Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Auf Eiern gehen

Es gibt Konflikte, die begleiten einen ein Leben lang. Oder zumindest Jahrzehnte des Lebens. Oft hängen sie mit der Familie zusammen. Und wer sich nicht dazu entschließt, sich von der Familie abzusetzen und den Kontakt mehr oder ganz abzubrechen, trägt sie zuverlässig mit sich herum. Interessant an solchen Endloskonflikten ist eigentlich, dass sie – wie […]

Schablonen

Diese Bronzefiguren sind im Alten Museum in Berlin zu sehen. Sie stehen einmütig in einer Vitrine der Etrusker-Sammlung zusammen und zeigen uns ein nur zu gut bekanntes Männerbild: starke, selbstbewußte, kämpferische Athleten in Siegerpose. Das Lachen ist mir zügig vergangen. Denn – doch, ja, ich habe genau dieses Bild verinnerlicht. Schon irre oder? Die Figuren […]

Remember

Manchmal arbeite ich so lange, dass ich nicht mehr schlafen kann. Hier bin ich nicht mehr in Takt, sondern raus aus der Routine. Im weiten Bogen. Wach und müde zugleich. Mein Leben liegt vor mir wie eine fremde Landschaft. Und im Haus macht jemand Bambule. Die wichtigen Dinge kannst Du mit einer Hand greifen. Solange […]

Wollen wir, dass sich was ändert?

Die Deutschen sind schlecht im Bett. So stand es heute auf zeit-online zu lesen, und der befragte Experte, Volker Sigusch, sieht so seriös aus, dass ich ihm sofort glaube. „Karnickelsex“ attestiert er den meisten unserer Landsleute, und dass wir eben keinerlei Liebes- und Verführungskunst in unserer Kultur kennen. Wir seien auf Arbeit, Vernunft und Besitz […]

Hundeblick

Jaja, die kleine Maus weiß ganz genau, dass hier was nicht stimmt… Wieso bloß sitzt sie mitten im Bett, wo das doch sowas von verboten ist? Und, ach wie unangenehm, jetzt guckt auch noch einer. Schnell mal den Hundeblick aufsetzten und ein kleines Liedchen pfeifen. Ist was? Oh ja, Schatzi. Du bist bei Drei aus […]

Laues Lüftchen

Zugegeben, der Himmel ist von kompaktem Grau. Nicht schön anzusehen. Aber darunter tut sich was. Zartes Grün schaukelt im Wind (naja, Sturmböen sagen die Meteorologen dazu, ist also schon ein bisschen zackiger) und die verdutzten Vögel zwitschern sich eins. Licht am Horizont! Nur noch zwei Monate und wir haben Frühling (tja, hier hat der Rechner […]

Things happen

Für einen Artikel habe ich gerade ein Interview mit der US-amerikanischen Künstlerin Cynthia Schira gehört. Sie erzählt darin von den Zufällen, durch die sie es als Tochter einer alleinerziehenden Mutter in die Kunstwelt geschafft hat. Keine Karriere ist das, was sie beschreibt, allerdings auch kein Weg, der sich „einfach“ so ergeben hat. Cynthia war ein […]

Eigentlich

sind Bäume so was von verrückt. Stehen da ihr Leben lang, tags, nachts, wachsen langsam in den Himmel, krallen sich in den Boden, werfen Blüten ab, Blätter und Früchte. Keine Nadeln. Erdulden Wind und Wetter, laute Fußgänger, Abgase und Dinge, von denen wir Menschen gar nichts wissen. Fallen im Sturm. Oder unter der Säge. Sie […]

„Geh hin und sieh!“

Diesen Satz habe ich heute bei Johann Joachim Winckelmann gelesen, eine Selfmade-Archäologen und Kunstschriftsteller aus ärmlichen Verhältnissen, der Mitte des 18. Jahrhunderts in Rom lebte und die Schönheit antiker Kunst für uns Nachkommen überhaupt erst sichtbar machte. „Geh hin und sieh“ sagte er zu seinen Schülern, die er oft mehr als platonisch liebte. Und ich […]