaal und habe das fantastische Cuarteto Casals gehört (größtes Glück). Anfang Mai konzertieren sie noch einmal in Berlin, jede und jeder, die oder der Freude an „klassischer“ Musik hat, sollte unbedingt dort hingehen. Die sind der Hammer, und bloß nicht mäkeln, das sei ja nur Kammermusik oder so.

Nach dem Konzert gab es noch ein Nachtessen (lecker + Glück), der Nachhauseweg war regnerisch (Pech) und dann hatte ich meinen Schlüssel im Lokal vergessen. Lokal war schon zu und alle meine Hausbewohner waren entweder nicht da oder schon im Bett. Kein Licht leuchtete mehr hinter den Fenstern. (Unglück, aber massives). Irgendwann ging dann doch mal ein Badezimmerlicht an und ich habe sofort angerufen (Glück, dass ich die passende Nummer auf meinem Handy hatte!). Kurz: Ich habe die Nacht in einem sehr komfortablen Gästezimmer verbracht (Glück). Im Büro hatten alle Mitleid mit mir und waren nett (Glück) und am Ende war der Schlüssel tatsächlich gefunden und abgegeben worden, so dass mir der Schlüsseldienst erspart blieb (riesengroßes Hurra! 😊 😁 🙌 ). Jetzt bin ich sowas von gut gelaunt, einfach nur zu Hause zu sitzen, die Waschmaschine laufen zu haben und nix weiter vor, dass ich fast lachen muss. Nur ein Tag unfreiwillig außer Haus, und schon kann ich mich wieder über meine kleine Wohnung freuen. Was ein Glück!

Neujahrsparty

Oh ja, unser Büro kann auch Nightlife. Einmal im Jahr jedenfalls, wenn wir Leute aus unseren Nachbarbüros einladen oder Kolleg/innen aus Firmen, mit denen wir arbeiten. Obwohl ich keine richtige Partymaus bin, staune ich doch jedesmal, wie viel es bringt, mit Leuten, die man tagsüber kennt, auch mal nachts zu reden oder zu tanzen. Da tun sich neue Welten auf, wie an der Decke unseres Arbeitsraumes, die zumindest so tut, als würden wir im Dschungel arbeiten…

Kaffeemaschine

Zu Hause war sie ein ewiger Stein des Anstoßes: eine altertümliche, fast schon ins Gelbe changierende – ehemals weiße – Kaffeemaschine in der den ganzen Tag lang billigster Discounterkaffee gebrüht (ja, doch, das Ergebnis war Brühe) wurde. Eins war mir schon früh klar, in meinem Haushalt würde es niemals (!) eine Kaffeemaschine geben.

Soviel zu „niemals“: Auf dem Foto könnt Ihr sehen, was daraus wurde. Seit gestern habe ich eine. Keine Weiße. Brühen tut sie auch. In einem Affenzahn. Und das Ergebnis: Die erste Tasse ist so stark, dass ich die Kopfschmerzen, mit denen ich heute aufwachte, in einem damit wegspülen konnte. Der Kaffee ist noch etwas bitter, was an der Stärke, aber vor allem an der Sorte liegen kann. Schon klar, dass ich mich jetzt erst mal auf die Suche nach einem vollen, runden Bohnenkaffee machen werde. Ich bin schon gespannt. 🥂  (Prost mit Kaffeetassen kennt der Rechner nicht…)

Let’s talk about music. 🎧

So ein Rechner kann ganz schön schlau sein: Musik, das weiß er, kommt über die Ohren. Und gleich reicht er mir Kopfhörer, denn meine Wohnung ist nicht nur klein, sondern auch hellhörig.

Hören ist auch gleich das Problem. Dann zumindest, wenn ich über Musik reden oder schreiben will. Bilder bleiben stehen. Selbst Kinofilme lassen sich Bild für Bild anhalten. Nicht so Musik. Sie ist da. Oder weg. Allein sichtbar als Partitur. Was mir nix nützt, weil ich Partituren nicht lesen kann.

Neulich habe ich mich gefragt, ob die Darstellung in Wellen wie in einem Schnittprogramm mir das Sprechen über Musik erleichtern könnte. Weil hier die Dauer und die Intensität von Tönen (für mich als Laien) direkter sichtbar sind als in einer Notenschrift. Über die wellenförmigen Muster zumindest kann ich mir leichter Sounds oder musikalische Abschnitte vorstellen als mit jeder anderen Gedankenstütze. Vielleicht wäre das sogar mal einen Versuch wert – ?

Warum ich mich einmal mehr mit der Frage beschäftige, was sich über Musik sagen lässt (oder wie es am Besten gehen könnte), liegt daran, dass ich gerade zwei Musikbücher auf meinem Nachttisch liegen habe. Einmal die Beethoven-Biografie von Martin Geck und ein Gespräch zwischen Haruki Murakami und dem Dirigenten Seiji Ozawa. In beide Bücher habe ich kurz reingelesen. Bei beiden spüre ich Vergnügen und Unvermögen zugleich. Denn egal, um welche Musikkomposition es dort geht, ich kann nur bis zu einem gewissen Punkt folgen. Ich habe die Musik nicht im Kopf. Ich müsste nebenher immer wieder reinhören. Und – ehrlich – selbst dann vergesse ich schnell, was akustisch vorgefallen ist.

Dennoch wünsche ich mir dringend Bücher, in denen es um Musik geht. Vielleicht sind sogar fiktionale Texte (die natürlich in Bezug auf Musik gar nicht so fiktional sein können) die besseren Formate. Weil man sich dort vielleicht eher trauen würde, die Musik, um die es geht, zu beschreiben. Ich habe tatsächlich eine Szene aus einem Roman von Haruki Murakami im Kopf, wo sich der Ich-Erzähler als Junge mit seiner damaligen Schulfreundin nachmittags trifft, um Platten zu hören. Wie geht es Euch? Redet Ihr (gerne) über Musik? Oder kennt Ihr Bücher, in denen spannend über Musik geschrieben ist?

Konzentration

Im letzten Jahr bin ich am Ende etwas aus dem Tritt gekommen. Ich hatte absichtlich weniger Aufträge angenommen, um den stressigen Sommer und Herbst ruhig ausklingen zu lassen. Aber es kam anders. Statt mich zu erholen, wurde meine Laune immer schlechter. Ich konnte kaum eine freie Minute genießen, und das Wenige, was ich zu tun hatte, ging mir langsam von der Hand. 🤚 (<= der schlaue Rechner 🖥 gibt wieder Kommentare…) Ich war nicht nur verunsichert, sondern auch mies gelaunt. So hatte ich mir das nämlich nicht vorgestellt.

Natürlich habe ich endlos darüber gegrübelt: Konnte ich nicht loslassen? Bin ich etwa arbeitssüchtig? Weiß ich nichts mehr mit mir selbst anzufangen? Habe ich ein so riesiges schlechtes Gewissen, wenn ich nichts oder nur wenig mache? Was lief falsch?

Heute hatte ich plötzlich eine Idee. Es war womöglich die Konzentration, die mir gefehlt hat. An einem „normalen“ Arbeitstag gibt es immer ein oder zwei Stunden (manchmal mehr), in denen ich tief konzentriert bin. Ich finde das anstrengend. Trotzdem: Diese Stunden sind die beste Zeit des Tages. Es fühlt sich an wie in großer Tiefe unterwegs zu sein, sehr weit weg vom Alltag, dennoch sehr nah bei mir selbst. Ich hatte mich wohl vertan, indem ich dachte, die Konzentration für mehr Erholung weglassen zu können. Ich hoffe, ich denke das nächste Mal daran.

 

Just do it

Auch das mochte ich sehr an den Kalifornischen Museen: Die Kindergruppen saßen mitten in den Ausstellungsräumen, um zu basteln, zu zeichnen, nach- oder eben auch eigenes zu machen, statt, wie bei uns häufig, in den museumspädagogischen Trakt verbannt zu werden. Natürlich, die amerikanischen Museen, jedenfalls die, die ich besucht habe, waren riesig. Niemand musste über sie steigen, um vor das nächste Bild zu kommen. Außerdem waren die Kleinen (ja, doch, es gab noch kleinere als auf dem Foto) ruhig.

Warum ich das mochte? Erstens war es auch für mich anregend. Sie machten meist richtig coole Sachen und ich war als erwachsene Besucherin durchaus animiert, nun – vielleicht nicht mitzumachen, aber das, was sie taten in meine Betrachtung zu übernehmen. Wieso zum Beispiel saßen sie da mit diesen bunten Papierschnipsel? Auf welches ausgestellte Kunstwerk konnte sich das beziehen?

Auf der anderen Seite spürte ich etwas, was ich bei uns manchmal vermisse: Den Kindern wurde ganz selbstverständlich zugetraut, sich ordentlich in den Räumen zu benehmen: Nicht rumzurennen oder zu schreien, nichts anzufassen oder zu verändern (diese Gruppe saß direkt neben einem lose auf dem Boden arrangierten Ring aus Steinen von Richard Long). Klar, sie rannten nicht rum, sie waren leise, konzentriert und wer keine Lust hatte, legte sich kurz hin oder guckte aus dem riesigen Fenster. Ich habe mich an meine eigene Kindheit erinnert, und daran, wie oft ich enttäuscht war, von Erwachsenen nicht ernst genommen zu werden.

Rache?

Habe ich mir bislang verkniffen. Obwohl ich ein impulsiver Mensch bin. Und es genug Anlässe gab. Mehr als genug, um ehrlich zu sein. Oh, Rache ist süß – oder zumindest: Rachegedanken können höchst komplex sein, extrem einfallsreich und sogar komisch.(Mein Rechner bietet an: 😁 😄) Rachegedanken haben einen Drive und eine Wucht, pffff, die hätte ich mal gerne Montag morgens, wenn ein großer Arbeitsberg vor mir liegt. Aber egal (Rechner: 😐 😑) – (Rechner: 💻 🖥) (hä???) – (Rechner: Konzerte) (Ich: fasse es nicht!)

Rache ist heiß. Wühlt auf. Lässt einen nicht schlafen. Macht einen Herzkasper nach dem anderen. Und gibt einem das Gefühl, aus der eigenen Ohnmacht – auch noch glamourös – ausbrechen zu können. Ich habe mich immer dagegen entschieden. Leider fühlte sich das oft wie Resignation an. Aber irgendwann kam immer der Moment ☝️ , an dem ich froh war. Weil man sich mit Rache auch unglaublich lächerlich machen kann. Nicht jede Vergeltung ist so elegant, wie sie in Gedanken daherkommt. Oder so effektiv. Manchmal fällt sie einem auch auf die eigenen Füße – und wer erwischt wird, ist immer der oder die Dumme.

Einmal habe ich es dann erlebt, dass mitten in Rachegedanken eine andere Idee 💡 (Uaahh) erst leise anschlich, und dann immer lauter wurde: Wenn Du sofort mit den Racheplänen aufhörst, ist auch das zugrundeliegende Drama vorbei. Nun ja, vielleicht nicht ganz, aber fast vorbei. Du kannst Dich ab jetzt jederzeit umdrehen, und etwas Neues machen. Das war die eigentliche Erkenntnis. Die Rache hält mich an meinem Unglück fest. Mit dem Verzicht darauf, kann ich mich wieder dem Glück zuwenden.

Und das Beste kommt wie immer am Schluss. Denn nicht selten schreibt das Leben die besten Geschichten. Und die Rache kommt hier und da ganz von allein. Wie heißt es so schön: Man begegnet sich im Leben meist zweimal. Be aware!

Schatzkästlein

Vielleicht, dachte ich, als ich dieses Foto machte, vielleicht ist unsere Seele eine durchsichtige Membran, die Dinge, sagen wir, Erinnerungen, umschließt. Diese Erinnerungen sacken in einen dunklen Grund und verschwimmen in der Spiegelung des aktuellen Hier und Jetzt. „See“ lese ich bei Wikipedia könnte der germanische Ursprung des Wortes sein, was mir gefällt, weil es auch hier einen dunklen Grund und einen Spiegel gibt. Ein tiefes Gefäß, in das von dem Beginn des Lebens an Erinnerungen einfallen (wie ins Sparschwein – …aber auch schlechte!), die aus jedem Menschen die oder den Einzige/n machen.

Die Membran muss natürlich enorm dehnbar sein – oder wir vergessen viel von dem Eingesickerten gleich wieder. Viele Menschen führen – zumindest meiner Seele – ein Leben, das anders ist, als unsere Beziehung in der Realität. Allein die Gespräche, die ich dort mit den bereits Gestorbenen führe! Hier, tief im Schatzkästlein, leben auch meine heimlichen Lieben, Menschen, denen ich nicht zeigen kann, wie sehr mein Herz für sie schlägt – und wie sehr ich mich nach ihnen sehne. Manchmal würde ich sie gerne aus der Seele an die frische Luft entlassen. Aber im letzten Moment dann doch nicht (jedenfalls bislang). Licht ist Welle und Materie zugleich (falls ich das richtig erinnere). Nein, das ist jetzt nicht wirklich kompatibel, dennoch denke ich manchmal, die Seelen senden Wellen aus. Oder so: Ich muss wirklich nicht alles ans Licht lassen, um es Wirklichkeit werden zu lassen.