Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Abtauchen

Wie geht Leben in der Mitte des Lebens? Wohin man greift, Betriebsamkeit, Stress, Eile. Termine drücken, Erledigungen stehen an, Feierabend soll dann auch mal wieder sein. Hausarbeit türmt sich, der Garten, Familie und Freunde. Am Himmel ziehen Wolken. Aus der Oberflächen-Strömung (was nichts mit Oberflächlichkeit, höchstens mit der eigenen Schwimmgeschwindigkeit zu tun hat) abtauchen. Ins […]

Confidence Code – Was Frauen selbstbewusst macht

Um es vorweg zu nehmen: „Confidence Code“ ist (fast) kein Ratgeberbuch, auch wenn es mit „revolutionären Praxis-Tipps“ auf dem Cover beworben wird. Es ist viel mehr (oder meistens) eine populärwissenschaftliche Ausführung zu der Frage: Wo kommt unser Selbstbewusstsein her? Kann ich es trainieren oder ist es angeboren? Und stimmt es tatsächlich, dass Männer mehr davon […]

Grundeinkommen (II)

Einmal im Kopf, will der Gedanke an ein Grundeinkommen gar nicht mehr verschwinden. Was mich bei der bisherigen Debatte (die ich allerdings nicht in allen Details verfolgt habe) irritiert, ist, dass immer nur von der Gier der Menschen ausgegangen wird. Es sei ungerecht, so eine Argumentation, wenn Menschen, die mehr verdienen, dann auch noch ein […]

Raus mit Euch: Fotos machen!

Das Wetter wird nicht mehr besser und keiner auch nur einen Tag jünger. Aber mal im Ernst: Fotografiert Ihr Euch auch vor Sehenswürdigkeiten? Meine Eltern haben mich als Kind gerne vor dem Brühler Schloss fotografiert. Was schon wegen der Größenverhältnisse irgendwie putzig war. Ansonsten gibt es von mir ein Foto mit Eiffelturm im Hintergrund. Da […]

Paul Wer?

Goesch. Nein? Nie gehört? Kein Wunder. Der Mann hat sein nicht besonders langes Leben (er wurde 55), weitgehend in der Familie und in Sanatorien verbracht. Er war Architekt, sein Zweites Staatsexamen zum Regierungsbaumeister in Berlin legt er 1914 ab. Im Ersten Weltkrieg arbeitet Goesch im Postdienst. Hier wendet er sich dem Zeichnen und Aquarellieren zu. […]

Mein Kind hat Flausen im Kopf

Glückwunsch! Dann scheint sich Ihr Kind ja bestens zu entwickeln. – Heute saß ich neben Großeltern, die ihrem Enkel einen Teller Reis mit Erdnusssoße verabreichten. Der Kleine war eigentlich schon ganz gut mit dem Löffel unterwegs. Aber ununterbrochen wiesen ihn Oma und Opa zurecht, er solle doch den Löffel nicht so voll machen. Ansonsten kleckere […]

Geisterspiegel?

Vielleicht kennt sich ja jemand aus. Ich dachte, es sei einfach, aber jetzt komme ich nicht drauf. In welchem Material spiegeln sich Geister? In Spiegeln sind sie ja unsichtbar. Aber ich brauche einen Geisterspiegel, weil ich „meinen“ Geist, eine alte japanische Intelligenz, die in einer Art Taschenlampe – ich sag‘ mal – fungiert, also der […]

Traumgondel

Wer einsteigt, tut dies auf eigene Gefahr. Wetterberichte gibt es nicht. Reiserouten erst recht nicht. Letzte Woche hatte ich wohl immer die Linie mit den Alpträumen erwischt. Täglich wachte ich nass geschwitzt auf, nachdem ich nächtens abfahrende Zügen hinterher gerannt war, mich in labyrinthischen Bahnhöfen und wildfremden Landstrichen zurecht hatte finden müssen. Diese Woche sind […]

Verstehen

ist etwas, was wir uns wünschen. Wir wollen von anderen verstanden werden in unseren Bedürfnissen, unserer Größe, unseren Fehlern. Und wir wollen verstehen, um uns einen Reim drauf zu machen, um eine Reaktion zu finden, um mit etwas fertig zu werden. Wenn ich weiß, warum sich meine große Liebe wortlos von mir getrennt hat, kann […]

Der Baumarkt

Wenn ich tagsüber wirklich nicht mehr weiß, wohin mit mir, fahre ich in den Baumarkt. Hier finde ich Fragen des Lebens in den endlosen Regalen, die gut gestellt (wörtlich) und bequem draußen vor dem Parkplatz bei einer Tasse Filterkaffee zu bedenken sind. Insofern hatte ich heute einen richtig guten Tag.