Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Was ist eigentlich Urlaub?

Fast alle reden schon wieder davon und freuen sich. Auf den Urlaub. Nach Spanien geht es, nach Stockholm, in die Berge oder ins Umland. Hauptsache weg, Hauptsache günstig. Und Hauptsache für mehr als eine Handvoll Tage. Sprachgeschichtlich lässt sich das Wort Urlaub auf Erlaubnis zurückführen. Was schon Bände spricht. Heute ist mit Urlaub meist Abwechslung […]

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Heute habe ich einen Nachbarn aus dem Haus getroffen, und gleich mal mit ihm überlegt, was wir teilen könnten, um nicht nur persönliche Ausgaben zu sparen, sondern insgesamt weniger Zeug zu besitzen. Er wünschte sich eine gemeinsam zu nutzende vier-Meter-Leiter (wir wohnen in einem Altbau), eine Bohrmaschine (hab‘ ich zum Beispiel). Ich würde mir gerne […]

Wie viele Sklaven halten Sie?

Vorab: Ein Hoch auf den Deutschlandfunk! Könnte man ja öfters mal schreiben. Also heute zumindest hier. Dort wurde gestern das aktuelle Buch von Evi Hartmann vorgestellt mit dem provozierenden Titel: „Wieviele Sklaven halten Sie?“ Wer mutig ist, kann gleich nachschauen unter: slaveryfootprint.org im Internet. Ich hab’s gemacht und bin glimpflich davon gekommen. Ich habe kein […]

Genießen

Den Picknickkorb packen, auf die große Wiese fahren und vom goldenen Löffelchen essen. Wann, wenn nicht jetzt? – Mir scheint, und ich bin da ziemlich allein auf weiter Flur, weil sich über den Genuss noch wenig Menschen Gedanken gemacht haben, also, mir scheint, dass man erst mit zunehmendem Alter das genießen lernt. Kinder mögen. Und […]

Erinnern, nicht zurückblicken

Jetzt, nach dem Tod meiner Mutter, scheint bei mir eine Zeit des Erinnerns einzusetzen.Vor allem in Träumen rekapituliere ich alte Erlebnisse. Oder im Laufe des Tages kommt mir ein Traumbild in den Sinn, das aus der Vergangenheit stammt. Großeltern, Tanten, Onkel, Freundinnen, deren Namen ich längst vergessen habe, erste und zweite Lieben, Orte, zu denen […]

„Eindrucksgedichte“

nennt Nora Gomringer solche, die aus einer sie verblüffenden Konfrontation mit der Wirklichkeit entstehen. Und sie sagt, dass sie gerne Fotos macht, um Eindrücke festzuhalten. Nur wenn der Akku leer sei, greife sie aufs „Merken“ zurück, oder versuche es zumindest. Für eine Dichterin verwunderlich  aber sehr wahr, wie ich finde), sagt sie außerdem: „Ein Foto […]

Geschafft!

Es ist 259 Beiträge her, dass ich den letzten Sommer verabschiedet habe. Und jetzt ist es wieder soweit: Wir haben Sommer! Wir brauchen keine Handschuhe mehr verlieren, können mit nassen Haaren aufs Rad steigen und die Küche abends gut und gerne kalt sein lassen. Wir können spät noch eine Runde durch den Park drehen, Sterne […]

Geborgenheit

Kinder, die in familiärer Geborgenheit aufwachsen, sind – so heißt es – gut gewappnet für ein Erwachsenenleben. Geborgenheit ist ein zentrales Lebensgefühl, das dennoch vielen Menschen fehlt. 2004 wurde das Wort zum zweitschönsten Wort der deutschen Sprache gekürt – Sieger damals waren übrigens die „Habseligkeiten“. Wer sich geborgen fühlt, fühlt sich sicher, aber er spürt […]

Ein Häuschen für die Welt,

dachte ich eben, als ich dieses Foto auf dem Tempelhofer Feld machte, vielleicht wäre das was für unseren Planeten: Eine Weile Unterschlupf finden, um sich wieder zu erholen. Aber leider stimmt das so ja nicht, weil nicht das Universum, sondern wir Menschen der größte Feind der Erde sind. Als könnte wir nicht anders, als am […]

Vitrinenhüter

Keine Sorge. Der will nicht spielen. Der guckt nur streng und ist ansonsten unbeweglich. Heute hütet er eine Glasvitrine. Früher? Wahrscheinlich soll er hässlich sein, oder zumindest Angst einflößen. Aber genau besehen, kann er nur höchste Bewunderung hervorrufen. Wie kunstvoll der Backenbart gezwirbelt ist. Wie ordentlich das Löwenfell umgelegt. Und warm schimmert die Haut unter […]