Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Downtown Los Angeles an einem Sonntag

Zugegeben, es war ein enorm heißer Sonntag. Aber es sieht auch an den übrigen Wochenenden im Zentrum von Los Angeles so aus: menschenleer. Das Foto habe ich vor knapp zweieinhalb Jahren gemacht. Und jetzt ist es wieder so weit. In drei Wochen starte ich in meine nächste USA-Reise. Von New York geht es nach Los […]

Freier Fall

Wie immer, sind die Tage nach dem Ende einer längeren Arbeits-Stress-Zeit merkwürdig konturlos. Ich fühle mich wie im freien Fall durch die Zeit, denn wo sich am Ende Tag und Nacht kaum noch unterschieden, weil ich immer kürzer (aber dafür öfter) geschlafen habe, so dass ich gelegentlich auch nachts am Schreibtisch saß, läuft dieser Rhythmus […]

To reach high

Ich kann mich noch an ein Gespräch an der Uni erinnern. Ich hatte – wie wahrscheinlich viele Student/innen – Schwierigkeiten, eine umfangreiche Hausarbeit zu schreiben. Heute denke ich, „kein Wunder“. Schließlich lernt man das nicht in der Schule und im Grunde auch nicht an der Uni. Da macht man es eben. Dieser Sprung ins Wasser […]

Alltag – oder das Glück, einen zu haben

Natürlich meckern wir gerne über ihn: den Alltag, das Tagein, Tagaus des immer Gleichen. Wie ein endloser Weg zieht er sich durchs Leben, wir freuen uns auf die Abwechslung des Wochenendes und der Ferien. Umgekehrt: Wer keinen Alltag hat, ist entweder ein/e (Kino-)Held/in, ein sehr armer Mensch, der statt Alltag in ständiger Improvisation lebt oder […]

Die Eleganz des Kochens

Glaubt man den Prognosen der Haushaltstechnikbranche, haben wir demnächst nicht mehr viel zu tun in unseren Küchen. Oder wahrscheinlich wird es bald überhaupt keine Küchen mehr geben. Um Platz zu sparen, verschwinden die Kochgelegenheiten vermutlich bald im Wohnzimmer, wo sie so unauffällig wie möglich eingepasst werden. Heute gibt es schon Herde, die – ausgeschaltet – […]

Shoppen ist mehr als Konsum

Mir stößt die Sache schon länger auf. Ich gehe gerne shoppen. Für mich, gerade nach der Arbeit oder bei schlechtem Wetter ein Spaziergang, der nicht immer an der Kasse endet. Ich kann völlig den Kopf ausschalten und mich im Betrachten von Materialien verlieren, in der Machart von Gegenständen, ihrer Wirkung, beim Anprobieren von Kleidern oder […]

Kommen lassen oder einfordern?

Als Rheinländerin bin ich mit der Lokalweisheit „et kütt wie et kütt“ großgeworden. Auf englisch heißt das so viel wie „wait and see“, und gehört zu den Lebensregeln im Allgemeinen, nach der, wer zu viel fordert oder zu viel voraussieht, nicht nur zu viel Wind macht, sondern sich möglicherweise auch umsonst verausgabt. Aber. Natürlich kennt […]

Sich unsichtbar essen

Das 2017 in den USA erschienene Buch „Hunger. A Memoire of (my) Body“ von Roxane Gay ist dieses Jahr in deutscher Übersetzung auf den Markt gekommen. Zeitgleich mit „Bad Feminist“, einem Buch, das Gay 2014 veröffentlichte, und das – so zumindest verstehe ich das Rosa auf dem Cover – mit einem Augenzwinkern hier noch einmal […]

Alltägliches wieder neu sehen

Es ist schon verrückt: Kaum habe ich eine neue Kamera, sehe ich die Welt noch einmal neu. Als hätte das Gewicht in meiner Hand – und fast mehr noch das Geräusch des Auslösens selbst eine Magie, Dinge anders zu sehen. Allein die Farben! Und wenn ich jetzt verrate, das ich dieses Foto direkt neben einer […]