Affentheater

„Affen machen alles nach“ – so lautet eine in meiner Kindheit oft geplapperte Binse. Dabei könnten wir so viel von den Affen lernen, wenn wir uns gelegentlich vor den Affenfelsen hockten, und zuschauten. Affen machen nämlich vor allem alles mögliche nach, weil sie auf diese Weise lernen: Erste Lektion. (Sie quatschen beim Lernen, wie bei den meisten Tieren üblich, nicht so viel).

Den Menschen im Rokoko war die Situation – allerdings auch damals schon unter den falschen (weil verkehrten) Vorzeichen – bewusst. Affen spielten in den europäischen Machtzentralen (Schlösser und Residenzen) eine wesentliche Rolle. Sie zierten Tapeten, waren auf teuerstes Tafelporzellan gemalt oder standen gleich als Porzellanfigürchen auf dem Tisch. Achtung! Das war mal lange nicht nur niedlich. Tischdekoration hatte mehrere Funktionen. Klar, sollte teuer sein: man wollte den Gästen ja zeigen, mit wem sie es zu tun hatten: Machtzentralen! Was auf dem Tisch stand, war auch als Anregung zum Gespräch gedacht. Oft genug traf man am Tisch (das machen wir ja heute noch so), wichtige Entscheidungen. Smalltalk war wichtig, um sich ein wenig kennenzulernen: Zeig‘ mir Deine Vorlieben und Vorurteile, und ich sage Dir, wer Du bist… – denn da saßen ja oft von weitem angereiste, persönlich noch nicht bekannte Menschen zusammen.

Dass sie damals auch lebende Affen in teure Seiden- und Brokatkleider steckten, war schlicht und ergreifend Tierquälerei. Und auch ich möchte nicht unbedingt für Zoobesuche werben. Dennoch, 10 Minuten vor einer Affenhorde, und man begreift sämtliche Reibereien im Büro und in der Familie (ja genau: ganz ohne Worte). Schlüsse kann jede/r für sich ziehen. Und – nein, das ist nicht nur putzig. Aber auch hier habe ich wieder etwas gesehen, was mich (wie sonst bei Hunden) zutiefst anrührt: Diese Zärtlichkeit unter Familienmitgliedern. Ob zwischen Affenmann und Affenfrau – von uns despektierlich Männchen und Weibchen genannt – Liebe eine Rolle spielt, wissen wir nicht. Aber Paare miteinander anzuschauen, gibt eine ganz eigene Lektion. Ich jedenfalls bin froh, mir die Zeit dafür genommen zu haben.

 

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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