Wenn ein Leben zu Ende geht,

wird viel oder fast nur noch improvisiert. Wo früher noch in Jahrzehnten (wenn nicht gleich für die Ewigkeit) gedacht wurde, reichen heute brüchige Konstruktionen. Hauptsache, die Dinge fallen nicht gleich zusammen. Aber noch Mal neu kaufen?

Mir fällt es schwer, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Vielleicht wäre das bei mir selbst etwas anderes. Aber wer abfährt, und weiß, was alles unerledigt geblieben ist – ?! Vor allem der Garten macht mir Sorgen. Hier ist seit Jahren ziemlich viel vernachlässigt worden. Mittlerweile kann ich nicht mal in ein, zwei Nachmittagen das Meiste wieder richten. Vor allem die Bucheckern treiben überall zu kleinsten Buchenbäumchen aus mit harten Stilen, die unbedingt ein Stamm werden wollen, und denen mit altem, rostigem Gerät nicht mehr beizukommen ist. Einige Büsche und kleine Bäume waren vertrocknet und sind kaputt, aber alleine kann ich sie nicht bergen. Ach, ach, ach…

Immerhin hatte ich am Ende doch noch die Erlaubnis, ein paar Herbstblumen zu pflanzen. Jetzt sitze ich erkältet im Zug (hach, ja, das Bistro hat es nicht mehr zeitig geschafft, wir fahren ohne…), freue mich, nach Hause zu kommen, vermisse aber die kleinen Hundchen meiner Freundin, die für Menschen, die Hundchen nun mal lieben, kleine Sonnenscheine sind. Ach so, ja, jetzt ist auch noch Kabelklau. Mal sehen, wie viele Stunden Verspätung der Zug schafft. Ich gehe mir jetzt erst mal einen Kaffee kaufen (Getränke gibt es irgendwo – noch)…

 

Aufatmen

Ich habe ein sehr stürmisches Auf-und-Ab-Verhältnis zu Peter Handke, seit ich ihn vielleicht mit 20 zum ersten Mal gelesen habe. Manchmal war ich soweit, seine Bücher in die Ecke zu werfen, einige habe ich erst gar nicht gekauft, geschweige denn, gelesen. Aber dann sagt er immer wieder Sachen, die mich regelrecht aufatmen lassen, selbst wenn sie mich nicht direkt betreffen… Wie in dem heute im „Freitag“ veröffentlichten Interview:

„Ich sag Ihnen einen Satz von gestern, den ich mir gedacht habe: „Ich hab nichts zu sagen.“ Menschen, die nichts zu sagen haben, haben bis ans Ende ihres Lebens etwas zu schreiben.“

Feste feiern, wie sie kommen

Als ich jünger war, bin ich Festen zwar nicht aus dem Weg gegangen. Aber sie waren mir auch nicht besonders behaglich. Vielleicht, denke ich heute, weil ich nichts so richtig zu feiern wusste. Heute freue ich mich besonders über spontane Feiern. Das müssen keine großen Partys sein, eher mal der Cidre mit Freundinnen im Garten oder ein Pflaumenkuchen mit bestem Freund im von Fledermäusen durchschossenen Dachzimmer. Das Leben im guten Moment erwischen und genießen, das ist für mich ein Fest. Und ich hatte in den letzten Tagen gleich zweimal Gelegenheit dazu. Was will man mehr!?

Die Einsamkeit schöner Dinge

Manchmal geht mir der Anblick schöner Dinge unter die Haut. Um so mehr, wenn sie einsam sind. Dieser kleine Blumenstrauß hat so viel „leere Luft“ um sich herum, dass sie fast greifbar wird. Wie eine Skulptur wirken die Blumen, die zwar liebevoll, aber doch auch etwas zufällig arrangiert wurden. Und die Leere um sie herum macht sie größer als sie sind. Und wenn ich bedenke, dass sie heute, einen Tag, nachdem ich das Foto gemacht habe, fast schon verwelkt sind…

Wenn eine/r eine Reise tut…

bislang habe ich eine Reihe neuer Entschuldigungen bei Verspätung gelernt. Ich bin mit der Bahn unterwegs… – Immerhin habe ich mein Pensum geschafft, dank des funktionierenden WLANs, es gab unterwegs einen formidablen Wolkenbruch (das habe ich seit Monaten nicht mehr gesehen!) und der Kaffee  war ordentlich und sogar ordentlich heißt. Jetzt wird anstrengend, eine Woche alter Vater und alte Heimat. Aber erst mal der Kölner Dom…

P.S. Das Foto zeigt den anheimelnden, fast ländlichen Teil des Tempelhofer Flugplatzes…

Monster

Reste unserer letzten Hausparty schmücken nach wie vor den Hof. Sie erinnern an einen ausgelassenen Abend. Aber der Dinosaurier gibt mir zu denken. Er hockt da zwischen exaltierten Farbgirlanden, Blumen und lachenden Liegenden, unfähig mitzutanzen oder sich nur irgendwie in seinem Körperberg auszudrücken. Starrer Blick und – ja, wer hat je schon einen Dinosaurier oder Drachen lachen sehen?

Irgendwo zwischen allen Sommergefühlen, den lauen Abenden mit Sternschnuppenparaden und den strahlenden Mittagen im Schwimmbecken lauert ein weiteres Monster. Ich habe heute endlich seine Spur aufgenommen. Es hat etwas mit dem Erfüllen von Pflichten zu tun. Nix dagegen. Im Gegenteil. Aber wo geht ein Leben hin, wenn man alles nur noch abhakt? Wo bleibe ich, wenn ich für dich und dich und dich alles mitdenke, um dir Freude zu machen oder dir Arbeit zu ersparen? Wie laut muss ich eigentlich „ich“ schreien (und wie oft), um mir nicht immer wieder verloren zu gehen?

 

 

Berlin ist –

„ganz gut“ ist da noch weiträumig untertrieben, zumindest was überraschende Graffitis oder sonstige Interventionen im gewöhnlichen Straßenraum angeht. Dieses wundervolle Stück – und gleich ein ganzes Rudel dazu – habe ich letzten Freitag unter einer ollen Eisenbahnüberfahrt entdeckt. Da waren schonmal schöne Stencil-Sachen. Wahrscheinlich habe ich nur wegen denen an die Betonwand geguckt. Die alten sind weg, aber schwups: gleich wieder ist was Neues da. Danke an unbekannt! Ich habe mich fett über den unerwarteten Fund gefreut!

Im Auge des Löffels

Ja: Es ist Sonntag. Ich habe frei. Und kann meinen Kaffeelöffel so lange anstarren, bis er zur Kunst wird. Oder einfach nur rot. Euch ein schönes Rest-Wochenende!

Hitzefrei

Von wegen! Im Büro hockten wir Daheimgebliebenen reglos an unseren Tischen – manchmal kam ein Stöhnen aus einer der vielen Ecken des T-förmigen Raums, die Luft war kompakt wie Gelee, Bewegungen (außer leises Einknicken oder Zusammensinken) kaum möglich. „Ich gucke seit einer Stunde nur auf den Bildschirm“ – die Stimme kam eines Nachmittags von weiter vorne (ich konnte nur still nicken), extrem zeitverzögert von weiter links: „Mir fällt absolut nichts ein“.

Ich kam mir tatsächlich vor wie so eine vorsintflutliche Echse, die bei Hitze auf dem Felsen hockt und höchstens mal die gespaltene (echt jetzt?) Zunge flattern lässt. Irgendeine Idee, eine Formulierung, ein Weiterkommen von diesem Satzstumpf müsse doch in meinen Gedanken auftauchen – !? Ließen allesamt auf sich warten, wie an ebenso heißen BVG-Haltestellen die Busse. Ich habe mich getröstet: Der Körper ist jetzt halt mit sich beschäftigt. Und tut wahrscheinlich eine ganze Menge dafür, dass ich nicht platze. Da kann jede/r Auftraggeber/in auch schon mal dankbar sein („Entschuldigung, der Text ist nicht fertig geworden, dafür habe ich überlebt…“).

Jetzt gerade ist es wohlig frisch am Tisch. Man braucht wahrscheinlich immer mal wieder unliebsame Einbrüche in den Alltag, um zu merken, wie toll eigentlich schon „das Normale“ so ist. Dass wir uns hier in Berlin zumindest in den nächsten Jahren auf solche Hitzewellen im Sommer einrichten müssen, war neulich zu lesen. Selbst schuld, spottet mein Gehirn. Wenn wir nur endlich Konsequenzen ziehen würden…