Ein Kollege erzählte mir eben auf dem Weg nach Hause, dass Romanbiografien gerade en Vogue sind. Ich musste erst einen Moment überlegen, was mit dem Begriff gemeint ist (fiktive Lebensgeschichten über reale Menschen) und es hat noch einiges länger gedauert, bis mir ein, zwei, drei Bücher einfielen, die unter diese Kategorie fallen, und die ich selbst gelesen habe (obwohl mich die ganze Zeit der Verdacht umschleicht, dass es mehr sein müssten – ???).
Kurz und gut. Diese erste Romanbiografie war „Desirée“ von Annemaire Selinko (musste ich nachschauen). Ich habe sie noch in der Schulzeit gelesen, und es war das zweite Buch, das ich ganz durchgelesen habe neben „Die Nonne“ von Diderot. Ich war aufgewühlt wie nach einem Kinofilm, als ich das Buch aus der Hand legte – vielleicht ist genau das eines der Kriterien für das Genre, denke ich dabei.
Die beiden anderen Bücher kamen viel später. Zwei ist dabei eigentlich kein Roman, sondern eine Erzählung. Und gleichzeitig eines der umwerfendsten und kältesten Bücher, die ich je gelesen habe: „Kein Ort. Nirgends“ von Christa Wolf. Kein aufgewühltes Kinogefühl danach, eher eine Wachheit und ein fremd-in-der-Welt-stehen, das sich richtig anfühlte und so weit in meine Kindheit zurückreichte, dass mir noch kälter wurde.
Drei ist das schmale Buch „Die kleine Stechardin“ von Gert Hofmann, kühn, brillant, witzig, komisch, traurig auch, obwohl es eine so schöne Liebesgeschichte ist. Das möchte ich auch mal erleben, dachte ich, aber auch: so möchte ich schreiben können.
Eins ist klar. Ich werde diese drei Bücher noch einmal lesen, denn, doch, jetzt bin ich neugierig geworden, ob und wie das mit den fiktiven Geschichten funktioniert. Ihr hört von mir.






