Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Aber vielleicht doch ein Tanz

Die Distanz hat in unserer Zeit einen schlechten Ruf. Distanzierte Menschen gelten als scheu und ungesellig, Nähe ist die große Qualität in Beziehungen, wer auf Distanz geht, ist fast schon weg (zumindest gefühlt). Dabei ist Distanz vielleicht die größte Chance, einander nah zu sein. Jaja, so sind wir Menschen nun mal: Wo ein Widerspruch ist, […]

Weiterdrehen

denke ich, Augen schließen und drehen, mit leichtem Schwindel, bloß nicht stehen bleiben und atmen, damit die Regen fallen und die Wolken fliegen, drehen, durch die Dunkelheit, auf ewig festgelegter Bahn (oder wie war das?), einer Ballerina gleich, die auf den Klebspuren über den Bühnenboden schwebt (während die Knochen wehtun, was denkst du denn?). Überschläge, […]

Dinosaurier am Stil?

Würde man Ernst mit Kinderuniversitäten machen, würde Dino-Kunde (erwachsen ausgedrückt Paläontologie) wohl auf einem der ersten Ränge stehen. Die Faszination für Urzeitmonster scheint eine kindliche Konstante – vielleicht der Übergang aus Märchenwelten in die so genannte Realität? Oder gibt es eine kindliche Sehnsucht nach einer menschenleeren Welt? Oder sind die Urviecher ihr Bild für eine […]

Ein Sonnenuntergang in Schöneberg

nun – ich habe ihn so gesehen, und auch fotografiert, allerdings ist das keineswegs die Sonne. Die sank nämlich gerade hinter einer dichtgrauen Wolkendecke (eben, fast so opak wie eine Wolldecke) hinter den Horizont und ließ uns Berliner/innen bei schlappen drei Grad nach Hause oder zum Einkauf gehen. So wiederum habe ich Proust für mich […]

Auf der Suche nach dem Augenblick

Von wegen! Ich bin eher auf der Suche nach Zitaten über den Augenblick in Marcel Prousts „Recherche“, weil ich mir in den Kopf gesetzt habe, das könnte eine schöne „Begleitmusik“ für einen Text zu einer Ausstellung von Nabis-Künstlern sein. Und habe mich, statt in die Maler, einmal mehr in Proust verliebt. Wenn er sagt: „Die […]

Pierre Boulez

Nein, es ist nicht überraschend, wenn ein Neunzigjähriger stirbt. Überflüssig erscheint es mir dagegen oft, dieses Sterben. Nicht, dass ich Boulez gekannt hätte. Nicht mal – ich habe ihn zweimal nur live in der Berliner Philharmonie erlebt. Kaum je, dass ich eine solche Konzentration, Stille, Kraft erlebt habe. Ein eher kleiner Mann. Die Augen fast […]

Wellen schlagen

Bloggen war für mich von Anfang an ein Experiment. Ich war neugierig – aber nicht allzu scharf drauf. Ich wollte sehen, lesen, kapieren, wie das funktioniert, was mir einfallen und auffallen würde, ob ich eine Weile durchhalten könnte und ob aus dem Durchhalten eine Selbstverständlichkeit würde. Ich habe mich umgeschaut bei anderen Blogger/innen und so […]

Warten oder wollen?

Ein Vorsatz ist doch eigentlich auch nur ein Plan. Eine Hoffnung vielleicht. Ich war erstaunt, in den Blogs so viel Verweigerung zu lesen: keine Vorsätze fürs Neue Jahr, bloß so bleiben, wie man ist. Echt jetzt? Andererseits gab es nachmittags, während der Arbeit einen klaren Satz, der sich in meinem Kopf artikulierte und wirklich nichts […]