Du bist mir sowas von un/sympathisch!

Alles weist darauf hin, dass es mit der Sympathie ganz ähnlich ist wie mit der Liebe auf den ersten Blick. Schicksal, möchte man denken. Zumindest geht es ratzfatz und danach ist es schwer, von der scheinbar durch Stromschlag zustande gekommenen Verbindung/Störung wieder auf „normale“ Bahnen zu kommen.

Dass es sich bei der Sympathie um keine bewusste Entscheidung handelt, haben wir alle früher oder später in unserem Leben gemerkt. Dass wir P. seine Unpünktlichkeit durchgehen lassen, während sie uns bei A. stört, dass wir B. stundenlang zuhörend, während E. schon nach zehn Minuten nervt – das lässt sich kaum begründen, auch wenn wir felsenfest davon überzeugt sind. Wer uns sympathisch ist, so vermuten wir, ähnelt uns, muss also liebenswert sein (haha, aber so ähnlich funktioniert es, wenn ich das richtig verstanden habe). Auch glauben wir bei sympathischen Menschen mehr oder weniger automatisch, dass sie uns auch mögen. Was allerdings ein Fehler – und sehr enttäuschend – sein kann. Wer Psychologen fragt, bekommt entgegengesetzte Antworten: Ähnlichkeit kann zur Sympathie führen, aber auch geradewegs zum Gegenteil. Dann nämlich, wenn die Ähnlichkeiten da liegen, wo man sich selbst nicht leiden kann. Bei Unähnlichkeiten ist es dasselbe Lied: Entweder bezaubert mich die Fremdheit des Anderen oder ich fürchte sie und fühle mich in meinem Selbstverständnis bedroht. Bei mir spielt das Aussehen eine große Rolle. Wen ich attraktiv finde, schenke ich meine Sympathien eher. Ganz schön ungerecht – oder?

Auch mit grundsätzlichen Charaktereigenschaften komme ich nicht wesentlich weiter. Natürlich finde ich Geiz, Verbissenheit, Schadenfreude, Besserwisserei und Rücksichtslosigkeit mega unsympathisch. Aber wer hätte das nicht alles schon dem besten Freund oder der besten Freundin durchgehen lassen? Also was jetzt?

Vor allem keine Panik. Sympathie gehört wohl zu den so genannten „Bauchgefühlen“, die wir als Bauchträger nun mal haben. Schwierig wird es, wenn unsere Sympathien immer wieder an Menschen geraten lassen, die beim besten Willen nicht zu uns passen. Oder wenn wir merken, dass uns immer weniger Menschen sympathisch sind. Wer um sich herum mehr und mehr Geisterfahrer sieht, sollte sich daran erinnern, dass Sympathien zwar nicht bewusst sind, sie aber stets etwas mit uns zu tun haben. Vorurteile leiten uns hier, die wir im Laufe des Lebens gebildet haben. Zu recht und gelegentlich auch zu unrecht. Vorurteile schütteln, um zu neuen Urteilen zu kommen, ist vielleicht ein wichtiger Aspekt von Toleranz. Was bietet sich besser an, als eine neue Woche, um mal mit dem Ausschütteln zu beginnen!?

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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