Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Abschied

Wenn ich den Wetterbericht richtig lese, ist jetzt Schluss mit der strahlenden Herbsteuphorie. Es war so was von klasse! Letzte Woche in München dachte ich noch, wir hätten Sommer! Aber jetzt werden wieder Mützen gebraucht. Tschüss, du toller Herbst! So einen wie dich habe ich lange nicht mehr erlebt. Allen anderen auch einen schönen Feierabend. […]

Manchmal

muss man seine wichtigsten Lebensprojekte gegen die Wand fahren, um wieder klar zu sehen. Ein Trost? Zumindest kein Fall von Versagen. Alles hat zwei Seiten. Auch die besten Ideen. Oder, um es kompliziert zu machen: alles ist im Grunde dasselbe. Eins. Also, entspannen, durchatmen, meinetwegen Krönchen richten. Und mit offenen Augen weiter gehen. Ihr werdet […]

Neulich, zwischen Himmel und Erde

Nein, das ist kein Karibikstrand. Das ist der Himmel über Berlin an einem wirklich arg grauen Niesel-November-Tag. Und keiner guckt hin. Im Flugzeug sitzen alle busy über ihre Lektüren gebeugt. Aber ich kann mich nicht satt sehen. Obwohl ich eigentlich lieber am Gang sitze (aber wer meckert schon, wenn Streik ist???) – Ansonsten hatte ich […]

Passivität

hat einen schlechten Ruf. Schon im Deutschunterricht wird einem nahegelegt, so genannte Passiv-Konstruktionen zu vermeiden. Zu schwammig das Ganze. Und überhaupt, wo bleibt den da die „action“? Das Wort lädt zum Unbehagen ein, es kommt aus dem Französischen und wird mit „erleiden“, „erdulden“ konnotiert. Aber natürlich gibt es Situationen, wo uns Passivität nahe gelegt wird. […]

Ein Plädoyer fürs Träumen

„Auch ein Kind, das in Armut aufwächst, empfindet etwas vom Glanz des Lebens. Das Elend beginnt, wenn die Gewöhnlichkeit über es hereinbricht. Gegen äußere Armut ist das Kindergemüt immun, doch der Lähmung durch die Niedrigkeit der Gesinnungen hat es nichts entgegenzusetzen, es sei denn, ihm gelingt die Flucht in die Träumerei.“ So schreibt Peter Sloterdijk […]

Gibt es überhaupt Biografien?

Je länger der Mensch auf der Erde weilt, desto unsicherer werden die Beweise für die jeweilige Existenz. So wissen wir mittlerweile, dass selbst eigene Erinnerungen „Fälschungen“ sein können, und wer, wenn nicht wir, soll wissen, wie unsere Tage verlaufen und welche Wege tatsächlich eingeschlagen worden sind? Pierre Bourdieu schrieb 1990 klipp und klar: Es gibt […]

Ab ins Wolkenkuckucksheim!

Den Ausflug gönne ich mir, wo die Lufthansa womöglich meinen kleinen Wochenendurlaub zerstreikt und mal wieder Pegida-Montag ist. Heute ohne mich. Nur noch das. Im Englischen heißt es fast noch charmanter: Cloud-Coockooland!

Du bist mir sowas von un/sympathisch!

Alles weist darauf hin, dass es mit der Sympathie ganz ähnlich ist wie mit der Liebe auf den ersten Blick. Schicksal, möchte man denken. Zumindest geht es ratzfatz und danach ist es schwer, von der scheinbar durch Stromschlag zustande gekommenen Verbindung/Störung wieder auf „normale“ Bahnen zu kommen. Dass es sich bei der Sympathie um keine […]

Frauen, Freunde + Bücher

Das, so schreibt Montaigne, seien im Leben eines Mannes die Garanten fürs Glück. Für Frauen galt das in seiner Zeit nicht so, auch wenn man Frauen in der Aufzählung mit Männern ersetzen würde. Denn Frauen konnten anno dazumal noch nicht lesen (oder eben nur wenige – und wenn, dann höchstens Französisch oder eine jeweils andere […]