Das letzte Geleit

Patrizia – „Trisha“, die Perlenzauberin – hat sich heute Gedanken um Beerdigungen gemacht. Auf die Frage, ob oder wie ich meine Beerdigung geplant habe, gibt es noch keine Antwort. Ich weiß weder wo, noch wie ich bestattet werden möchte. Geschweige denn, wer sich darum kümmern soll. Aber eins wurde mir beim Lesen und Mich-Selbst-Fragen klar: Ich habe fast nur gute, wenn nicht sogar beste Erinnerungen an Beerdigungen. Erst am Grab kommen ja oft genug einmal alle Freund/innen und Verwandte zusammen, und wenn man in alle Gesichter schaut, ist es, als ob man die vielen Facetten des/der Verstorbenen sehen oder erfassen könnte. Mein Opa hat mich zum Beispiel unglaublich beeindruckt. Da war die ganze Kirche voll (nö, nicht die Friedhofskapelle) und er war knapp 90. Wo die alle herkamen!? Dieses Beisammensein, der gemeinsame Weg zum Grab, der gemeinsame Abschied und vor allem die Stunden danach, wenn man sich gemeinsam erinnert, für mich waren das oft große Momente. Der Liebe, der Freiheit, der Verbundenheit.

Manchmal

kommt man einfach nicht ins Gespräch. Da kann man noch so viele Anläufe nehmen. Es stellt sich partout kein Dialog ein (von Übereinkommen ganz zu schweigen). Kein Grund zu Selbstzweifeln, wie diese Aufnahme zeigt. Manchmal versteht der andere einfach nicht, was ich sage. Aber! Kein Grund, den Mut zu verlieren. Übermorgen noch mal versuchen. Wer weiß!?

Tiere?

Natürlich kenne ich welche. Als Kind habe ich in einer kleinen Stadt gewohnt mit Land drumrum. Meine Freundinnen hatten Hunde und Katzen, es gab Mäuse im Garten und später eine Schildkröte. Igel, Vögel (vor allem im Winter am Vogelhäuschen), einmal ein Reh im Wald, später sogar ein Hirsch im Wannseebad (ich schwöre), Windschweine, einen raschelnden Schwarzbär im Maisfeld (im Urlaub), ein Hamster mit drei Beinen, Regenwürmer, Ameisen, der ganze Zoo, glibberige Quallen, wütende Schwäne im Park, ein kleines Hasenkind im meinen Händen, einen Papagei ohne Federn. Fremde Tiere kann ich noch leidlich unterscheiden. Aber dann? Könnte ich mit Tieren leben. Oder neben ihnen? Nehme ich sie überhaupt wahr (wie erstaunt ich war, als ich Kühen längere Zeit beim Grasen zuhörte). Hunde, ja, wahrscheinlich schon. Alle übrigen? – Ich lese und schaue mich gerade in das Werk von Franz Marc ein. Seine Sehnsucht lag in einer natürlichen Welt, in der die Tiere und die Menschen gemeinsam Platz hätten. Er hatte verstanden, dass wir die Tiere mit unseren Augen sehen, ohne auch nur einen Deut darum zu geben, wie sie sehen. Oder wie sie für sich in der Welt stehen. Er hatte eine romantische Sehnsucht (zumindest verstehe ich das gerade so). Er blickte zurück auf eine Zeit, die noch harmonisch hätte sein können – und es schon nicht war. Hege ich eine solche Sehnsucht? Kann ich mir als Großstädterin überhaupt vorstellen, mein Leben mit Tieren zu teilen? Ehrlich, ich weiß es nicht. Aber die Tiere treiben mich um. Denn es gibt sie. Und ich vergesse sie die meiste Zeit.

Rückkehr der guten Geister

Einige kamen über das Telefon. Andere zeigten sich einfach am Wegesrand. Außerdem hatten wir einen Sonnentag. Und dann gibt es immer noch den Fotoapparat. Wie sagte mal eine Freundin: Fotografieren kann auch Stress reduzieren. Weil: also bei dem Bild (s.o.) hat eine Frau, die hinter mir die Straße überquerte, gelacht. Schon ein paar Schritte weiter fragte mich jemand, was ich denn da im Auto fotografiere. Es war eine nackte Frau. Nein, keine „echte“ – eine kleine aus Plastik, die am Rückspiegel hing. Wer Fotos macht, muss gucken und alle paar Schritte stehen bleiben. Das Gewöhnliche immer und immer wieder mit neuen Augen zu sehen, ist – wie mir gerade durch den Kopf wandert – auch Ziel der Klunker. Und dann: Du trägst mit der Kamera Deine gesamten Lebenserfahrungen zusammen. Bild für Bild. Da lachen sogar die guten Geister.

Karneval

Nein. Es geht mir heute nicht ums für oder wider. Auch nicht um die Gefahrenlage in Köln. Ich möchte daran erinnern, dass Karneval aus alter Tradition eine Zeit der Subversion und der Umkehrung ist. Und eine Zeit der Ausgelassenheit. Wie wäre es? Mal was wirklich anderes, aufmüpfiges tun? Mal den Alltag auf den Kopf stellen? Mal alle Fünfe gerade sein lassen? Mit lauter Musik aufstehen (muss ja nicht den ganzen Morgen laufen) oder Kuchen (!) frühstücken? Nur zu! Bis Dienstag Abend haben wir noch Zeit.

Gar nicht so einfach!

Es gibt eine Menge Bäume – sogar hier, mitten in der Stadt – die es mir angetan haben. Große mächtige, schlanke hohe, buschelige, üppige, großzügige, eingeklemmte, starke und fast alle sehr eigenwillig. Sie haben übrigens kein Zu Hause, oder vielleicht ist ihr zu Hause unterirdisch, da, wo Wurzeln und Erde sich durchmischen. Vielleicht. Aber wenn ich dann so einen Baum fotografieren will: Gar nicht so einfach! Wahrscheinlich weil der Baum selbst und der Raum drumrum so verwachsen sind wie die Wurzeln mit der Erde. Ich habe mich umgeschaut – auch andere scheinen so ihre Schwierigkeiten mit Bäumen zu haben. Ich werde mich mal auf die Pirsch machen: nach guten Baum-Settings. Und auf die Suche nach gelungenen Baum-Fotografien. Bin schon gespannt.

 

 

 

 

 

 

 

Was bedeutet Dir Wohnung?

Die Frage kommt aus zwei Richtungen. Zum einen, weil ich immer wieder an die denke, die hier in der Stadt ohne Wohnung leben. Sei es draußen, sei es in Notunterkünften oder in Turnhallen. Könnte ich das? Würde ich es unter bestimmten Umständen sogar etwas anderem (aber was?) vorziehen? Zum anderen, weil ich gerade immer wieder mit Malern befasst sind, die Innenräume „porträtiert“ haben. Oder zumindest immer wieder gemalt, wie Pierre Bonnard zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er wollte, und das finde ich sehr spannend, einen Raum so zeigen, wie er ihn das erste Mal sieht. Denn das ist eigentlich – oder mir scheint es oft so – gar kein räumliches Sehen, sondern eins, wo nur bestimmte Dinge die Aufmerksamkeit erregen. Gleich beim nächsten Besuch sieht es dann wieder anders aus, ich jedenfalls bin sehr nachlässig im Räume-Gedächtnis und brauche lange, bis ich mir die Wohnung neuer Freund/innen eingeprägt habe.

Räume sind zudem Resonanzräume für ihre Bewohner/innen – und es scheint alles, was wir dort sehen, auf sie zurückzuweisen. Ob das immer so ist? Und ob jedes Detail etwas über die dort Wohnenden verrät? Vielleicht ja nur so viel, dass ihnen Wohnen nicht so wichtig ist. Wie sehen Wohnungen von wirklich Sesshaften aus? Wie die von Wanderern? Gibt es offene Wohnungen auch da, wo jemand seit über 20 Jahren seine Bettstatt hat? Oder zementieren wir uns im Laufe der Jahre unwillkürlich zu? Was bedeutet Euch wohnen? Wenn Ihr Lust habt, schreibt was.

Ohne Netz leben

Früher kam ich mir benachteiligt vor. Noch heute werde ich gelegentlich wütend, wenn andere Leute aus ihrem sicheren Nest argumentieren. Natürlich braucht es weniger Zukunftsangst, wenn ich auf einem Erbe sitze. Oder eine große Familie habe. Oder reich verheiratet bin. Aber heute weiß ich, was ich ohne Netz habe. Vor allem Freiheit (was simpel klingt, bei mir aber ewig gebraucht hat, im Kopf mal aufzuleuchten). Jederzeit gehen zu können, ist für mich eine große Verheißung. Ich meine damit nicht abhauen. Sondern dem eigenen Weg folgen. Losgehen.