Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Eleganz

Die Sache hat mich nicht losgelassen. Eleganz gegen die eigene Hektik? Wenn in mir das erste Bild von Männern und Frauen, die ich für unsagbar elegant halte, auftaucht, stimmt zumindest eins: Sie sind niemals hektisch. Sie zögern auch nicht. Die Eleganz in ihrer Bewegung und ihrem Tun ist (so scheint mir das zumindest) geschmeidig. Sie […]

Abstand gewinnen.

Und damit meine ich: Abstand von sich selbst. Denn das ist eine Beobachtung, die ich gemacht habe: je mehr ich mich durch meine Tage hetze, desto weniger halte ich Abstand von mir. Ich bin derart involviert in mein Tun und noch schneller weil wichtig, wichtig, dass ich irgendwie an mir selbst ersticke. Wenn alles, was […]

Erst das Ganze setzt sich aus.

Sich ein Hintertürchen offen halten, um nicht kritisiert zu werden. – Wie das geht? Am Besten nie fertig werden. Deshalb ist „Kunst“ so schwierig. Halbfertig gilt nicht. Außer bei den Riesen der Zunft wie Cézanne, dessen erste Pinselstriche schon zu erkennen gaben, wohin der Hase lief (Cézannes Kunsthase nämlich), will sagen, dass er das ganze […]

Sternenfunkeln

Von wegen! Gestern Abend hatte ich alles noch weggenickt: Mars, Venus und Jupiter in ungewöhnlicher Konstellation, morgens um fünf? Ohne mich. Morgens um fünf schlafe ich. Da kann noch so eine Planetenkonstellation vorbeikommen. Hab‘ ich dann ja sowieso beim Kaffee in einem Online-Magazin in Großaufnahme. Aber dann: Es war noch stockdunkel draußen (was auch sonst…). […]

Tanizaki Jun’ichirō: Lob des Schattens

Für die Menschen in Japan werden Europäer wohl immer mit den Errungenschaften der Moderne in historischer Erinnerung bleiben, als die Überbringer des elektrischen Lichts, der glänzenden Oberflächen und der gnadenlosen Sauberkeit. Weiße im durchgängigsten Sinn des Wortes, die mit ihrer schattenlosen Haut und den hypermodernen Einrichtungen die Asiaten das Fürchten lehrten. Und sie dennoch zur […]

Es wird wieder Nacht –

so kommt es mir jedenfalls immer vor, wenn im Oktober die Zeitumstellung ansteht. Noch früher dunkel als nötig – und überhaupt: wer hat den Winter noch mal erfunden? Doch dieses Mal will ich nicht gleich den Kopf in den Schnee stecken, sondern genauer hinschauen. Was hat es denn auf sich mit der Dunkelheit? Hebt sie, […]

Sich zeigen

ohne sich gleich darzustellen, ist ein schmaler Grat. Was ist (mir) wichtig, was ist privat, was kann, was muss ich sagen oder zur Geltung bringen, um mich auszudrücken und um mir Gehör zu verschaffen? Ich habe viele Jahrzehnte gedacht, man würde mir schon ansehen, was ich denke, fühle, meine. Von wegen! So wie ich mir […]

Herbstklunker

Also, das ganze Sommergrün ist nun wirklich nur ein Klacks gegen das hier: Volle Kanne Herbstfarben! Und dann diese zauberhaften Blattlöffel mit den wie ungeschliffene Diamanten eingepasste Wasserflecken. Schöner als jedes Design. Nur leider nicht so haltbar. Was soll ich sagen? Was graue Nieselhimmel so hergeben!

Perfektion versus – ?

Erstaunlich, denke ich in letzter Zeit öfters, dieser Drang meiner Generation, keine Fehler zu machen. Das scheint mir fast vergleichbar wie die Angst der 50er und 60er Jahre vor Mikroben und Bazillen. Auweia! Ein Fehler – da könnte ja, da wäre, was würden die anderen…, wie komme ich da wieder raus … Hilfe! Dabei. Fehler […]