Vorbeigehen

In meiner Kindheit hatte dieses Wort einen dicken Trostfaktor: „Das geht vorbei“ war ein Satz, der bei aufgeschlagenen Knien oder Bauchweh geringeren Ausmaßes ein Ende des Unwohlseins versprachen. Schulstunden gingen wider Erwarten vorbei, sogar die Schulzeit war irgendwann zu Ende und die schlimmsten Frisuren wuchsen sich aus. Mittlerweile hat das „Vorbeigehen“ einen melancholischen Anhauch bekommen. Zu vieles ist schon vorbei, und es wird mehr, leider auch das Gute. Kolleg/innen kommen und gehen, Nachbar/innen, Jahreszeiten, nicht zuletzt Freund/innen. Die Bewegung selbst verkehrt sich, denn nicht nur andere/s gehen vorbei, auch ich bin unterwegs: Ich bin längst nicht mehr sesshaft in meinem Leben. Ich bin auf dem Weg. Manchmal ist dieses Vorbeigehen auch ein großer Moment. Man begegnet sich das erste Mal. Das kann nur ein Hauch sein. Oder man begegnet sich wieder. Meinen Schatz habe ich 2010 zum ersten Mal gesehen. Im Vorbeigehen. Sechs Jahre später habe ich mich – damals auch zum ersten Mal – neben ihn ins Auto gesetzt.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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