Man sagt:

Was du am ersten Tag des Jahres machst, wird das nächste Jahr prägen. – … – Na toll! – … – Arbeiten, putzen, Morgengymnastik am Mittag (immerhin), waschen, essen, arbeiten, telefonieren, spülen… pfff.

Oder gilt auch, was man in der Silvesternacht vom Liebsten träumt? Das zumindest wäre die deutlich aufregendere Aussicht auf 2022.

Revue 2021.

Wie war denn mein Jahr? Eben habe ich mich endlich hingesetzt, Kerzen angezündet und versucht, mich zu erinnern. Es gibt erstaunliche Lücken. So weiß ich beim besten Willen nicht mehr, wie der letzte Silvesterabend war. Nein, kein Filmriss. Wahrscheinlich war es so unspektakulär, dass nix hängen geblieben ist. Außer, dass ich nachmittags bei Sonne spazieren war und es am 2. Januar ein frisches Brot gab.

2021 war für mich in der ersten Hälfte merkwürdig kurz, in der zweiten sehr anstrengend. Dabei hielten sich für mich die guten und die nicht so guten Dinge die Waage. Die schwierigste Zeit hatte ich im Februar, danach wurde es besser. In der zweiten, mühsamen Jahreshälfte hatte ich tolle Wiedersehen. Freundschaften, die beendet schienen, gehen jetzt weiter.

Gefehlt hat mir auch dieses Jahr das Schwimmbad. Ich bin eine notorische Hallenbad-Schwimmerin und habe mich bislang noch nicht getraut. Eine brandneue Erfahrung ist das Tragen von Kleidern und Röcken. Das habe ich mich früher nie getraut, bin aber jetzt mit einem seit Frühjahr abgespeckten Körper richtig süchtig danach.

Ich bin sehr unsicher, was die nächsten Monate angeht. Es ändert sich einiges, und es geht auch um größere Entscheidungen für mein Leben. Ungeduld, so muss ich einmal mehr erfahren, ist eine meiner lästigsten Eigenschaften. Aber ich bin dennoch froh, weil ich meine Neugier auch im jetzt gleich beendeten Jahr nicht verloren habe. Und meinen Glauben an die Menschen. In diesem Sinne: Euch allen einen guten Start ins neue Jahr!

Schon wieder?

Gefühlt befinde ich mich in der Zeit um den 3. Advent und morgen schon soll ich ins neue Jahr springen? Halt! Was ist denn da los? Wo sind die Nachmittage, an denen ich das Jahr Revue passieren lasse? Wo die Zeit, um mir etwas Neues für die nächsten Wochen und Monate auszudenken? Wo um alles in der Welt bin ich gerade?

Wie auf dem Foto fühle ich mich in einem beleuchteten Durchgang – streng geradeaus und draußen nix als Dunkelheit. Wo soll denn das hinführen? Und verdammt, kalt ist es auch noch!

Nein, es ist gar nicht so trostlos, wie es auf den ersten Blick scheint. Gerade in den letzten Wochen gab es so richtig schöne Momente – oder etwas, was mehr ist als Momente: Auflösungen langjähriger Missverständnisse, Trennungen sogar. Neue Freundschaften. Freude über erwachsen gewordene Kinder. Über, oh ja, auch das: einen neuen Herd. Bei alledem war ich enorm müde und habe wahrscheinlich mein eigenes Weiterleben für eine Weile verschlafen. Aber wir haben ja erst den 30. Dezember. Noch bleibt ein wenig Zeit, um Rück- und Vorschau zu betreiben. Ich bin schon gespannt.

Stille Nacht

Bei uns ist am Abend des 24. Dezember mittlerweile die Hauptfeier des Weihnachtsfestes, also nix mit still. Wer sich aber am 24. den Luxus leisten und sehr früh aufstehen kann, erlebt einen stillen Morgen, der so gut tut nach dem üblichen Endjahresstress.

Es geschah aber in jenen Tagen…

So hebt die biblische Weihnachtsgeschichte an von dem Wunder, dass Licht in die Welt kommt und Hoffnung. Wer Kinder hat, weiß, wie groß die Freude nach einer Geburt ist, und die Hoffnung, etwas in die Zukunft weiter zu geben. Und so ist Weihnachten an sich schon ein Fest des Lebens und ein Fest der Hoffnung, auch wenn man nicht christlich ist.

Es gibt in dieser Weihnachtsgeschichte übrigens einen Satz, den ich bislang stets überlesen habe. Er betrifft Maria. Sie hört, was die Hirten über die Engel erzählen, die ihnen in der Nacht erschienen und das Christuskind angekündigt haben:

Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.

Maria hört die „frohe Botschaft“ und bewahrt sie im Herzen. So will ich es auch halten, mit „frohen Botschaften“, die mir in den letzten Tagen zuteil geworden sind. Sie erwägen und bewahren. Still. Und mit Hoffnung.

„Ich wähle nicht,

wenn ich schreibe.“ Vielleicht gehört dieser Satz von Ilse Aichinger in die Schultüte aller angehender Autor:innen. Denn so viel muss klar sein: so sehr ich nach Ausdruck ringe oder meine Sätze ein ums andere Mal verändere. Woher weiß ich denn, von wo die Sätze überhaupt kommen? Oder wieso denke ich, dass ICH schreibe – und nicht die Wörter oder Sätze? Ja. Vielleicht ist das überhaupt so wichtig. Und wenn eine:e so genannte Schreibblockaden hat, dann ist es nicht, dass ihr oder ihm nichts einfällt, sondern dass der Empfang gestört ist. Zum Beispiel. „Ich weiß nicht, worüber ich schreiben soll“ hieße dann: ich muss einen guten Platz finden, aber nicht: jagen gehen. „Ich wähle nicht“ heißt, ich öffne mich. Ich lasse das sprechen, was ich eingesogen habe. Das, was meine Träume längst produziert, oder meine Sinne erfahren haben. Es ist meins und das aller anderen. Ich wähle bedeutet Absicht. Ich wähle nicht bedeutet Freiheit. – wobei es in meiner Pflicht steht, über die Folgen meiner Wörter und Sätze nachzudenken, bevor ich sie öffentlich mache. Nicht zu wählen kann so wild sein, dass man die Texte besser an die Leine legt. Nicht, um sich die Freiheit zu nehmen. Sondern aus Rücksicht.

Winter ist nicht so meins

… und spätestens im Dezember frage ich mich irritiert, wieso ich dann immer noch in Berlin lebe. Aber das Leben ist kein (hier jetzt je nach Gusto was reindenken) – und ich lebe in Berlin und liebe es, doch immer wieder überrascht zu werden. In der Vorweihnachtszeit jedenfalls hat die Stadt einige Überraschungen auf Lager – und nein, ich habe das Foto nicht auf einem Weihnachtsmarkt gemacht, sondern an einer eher öden Ecke in Kreuzberg.

Am Freitag,

auf dem Weg ins Büro. Zum Glück habe ich es noch gesehen – erst nur aus den Augenwinkeln, im Kopf die To-Do-Liste für den Wochenabschluss. Was für ein schönes Bild! Und ich mittendrin. Rilke sagt, wir seien auf der Welt, um die Schönheiten des Alltäglichen zu sehen. An manchen Tagen gelingt es tatsächlich.