Nicht eins, … viele!

Eigentlich – …

Also, eigentlich geht es um die Ohren.

Aber da fiel mir – beim Ausdenken der Überschrift – plötzlich „die Wahrheit“ ein.

DIE WAHRHEIT…

Jajajaja, daran habe ich mir so lange Jahre meines Lebens die Zähne ausgebissen.

Bis ich mal verstand: genau. Nicht eins, stupid! Viele!

Seitdem ich mit Nuancen arbeite, komme ich – zumindest in meiner Realität – besser zurecht. Obwohl ich immer wieder auch als streng gelte.

Die Ohren sind – wie auch unsere anderen Sinne – Auffangstation für vieles. Sie lassen rein, was um uns herum vorgeht, und sofort fängt das Gehirn an, zu sortieren. Wie ich vor einiger Zeit gelernt habe, stets in die gleichen zwei Töpfe: kenne ich, kenne ich nicht.

Und hier hat mir neulich ein Freund etwas interessantes gesagt. Er gehört zu denjenigen, die ein „absolutes Gehör“ haben, was im musikalischen Hören die Fähigkeit beschreibt, einzelne Tonhöhen ohne melodischen – oder anderweitigen – Zusammenhang bestimmen zu können. Eine Fähigkeit, die ja auch mein Großvater hatte, der zu schlecht in der Schule war, und deshalb nicht Klavier lernen durfte (dumme Eltern – hier gilt eindeutig nur „eine Wahrheit“ – oder ich bin eben streng…). Ich bin sehr weit vom absoluten Hören entfernt, was mich heute nicht weiter stört, mir die Schulzeit, insbesondere den Musikunterricht, jedoch schwer machte.

Denn dort waren andere Kinder mit Leichtigkeit dazu zu bekommen, Töne vom Klavier richtig zu bestimmen. Keineswegs durch absolutes Hören. Aber im Kontext: Da gab es dann Akkorde, oder kurze Melodieschnipsel, und paff: die wussten, ob da ein a, ein a‘ oder ein e“ zu hören war.

Ich nicht. Die Übung vor der ganzen Klasse war jedes Mal eine Qual.

Der Freund erzählte nun, dass man herausgefunden hat, dass auch absolutes Hören der Gewohnheit unterliegt. Also, dass er möglicherweise in anderen Tonsystemen in die Irre geht, oder bei Instrumenten (oder Geräuschen), die ihm nicht geläufig sind. Diese Erklärung (ich muss nochmal fragen, wie sich die Sache ganz genau verhält) empfand ich plötzlich als ganz große Erleichterung. Weil ich mich noch gut erinnern kann, wie lange ich brauchte, um Instrumente eines Orchesters voneinander zu unterscheiden. Als Kind zum Beispiel kannte ich den Klavierton nicht. Wir hatten keins in der Familie, in Konzerte ging ich damals auch nicht. Ich war beim Hören dieses mir eher fremden Klangs möglicherweise viel zu sehr beschäftigt, das Klavier zu hören, statt den einzelnen Ton – !?

Nein. Auch heute, nachdem ich viel Klavier gehört habe, kann ich noch keinen einzigen Ton richtig bestimmen. Aber ich verstehe, dass auch Hören innerhalb bestimmter Erfahrungsgrenzen verläuft. Das erweitert mir das Feld. Denn es geht nicht mehr bloß um „das kann ich“/“das kann ich nicht“, sondern auch um: das ist mir unbekannt oder noch fremd. Irgendwie tröstlicher…

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 2

  1. Edith 12. Januar 2022

    Mir wurde auch schon als Kind das absolute Gehör nachgesagt. Ich lernte schon seeehr zeitig das Violinenspiel und bin heut noch Sängerin in unserer Kantorei. Lächel, doch meine Eltern sagten oft: Wo hast du nur dein Gehör versteckt, wenn wir dir etwas sagen?
    Herzlichst, Edith

    Gefällt 2 Personen

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