Things happen

Für einen Artikel habe ich gerade ein Interview mit der US-amerikanischen Künstlerin Cynthia Schira gehört. Sie erzählt darin von den Zufällen, durch die sie es als Tochter einer alleinerziehenden Mutter in die Kunstwelt geschafft hat. Keine Karriere ist das, was sie beschreibt, allerdings auch kein Weg, der sich „einfach“ so ergeben hat. Cynthia war ein aufmerksames Kind. Sie erkannte, dass Frauen heirateten, um dann zu Hause zu bleiben, etwas, was sie auf keinen Fall nachahmen wollte. Sie war gut in der Schule, und als ein Platz an der Kunstakademie zu teuer war, ging sie auf eine Textilschule, um weben zu lernen. Handarbeit war zwar nicht ihr Ding, aber sie erkannte Realitäten an und schaute, was sich daraus machen ließ. Schnell hatte sie raus, dass das strikte Raster von vertikalen und horizontalen Fäden für sie eine inspirierende Vorgabe war. Aufregender, als ein leeres Blatt Papier. Und obwohl der Mann, den sie dann doch noch heiratete (ohne allerdings lange zu Hause zu bleiben), ein seinerzeit anerkannter Maler war, ist doch Cynthia heute diejenige, die internationalen Ruhm eingefahren hat. Ihr Credo: „Things happen“. Allerdings nur, wenn man die Augen offen hält, und bereit ist, sofort zuzuschlagen, wenn sich eine Chance ergibt.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 8

  1. christahartwig 30. Januar 2018

    Ich werde jedes Mal sauer, wenn ich von einer Frau höre oder lese, sie habe auf keinen Fall heiraten und dann zu Hause bleiben wollen. Natürlich ist es vollkommen okay, wenn eine Frau finanziell unabhängig sein und/oder einen Beruf ausüben möchte, zu dem sie sich geneigt fühlt. Aber es ist genau die Geringschätzung, die in diesem „auf keinen Fall“ zum Ausdruck kommt, die heute dazu führt, dass eine Frau in einem Werbespot auf einer Party sagt: „Ich führe ein kleines erfolgreiches Familienunternehmen.“ Legionen von Frauen verdienen ihren Lebensunterhalt mit Tätigkeiten, die hundertmal stumpfsinniger sind, als Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, ein leckeres Essen auf den Tisch zu bringen und den Haushalt rundum zu managen. Erstere bekommen am Monatsende Gehalt, und selbst wenn das nur knapp über Hartz IV liegt, erfahren sie gesellschaftlich mehr Anerkennung als die Frau, die „nur“ Hausfrau und Mutter ist. Zum k…..!

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    • Stephanie Jaeckel 30. Januar 2018

      Cynthia Schira ist 1934 geboren. Zu jener Zeit gab es wenig Ausbildungsplätze für Frauen, bzw. wenig qualifizierte Arbeit für Frauen, für die überhaupt eine Ausbildung nötig war. Cynthia Mutter war eine weitgehend mittellose Witwe, die drei Kinder durchzubringen hatte. Ich denke, Cynthia hat die richtigen Schlüsse aus dem gezogen, was sie selbst erleben musste. Auch ich habe als Kind Frauen fast nur im Haus gesehen. Meine Schlussfolgerung war dieselbe: Ich will so ein Leben nicht führen. Ich möchte morgens das Haus verlassen dürfen. Dabei geht es nicht um Geringschätzung. Sondern um Freiheit. Und eben nicht um schlechtbezahlte Jobs, sondern um qualifizierte Arbeit. Und vielleicht habe ich da das Privileg einer Freiberuflerin, aber ich schaffe es durchaus neben der Arbeit (Vollzeit), leckere Essen (täglich) zu kochen, und gelegentlich Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen.

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      • christahartwig 30. Januar 2018

        Mit einer vehementen Verteidigung hatte ich gerechnet, denn sie ist eigentlich immer die Reaktion, wenn ich mir erlaube, darauf hinzuweisen, dass Frauen auch das Recht haben müssen, sich fürs zu Hause Bleiben zu entscheiden, ohne bei ihren Geschlechtsgenossinnen ein nachsichtiges Lächeln zu provozieren. Es gibt ja auch gar nicht so viele Frauen, die es sich leisten können, zu Hause zu bleiben – so wie ich es mir nicht leisten konnte. Aber ich hätte es, zumindest für einige Jahre, gerne getan. Allerdings kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, dass man Beruf und Kochen und Hausaufgabenhilfe und, und, und unter einen Hut bringt – auch wenn das nicht immer lustig ist.

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        • Stephanie Jaeckel 30. Januar 2018

          Was heißt denn eine vehemente Verteidigung? Liebe Frauen, ich würde es langsam mal an der Zeit sehen, dass Männer sich – zumindest gleichberechtigt – um die Kinder und ums Essen kümmern. Ich kann und will nicht akzeptieren, dass diese Hausarbeiten frauenspezifisch sein sollen. Zu Hause bleiben ist eine selbstverschuldete Unmündigkeit. Zu Hause spielt kein Leben, zu Hause fallen keine neuen Ideen von der Decke oder Überraschungen (meinetwegen auch böse). Klar, Kinder sind süß, Kinder können überraschen, Kinder haben irre Ideen. Aber die Erwachsenen fehlen. Und Erwachsene brauchen Menschen auf Augenhöhe, um weiter zu wachsen. Auch wenn ich immerzu bereit bin, von Kindern zu lernen. Jede Frau soll so viel Entscheidungsspielraum wie möglich haben. Aber Hausfrauen, tut mir Leid, ich habe bislang wirklich keine kennengelernt, die genug Disziplin hatte, ein zu Hause ein erwachsenes Leben zu führen – zumindest in der Großstadt. Landfrauen, das ist ein ganz anderes Kaliber.

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          • christahartwig 30. Januar 2018

            Landfrauen sind ein anderes Kaliber? Das kann ich nicht beurteilen. Wenn Hausfrauen in der Großstadt versauern (wobei ich nicht bergreife, warum sie das tun sollten oder müssten), dann vielleicht nicht, weil sie sich selbst isolieren oder von Mann und Kindern zur Isolation gezwungen werden, sondern weil berufstätige Frauen meinen, nur mit anderen berufstätigen Frauen „auf Augenhöhe“ kommunizieren zu können. – Es geht mir doch darum, dass Frauen jede Wahl haben sollten – eben auch die einer als frauenspezifisch „verschrienen“ Beschäftigung nachzugehen. Und es bleibt leider zu konstatieren, dass Frauen als Kulturträger in der Familie verzweifelt fehlen. – Wir sollten das nicht mit der Diskussion über die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern mischen. Da hat sich viel in die richtige Richtung entwickelt, aber im Zweifelsfall ist es nie der Mann, der sich zwischen Kindern und Karriere (und ich meine jetzt nicht bloße Berufstätigkeit) entscheiden muss. –
            Aber um beim Ausgangspunkt zu bleiben (denn sonst ufert es zwangsläufig aus): Es ist misslich, dass eine Frau, die sich für eine Karriere entscheidet, explizit betont, dass Hausfraulichkeit für sie nie in Frage gekommen wäre. Genauso gut könnte sie aufzählen, wie viele andere Berufe nicht in Frage gekommen wären, aber es ist stets dieser, der hervorgezerrt wird. Und darin sehe ich sehr wohl eine Herabsetzung.

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  2. Stephanie Jaeckel 31. Januar 2018

    Nein, es ist keine Herabsetzung, weil bei Frauen (jedenfalls noch bis in meine Generation) selbstverständlich davon ausgegangen wurde, dass sie Hausfrauen wurden, und keinen anderen Beruf wählen. Hausfrau sein ist kein Beruf, sondern eine unbezahlte Dienstleistung. Und ich finde, keine Frau hat es verdient, darauf reduziert zu werden. Auch wenn fast jede einzelne hausfrauliche Tätigkeit natürlich als bezahlter Beruf zu finden ist (und wenn wir an Spitzengastronomie denken, sogar unendlich gut bezahlt). Die Frauen versauern, weil alle Hausfrauentätigkeiten zusammengenommen und die Isolation, die diese Tätigkeiten nach sich ziehen, jeglichen Überschwang und jegliche Neugier töten. Es ist ja auch so, dass nie Feierabend ist. Wenn ich sehe, in welchem Zahn meine Wohnung verstaubt, wäre ich als Hausfrau sicher jeden Tag der Woche am Wischen. Wenn ich nicht in der Wohnung bin – oder nur abends – sehe ich den Staub bestenfalls nicht, tatsächlich lasse ich ihn liegen, weil ich keine Zeit zum Wischen habe. Wie schon geschrieben, ich habe noch keine Hausfrau erlebt, die die Disziplin gehabt hätte, aus dieser Endlosschleife auszubrechen. Außer eben in eine eigene Arbeit (und wenn es nur eine Dissertation ist). Und ich habe auch noch keine Hausfrau kennengelernt, mit der ich mich wirklich hätte unterhalten können (Augenhöhe hin oder her, ich komme schließlich auch aus einer bildungsfernen Schicht). Außer diese Hausfrau hatte dann eben doch eine – meist ehrenamtliche – Tätigkeiten, die sie auf dem Laufenden hielt. Oder es waren Landfrauen, die so viel einfach konnten und wussten, weil sie die Natur beobachteten und mit Wind und Wetter arbeiten mussten oder mit Tieren oder was weiß ich. Ich glaube auch nicht an Frauen als Kulturträgerinnen. Das müssen beide Geschlechter gleichzeitig schultern, sonst stimmt was ganz arg nicht in unserer Gesellschaft.

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