Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Schweben

Solche Tage kommen ohne Ankündigung. Strahlende Tage, in denen ich wie auf einem Luftzug vom Morgen bis zum Abend gleite. Ohne anzustoßen, ohne hängenzubleiben, ohne den Zorn von Passanten auf mich zu ziehen, ohne nass zu werden, ohne mich anstrengen zu müssen. Auch die erwartete Rechnung war niedriger als erwartet, ein Text ging schneller als […]

Frau Ocker

Frau Ocker wohnt bei uns im Haus. Erdgeschoss. Meist grüßt sie und ist schon vorbei. Aber es gibt so Tage. Da steht sie reglos in der Eingangstür. Und sagt etwas im Vorbeigehen. Neulich: „Jetzt ist sie endlich auf dem Erdboden der Tatsachen gelangt.“

Überforderung

Dieser Beitrag ist eine Art Wiederholung. Aber so ist das bei mir häufig. Ich erlebe etwas, bin platt, weil ich das so gar nicht erwartet habe. Schreibe etwas darüber in den Klunkern. Und ja. Vergesse es wieder. Und dann erlebe ich es in so etwa noch einmal. Was, im Übrigen ein Glück ist. Selbst bei […]

Ein Ei legen

Keine Panik! Bis Ostern ist es noch ein Weilchen. Aber ich dachte heute, als ich am Schreibtisch saß, dass jeder Text irgendwie auch ein Ei ist, das gelegt werden will. Und da liegt es jetzt vor mir, knallweiß und noch stumm. Morgen nimmt es seinen vorbestimmten Weg und entpuppt sich als Flop oder als gute […]

Der Drachen in der Orchideenblüte

Nein. Das wird jetzt keine Geschichte. Auch kein exotisches Märchen. Das ist bloß ein Urlaubsfoto. Mit Souvenir drauf. Der kleine Drachen ist aus Gummi. Er glitzert. Und wenn man auf seinen Höcker drückt, springt er einem davon. Das macht der bis heute. Aber natürlich nehme ich mir nicht mehr so viel Zeit, auf seinen Höcker […]

Umformung

Ebendiese ordert man heute, wo man früher eine Dauerwelle bestellt hat. Ich war gestern beim Friseur. Und habe nicht schlecht gestaunt. Auch, als ich hörte, dass Lockenfrisuren schwierig abzubilden sind. Wenn Kund/innen mit Fotos kommen, ist oft nicht wirklich klar, was das werden soll. Auch ich träume von Locken. Tatsächlich habe ich zwei. Eine links […]

Treiben lassen

Wenn mich eine Aufgabe zu überrollen droht, hilft manchmal nur noch, die Bremse zu ziehen. Indem ich jeglichen Fleiß über Bord werfe. Schaue, wo ich Abkürzungen finde. Denn bei Zeitdruck heißt es oft: weniger Arbeiten ist mehr, weil genug Platz für Einfälle bleiben muss. Und dann gibt es ein ganz wichtiges Detail: Auf andere setzen! […]

Lastenträger

Wahrscheinlich befrachten wir alles, was wir sehen, mit Erinnerungen. Diesen Stein habe ich aus Kalifornien mitgebracht. Komischerweise „trägt“ er vor allem den Sound der pazifischen Brandung, Licht und Wind. Dazu ist er mit einer weiteren Erinnerung beschwert: Ich besaß als Kind eine in einen Glaswürfel gegossene Muschel mit einer Perle. Ich war vielleicht fünf. Und […]

Wir sind, was wir nicht verstehen.

Die meiste Zeit des heutigen Tages habe ich über das Fremde nachgedacht. Dass wir Menschen offenbar Welt immer in „wir“ und „die“ unterteilen. Dass „die“ unberechenbar sind. Dass „wir“ aber gerne oft aus unserer Haut rauskämen. Bedeutet verstehen vereinnahmen? Gibt es etwas anderes als verstehen im Hinblick auf Erkenntnis des Fremden? Könnten wir jemals aufhören, […]

Make Time

Wenn es wichtig wird, sollte Zeit da sein. So ein Versprechen, das ich mir gegeben habe. Lange vor dem letzten Jahreswechsel. Und: Ja, natürlich bin ich wild entschlossen. Doch sobald der Druck wächst, bekomme ich Panik. Mache Sachen, die wirklich keine Wichtigkeit haben, verzettele mich, drehe mich 25 Mal um mich selbst und komme außer […]