Passivität

hat einen schlechten Ruf. Schon im Deutschunterricht wird einem nahegelegt, so genannte Passiv-Konstruktionen zu vermeiden. Zu schwammig das Ganze. Und überhaupt, wo bleibt den da die „action“? Das Wort lädt zum Unbehagen ein, es kommt aus dem Französischen und wird mit „erleiden“, „erdulden“ konnotiert. Aber natürlich gibt es Situationen, wo uns Passivität nahe gelegt wird. Weil die Entscheidung noch nicht gefällt ist, und vor allem nicht von uns. Oder weil es noch zu viele Unwägbarkeiten gibt, noch etwas Zeit, noch zu viele Bedenken. Vielleicht aber ist dieses leichte Dösen, noch nicht Entscheiden etwas anderes, eher so wie das Spannen eines Bogens, wo nur der richtige Moment oder die eigentliche Reaktion vorbereitet wird. Auf der Lauer liegen. Getarnt als Getrödel, Manchmal auch vor sich selbst: Hach, ich hab‘ ja heute wieder gar nichts getan…! Nee, weil morgen gestreikt wird bei Lufthansa und ich – warten oder was tun oder? Wait and see, sagen die Engländer/innen und trinken einen guten heißen Tee dabei. Ich denke, ich koche noch mal Wasser. Und bin gespannt – im wahrsten Wortsinn -, durch welches Türchen ich nach München komme.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 6

  1. mickzwo 8. November 2015

    Prokrastinieren sucht immer nach Vorwänden, die nicht als solche angesehen werden und hat ja eigentlich nichts mit den Handlungen zu tun, die erst einmal analysieren, was denn nun Sache ist. Mal geht das schnell, und mal geht es weniger schnell.

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  2. Stephanie Jaeckel 9. November 2015

    Für mich geht es bei dem Plädoyer für Passivität nicht um ein Plädoyer fürs Aufschieben. Ich beschreibe ja etwas, was nicht ansteht, und ich einen großen Bogen darum mache, sondern etwas, was wage ist, und wo ich natürlich was machen könnte, aber eben auch nicht. Wenn gestreikt wird, kann ich mir eine Alternative suchen, oder erst mal abwarten. Wenn ich im Job unzufrieden bin, dito. und so fort. Mir geht es auch nicht so sehr ums Analysieren. Wer auf der Lauer liegt, reflektiert nicht unbedingt. Er wartet gespannt auf etwas, was noch nicht abzusehen ist. Das ist natürlich nicht für jede Situation so ganz das Richtige. Aber hin und wieder eine prima Alternative – wenn alles Tun nur noch den Kopf verwirrt…

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