Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

„Je unmöglicher das Problem

desto poetischer die Möglichkeiten.“ Der schöne Gedanke stammt von Carl Rakosi. Er wusste wahrscheinlich, wovon er sprach, schließlich wurde er 100 Jahre alt. Und plötzlich ist da auch wieder ganz viel Luft zum atmen…

Im Trüben fischen. Oder: Was belastet mich eigentlich?

Das ist eigentlich keine Frage, die mich treibt. Vieles ist lästig. Oder mehr als das. Aber ich akzeptiere Lasten. Meist zumindest. Zu oft habe ich Überraschungen erlebt. Wie das Schwere plötzlich leicht wurde. Oder wie ich einen Ausweg finden konnte. Oder wie schön es sein kann, wenn alles lästige weggeräumt ist. Doch so komme ich […]

Burnout

Mit offenen Augen in einer Sackgasse gegen die Wand fahren. Wo ist bloß der Rückwärtsgang?   P.S. Die Ärztin hat wenigstens nicht drauf bestanden, den Kaffee zu streichen…

Zufriedenheit

Ich wohne mittlerweile seit fast zwanzig Jahren in derselben kleinen Einzimmerwohnung in Kreuzberg. Als ich einzog, gab es keine Alternative, als die Wohnung einmal durch einen Brand im unteren Stockwerk verwüstet war, stand ich kurz davor, umzuziehen. Das ist auch schon wieder elf Jahre her. Die Lage ist göttlich, die Hausgemeinschaft bestens. Kein Grund, auch […]

Die Schönheit des Sitzens

Wer hat eigentlich damit angefangen, möchte man manchmal verzweifelt fragen, mit dem Sitzen auf Stühlen? Ab 50 bekommen die Schreibtischarbeiter/innen spätestens die Quittung: Wir sitzen zu viel und zu lange am Stück. Der menschliche Rücken mag das gar nicht. Wahrscheinlich wären Hängematten besser. Oder kleine Wassertanks, in denen man beim Denken und Telefonieren schweben könnte. […]

Bilder von früher

Wer keinen Krieg miterlebt hat, sollte nicht so sicher sein. Oder: Wer Ulrike Draesner liest, wird immer wieder mit dem Phänomen der Kriegskinder und Kriegsenkel konfrontiert. Sie ist eine Enkelin, so wie ich. Sie konzentriert sich in ihren Büchern – selbst in ihrer aktuellen Poetikvorlesung „Grammatik der Gespenster“ – darauf, ich schaue immer wieder weg. […]

Affentheater

„Affen machen alles nach“ – so lautet eine in meiner Kindheit oft geplapperte Binse. Dabei könnten wir so viel von den Affen lernen, wenn wir uns gelegentlich vor den Affenfelsen hockten, und zuschauten. Affen machen nämlich vor allem alles mögliche nach, weil sie auf diese Weise lernen: Erste Lektion. (Sie quatschen beim Lernen, wie bei […]

Mehr Meer,

wenn auch nur kurz: Marguerite Duras schrieb (und sie wusste davon, denn sie lebte an Stränden oder bereiste sie in der langen Zeit, in der sie in Paris wohnte): „Das Meer betrachten heißt alles sehen.“ So zu lesen auf dem rückseitigen Buchdeckel der neuen Biografie „Marguerite Duras, die Schwester der Meere“ von Jens Rosteck, erschienen bei […]