Die Quadratur des Kreises

Kurz vor knapp, nämlich letzten Montag, habe ich die weihnachtliche Kniffelfrage Adventskranz ODER Weihnachtsbaum (gilt so wahrscheinlich nur für Mieter/innen kleiner Wohnungen) elegant gelöst: Ein zweidimensionaler Tannenbaumringelreihen auf Adventskranzgröße für an die Wand. Ich habe leider den Namen der Erfinderin nicht notiert. Auf der Weihnachtskarte, die ich in Halle (ein Laden in der Großen Ulrichstraße) gekauft habe, ist auch nix vermerkt. Trotzdem ein riesiges Hurra!

Ruhig durchatmen

Das hat mich denn doch verwundert: der Hund im Bett ist Garant für einen guten Schlaf. Nein, nicht für alle. Das gilt nur bei Frauen. Und es kommt noch besser. Denn Hundchen schlägt alles, was das sonst noch kreucht und fleucht. Katzen sogar, und – man mag es kaum glauben (oder gerade doch…): Männer.

Umgekehrt ist es nicht vice versa. Männer schlafen nicht unbedingt mit Katzen schneller ein und tiefer durch. Auch Frauen sind für sie weder noch. Ich meine, was bitteschön sagt uns das denn?

Immerhin. Meinem Wunsch nach einem Hund komme ich damit vielleicht ein Stück näher. Schließlich ist nichts gesünder als ein tiefer Schaf. Und ich müsste mir nicht mehr überlegen, wohin ich das Körbchen quetschen sollte. Andererseits, und bitte jetzt mal ehrlich: Mit Hund ins Bett? Bei aller Liebe, da müsste es draußen schon minus 30°C sein…

Freiheit oder Freizeit?

Einen schlecht bezahlten Beruf ausüben, kann schon fast die gesamte Lebenszeit in Anspruch nehmen. Freizeit ist ein wohlverdienter Ausgleich, wahrscheinlich gibt es da kaum Widerspruch. Dennoch merke ich, dass es andere Maßstäbe gibt. Momentan scheint mir einzig die Liebe ein Feld, auf dem ich mich noch halbwegs frei bewegen kann. Dennoch, schaue ich mich um, ist womöglich die Liebe eine Angelegenheit geworden, die mehr unter der Rubrik Freizeit denn Freiheit diskutiert wird…

Ein schöner Moment der Freiheit hatte ich heute beim Spülen, als ich die welken Rosen entsorgt, und von den abgefallenen Blütenblättern Fotos gemacht habe. Sie sehen ein bisschen aus wie Muscheln, oder?

100 Jahre Frauenwahlrecht (verspätet)

Der Jahrestag war am 12. November – und (immerhin): Berlin hat sich jetzt ein Geschenk damit gemacht, denn der „Frauenkampftag“, wie der 8. März ursprünglich mal hieß – er war ein wichtiger Termin bei der Durchsetzung des Frauenwahlrechts – ist ab nächstem Jahr der neue zusätzliche Feiertag in Berlin. Hoch die Tassen!

Es ist wichtig, es ist richtig, es ist gut – und es ist nach wie vor zum Heulen. In der französischen Revolution mussten Frauen ihren Kopf hinhalten (wörtlich!), wenn sie Gleichheit, Freiheit, Bürgerlichkeit auch auf ihre Fahnen schrieben. Mir bleibt immer wieder eine Fassungslosigkeit, wenn ich höre oder lese, wie selbstverständlich Frauen in unserer westlichen aufgeklärten Welt diskriminiert wurden – und wie selbstverständlich das bis heute weitergeht. Mittlerweile leidet die gesamte Gesellschaft an dem immer noch herrschenden Konzept des Familienernährer-Gehalts, das vorsieht, Männer als eben solche zu bezahlen, damit sie ihre Familie durchbringen können. Das führt nicht nur zur bis heute nicht überwundenen ungleichen Bezahlung verschiedener – vorgeblich – Männer (=Produktions)Berufen und Frauen(care-)Berufen, sondern überhaupt zu einer Entwicklung hin zu zu gut und zu schlecht bezahlten Jobs.

Es ist nach wie vor zum Heulen, wie wir uns so viel Power wegnehmen, indem die Hälfte der Bevölkerung als minderwertig deklariert wird. Männer und Frauen sind gut und gerne unterschiedlich. Aber wann kommen wir endlich dahin, diese Unterschiede in ihrer ganzen Vielfalt auch zu nutzen? Weiterhin Star Trek gucken, reicht natürlich nicht. Feindbilder aufrecht erhalten auch nicht. Um noch mal Berlin zu loben: Hier sind deutschlandweit die meisten Frauen in Chef-Etagen und Vorständen zu finden: ca. 40% während es im übrigen Bundesgebiet erst um die 13% sind. Schön, hier zu leben. Doch reicht nicht. Wir sind noch lange nicht fertig mit dem Thema. Dass Gleichheit nicht Gleichmacherei bedeutet (oder dass Frauen dadurch nicht automatisch zu Männern werden – was ist das schon wieder für eine Fantasie!), muss ich hoffentlich nicht extra betonen. Ich hätte auch gerne an dieser Stelle noch etwas über die schöne Farbe Rosa geschrieben. Aus Zeit- (bzw. Nicht-Zeit)-Gründen muss ich das knicken. Ich hoffe, das Foto spricht für sich…

Klimt sehen

Gustav Klimt gehört für mich zu den schwierigen Künstlern. Nicht, weil seine Werke rätselhaft sind oder unzugänglich. Ganz im Gegenteil. Die Bilder strahlen Schönheit, Vollkommenheit, Zartheit aus, sie beweisen Können, den Sinn für Nuancen, für alles, was unsere Augen erfreut, und sie sind voller Liebe für Menschen (meist in Gestalt schöner Frauen) und die Natur. Sie sind betörend. Und damit auch schnell zu viel. Zumal sie uns überall begegnen, auf Vorhängen, Postkarten, Puzzles, Dosen, Deckel, T-Shirts, Socken, Seidentüchern und nicht zuletzt auf gedruckten und gemalten Reproduktionen jeder Größe. Klimt und van Gogh nehmen sich da nicht viel, und für beide würde ich nicht durch die Wüste gehen. Doch wenn ich – meist tatsächlich eher zufällig – vor den Originalen stehe, gehe ich vor Bewunderung in die Knie.

So auch heute, wo ich aus anderen Gründen das Kunstmuseum Moritzburg in Halle besucht habe, wo aktuell und noch bis zum 6. Januar 2019 die Schau „Gustav Klimt“ zu sehen ist. In Deutschland eine Sensation, denn hier gibt es kaum Bilder des Malers. Wer sein Werk studieren will, muss zwar nicht durch die Wüste, aber zumindest nach Wien oder nach New York. Um so erstaunlicher, was in dieser kleinen, aber feinen Schau zu sehen ist: auffällig viele Werke aus Privatbesitz, was spektakulärer ist als es zunächst scheint, aber hier haben wir Arbeiten vor uns, die wir so schnell nicht mehr zu sehen bekommen. Gehängt ist, wenn ich das auf die Schnelle richtig bemerkt habe, chronologisch, so dass man die neuen Wege, die Klimt sucht, vom Anfang an verfolgen kann. Schön ist auch, dass Skizzen und Gemälde nebeneinander hängen. Hier sehen wir Ideen, dort eine unglaubliche Leichtigkeit suggerierende Präzision. Das bringt wirklich viel und ist auch nicht zu kritisieren, dennoch hätte ich mir die prächtigen Bilder gerne im Tageslicht besehen. Weil aber alles nicht immer geht, ist es so auch gut, zumal die Bilder auf dem kleinen Raum miteinander korrespondieren, was neue Vergleiche und Seherlebnisse erlaubt.

Wie fast immer: hinreißend, was Kinder daraus gemacht haben. Ein Mädchen namens Fatima hat Frau Henneberg aus dem Nebel geholt. Wir sehen, dass sie Flügel hat und dass ein rotes Monster hinter ihrer linken Schulter sitzt. Na klar doch: Jetzt wissen wir auch, warum sie so ernst, fast schon mürrisch schaut!

Vorbeigehen

In meiner Kindheit hatte dieses Wort einen dicken Trostfaktor: „Das geht vorbei“ war ein Satz, der bei aufgeschlagenen Knien oder Bauchweh geringeren Ausmaßes ein Ende des Unwohlseins versprachen. Schulstunden gingen wider Erwarten vorbei, sogar die Schulzeit war irgendwann zu Ende und die schlimmsten Frisuren wuchsen sich aus. Mittlerweile hat das „Vorbeigehen“ einen melancholischen Anhauch bekommen. Zu vieles ist schon vorbei, und es wird mehr, leider auch das Gute. Kolleg/innen kommen und gehen, Nachbar/innen, Jahreszeiten, nicht zuletzt Freund/innen. Die Bewegung selbst verkehrt sich, denn nicht nur andere/s gehen vorbei, auch ich bin unterwegs: Ich bin längst nicht mehr sesshaft in meinem Leben. Ich bin auf dem Weg. Manchmal ist dieses Vorbeigehen auch ein großer Moment. Man begegnet sich das erste Mal. Das kann nur ein Hauch sein. Oder man begegnet sich wieder. Meinen Schatz habe ich 2010 zum ersten Mal gesehen. Im Vorbeigehen. Sechs Jahre später habe ich mich – damals auch zum ersten Mal – neben ihn ins Auto gesetzt.

Nein, doch, nein,

doch! Jedes Jahr um diese Zeit kommt die Frage nach den Weihnachtsgeschenken auf. Und jedes Jahr – bislang zumindest – entscheide ich mich fürs Schenken. Zugegeben, dieses Jahr habe ich länger gezögert. Es ist schließlich nicht so, dass ich mich mit Freuden ins Getümmel schmeiße, das jetzt langsam losgeht. Aus allen Schaufenstern brüllt einem ein „Kauf mich“ entgegen. Wer nur eine Stunde unterwegs ist, sieht Sternchen vor lauter Angeboten. Dennoch mag ich diese spätherbstlichen Streifzüge, in denen ich für meine Freund/innen ganz besondere kleine Kostbarkeiten suche. Nicht unbedingt die fetten Gaben, eher so etwas Nebenher. Was schön ist, oder anderweitig ein kleines Haben-Glück verspricht. Besonders schön: Ich lasse die Sachen nicht verpacken, sondern stelle sie zu Hause so hin, dass ich sie noch eine Weile sehen kann. Das ist, wie einen kleinen Schatz anschauen. Klar muss ich aufpassen, dass ich keine ad-hoc Besuche bekomme. Bzw. eine Möglichkeit finden, die Sachen schnell verschwinden zu lassen. Aber, doch, doch, doch, das ist die Mühe wert.

Häusliche Gewalt

Schon der Begriff klingt trügerisch. Dabei handelt es sich hier nicht um die kleine Schwester des Terrors. Es ist viel eher der große Bruder. Eine Lebensbedrohung die oft über Jahrzehnte über einem schwebt. Und wie Gift einsickert. Eine der schlimmsten Erfahrungen, die Kinder mit ihren Eltern machen können. Und die ein Leben lang Misstrauen sät: Wo Geborgenheit ist, lauert eine tödliche Gefahr. Jaja. Und das in unserer sauberen, so überlegen scheinenden westlichen Gesellschaft. Mir ist es auch einmal passiert: gegenüber wurde sehr regelmäßig eine Frau geschlagen. Hinter heruntergelassenen Jalousien. Keine Ahnung. Vielleicht war es einfach Sex. Aber ich habe mich nicht getraut, genauer hinzuhören oder zu schauen. Schließlich lebe ich alleine. Und wer steckt da schon die Nase zu tief in merkwürdige Angelegenheiten der direkten Nachbarn. Diese „Angelegenheit“ war nach ein paar Wochen vorbei. Wahrscheinlich waren es Untermieter. Tatsächlich habe ich keine Ahnung. Das Problem – oder was es auch immer war – hatte sich freundlicherweise von selbst erledigt (für mich). Ich hoffe, dass mir das nicht noch einmal passiert.

 

Migräne (IV)

Ich hatte immer Schmerzen, und es war selbstverständlich, dass ich sie vor den anderen verberge. Es ist immer noch selbstverständlich. Wie kann man so selbstbewusst leben? Und warum sind Schmerzen in unserer Gesellschaft tabu?

 

Bald ist Advent!

Ich habe mir für die langen Adventssonntagsabende schon mal eine Menge Spass besorgt. Als Kind habe ich gerne Puzzles gemacht – und es dann ewig lange vergessen. Diesen Dezember werde ich mir ein paar gemütliche Abende leisten. – Ob man davon auch jünger wird?