Entweder/Oder?

Ist es so, scheint es so – oder ändert sich alles viel öfters als bemerkt? Sind Menschen Kaffee- oder Teetrinker/innen oder scheint es nur so? Auf Anhieb würde ich sagen, ich bin eine Kaffeetrinkerin. Nichts macht mich morgens, mittags, im Büro, in der Konzertpause oder nach dem Essen so froh, wie ein guter Kaffee. Nur eine Tasse und ich bin wach, bestens gelaunt, konzentriert und (wenn es sein muss) auch bereit, noch lange durchzuhalten. Besonders gefällt mir, dass ich mit zunehmendem Alter auch spät abends einen Kaffee bestens vertrage. Schlafprobleme ade! Nun, jedenfalls, wenn ich nicht wegen irgendeiner Angelegenheit grundnervös bin. Kaffee ist für mich die Zigarettenpause, das Innehalten, auch schon mal der Moment für Gedankenblitze.

Warum das so ist, kann ich nicht sagen, denn ich mag auch Tee wahnsinnig gern. Gute Tees sind Momente der Inspiration. Sie stimmen mich meditativ und gleichzeitig machen sie wach. Zumindest die schwarzen und grünen, die ich bevorzuge. Und eins gilt immer: Wenn ich gar nicht mehr nachdenken kann, aber leider noch muss, hilft nur noch grüner Tee. Allerdings mit einer mühsamen Nebenwirkung: einmal getrunken bin ich danach mindestens 12 Stunden knallwach. Selbst wenn ich nur ein billiges, altes Beutelchen ins heiße Wasser halte. Entweder/oder? Statt zu überlegen, bestelle ich eigentlich immer einen Kaffee. Und bin auch meistens zufrieden. Aber wer weiß, ab und zu mal ein Tee? Das wäre doch mal eine Entscheidung wert.

Menschengesichter

Nicht nur Bäume sind schwer zu fotografieren. Auch Porträts verlangen einem viel ab. Anders als bei Bäumen muss man aber auch noch fragen, wenn man die gemachten Bilder veröffentlichen will. Aber wie zum Beispiel in einem Café fotografieren, möglichst ohne großes Aufheben, und dann rumfragen, ob man die Fotos – jedes Mal wenn jemand aufsteht und geht? Bislang hat es mich wenig gestört, Menschenbilder für mich zu behalten. Aber ich merke, wie oft mir das Herz aufgeht, wenn ich ein schönes, ein entspanntes, ein freundliches oder nachdenkliches Gesicht sehe (oder, oder, oder). Ich entwickele mich gerade zur Menschenfängerin (zum Glück nur fotografisch – und das mit der Seele glaube ich nicht), wie also damit umgehen? Hat jemand von Euch vielleicht Erfahrungen oder Tipps? Würde mich freuen.

Noch einmal: Bäume

Und noch einmal die Frage, wie sie am besten zu fotografieren sind. Als Spiegelungen vielleicht, dachte ich heute. Denn in der Reflexion bekommen sie so eine luftige Beweglichkeit, die mir gefällt und den Wesen im Winter so eine tänzerische Leichtigkeit gibt (na, jedenfalls in meinem Kopf – oder bei argem Sturm). Erleben sie was? Wenn sie da so stehen und stehen und stehen. Oder ist es weniger ein Stehen als ein Verbinden von Himmel und Erde, mehr so ein Ausstrecken in dem Fall, ein nach oben und unten ausgreifen? Kann man etwas sehen? Aber so oder so: beeindruckende Gesellen!

Vertrauen

Leicht gesagt! Und: Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Es gibt Menschen, und ich kenne auch einige, die ein felsenfestes Vertrauen ihr eigen nennen. Selbstvertrauen, das nicht in Selbstüberschätzung schwappt und Vertrauen in andere Menschen, in die Umstände, die Welt, das Leben. Ich vertraue meinem Schutzengel. Aus Erfahrung. Aber beim Rest muss ich mich immer wieder aufs Neue bemühen. Vertrauen rieselt mir offenbar nicht schon seit der Geburt durchs Blut. Irgendwo hockt immer ein Wenn und Aber. Dabei spüre ich in manchen Momenten, dass Vertrauen die einzige Brücke zu neuen Ufern ist. Denn wenn ich nicht darauf vertraue, dass neue Wege auch zum Ziel führen, werde ich sie kaum – oder vielleicht zu langsam gehen. Schwierigkeiten, schrieb Seneca, haben ihren Ursprung in mangelndem Vertrauen. Ja, ich weiß, dass das stimmt, aber nein, ich habe noch nicht begriffen, dass das auch für mich gilt. Denn Vertrauensseligkeit wird oft mit Arglosigkeit, oder noch schlimmer, mit Dummheit gleichgesetzt. Wer will schon dumm sein? Nein. Wenn ich ehrlich bin, ist Vertrauen (noch) nicht meine Stärke. Aber was tun? Kann man Vertrauen vielleicht trainieren? Ich werde mich umsehen. Denn eins ist klar, ohne Vertrauen komme ich jetzt nicht weiter.

Die Idee kommt beim Sprechen

Neulich habe ich ein Flickenkleid genäht. Keins aus Stoff, sondern eins aus Tönen, bzw. aus Zwischentönen. Aus dem, was manchmal zwischen den Tönen, den Wörtern so hängt: Atmer, Atmosphäre aus dem Hintergrund, Lachen, Räuspern, Innehalten. Und dabei fiel mir die Überschrift von einem Kleistschen Text wieder ein (und das von 1805!): Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. Ja. Der wusste das schon, was ich mir wieder mühsam auserfunden habe: Dass man einfach mal drüber reden sollte, wenn es noch nicht so recht passt. Denn es stimmt tatsächlich, dass einem Gedankengänge, die eben dort, in Gedanken, noch ziemlich planlos dahergehen, beim lauten Sprechen plötzlich in die Reihe flutschen und zu einem guten – oder zumindest ans angepeilte – Ende kommen. Das ist dann auch schon mal der Grund für so manches Selbstgespräch: kannste noch steigern, indem Du eine Fremdsprache wählst (was bei mir ob der oft mangelnden Vokabeln noch zu ganz anderen Ergebnissen führt). Mein Ton-Kleid ist sehr schön geworden. Leicht, fremd, witzig, in der oberen Spur fast meditativ. Eine ganz eigene Atmosphäre. Als könne man etwas unter dem Mikroskop betrachten, was dort völlig verändert, abstrakt ist. Einmal mehr die ganze Welt.

Aufmerksamkeit

Sie ist längst und locker von der „Achtsamkeit“ überholt, aber ich hänge an alten Dingen, also will ich ein Lied auf die Aufmerksamkeit singen. Leibnitz dachte sie sich als inneren Willen, dass Konzentration im Spiel ist, weiß jede/r. Aufmerksamkeit richtet sich auf die Umgebung, indem alle fünf Sinne beteiligt sind, wer sich einer besonderen Sache widmet, braucht oft nur zwei oder drei davon. Die frühe Forschung – wie das heute ist, weiß ich nicht – dachte sich Aufmerksamkeit nur im Wachzustand. Ich bin mir da nicht so sicher. Träume verlangen ja oft viel vom Schlafenden. Ob es überhaupt unaufmerksame Träume gibt (und von da nur ein kleiner Schritt: ob meine alzheimerkranke Mama überhaupt noch träumt – oder sieht sie vielleicht nur noch Formen und Farben?) Es gibt sie des Weiteren fokussiert und weit schweifend. Aufmerksamkeit stelle ich mir doppelt vor: mir selbst gegenüber, aber auch auf die Welt – und damit auch auf Menschen gerichtet. Jemandem Aufmerksamkeit schenken, ist vielleicht das Beste, was wir anderen geben können. Und über eine kleine Aufmerksamkeit (nein, eine Echte! Nicht bloß die blöden Pralinen oder den Wein von den letzten Gästen) kann viel Glück weitergegeben werden. Aufmerken ist für mich auch, aus einer gewissen Lethargie zu erwachen. Hallo? War da was? Ist da wer? Aufmerksamkeit ist für mich eine große und damit auch großzügige Tugend. Doch, ja, man kann sie lernen. Am einfachsten übrigens sich selbst gegenüber.

Die schöne, gleichsam aufmerksame und nach Aufmerksamkeit heischende Frau habe ich in der Berliner Bülowstraße fotografiert. Es gibt leider keine Signatur, kein Kürzel, an dem man den/die Künstler/in erkennen könnte.

Erleichterung

Bei mir ist es eigentlich immer Erleichterung, keine Euphorie, wenn ich etwas geschafft habe. Das Wort ist mir bei der Mankell-Lektüre aufgefallen. Auch er beschreibt, wenn ich das jetzt richtig erinnere, Erfolgsmomente als solche, wo einem eine große Last von den Schultern fällt. Was alles hätte schief gehen können! Und das bis zum letzten Moment. Freude, doch, die auch. Aber es ist nie so ausgelassen, gigantisch, wie es manchmal in Filmen aussieht, wenn Menschen sich freuen oder etwas erreicht haben, auf das sie lange hin gearbeitet haben. Ich würde sogar sagen, dass auch hier die Vorfreude größer oder prickelnder sein kann. Einen Traum zu verwirklichen, kann bedeuten, in der Realität anzukommen. Und da kommen nun einmal die Busse zu spät. Was keinen einzigen Zweifel daran lässt, dass Erfolge mit das Beste sind, was einem im Leben passiert.

Februar

Der Putzmonat. Von wegen… Aber februare heißt auf lateinisch „reinigen“. Daher auch der Karneval. Der sich meistens im Februar zuträgt. Dieses Jahr mit 29 Tagen zum Putzen. Aber der eigentlich zusätzliche ist der 24., bzw. 25. Februar, ich meine, den 24. gibt es doppelt: Geburtstagskinder: aufgemerkt!!! Hornung hieß der Monat früher bei uns. Als noch Rothirsche mit in der Straße wohnten und ihr altes Geweih in diesen Tagen für ein neues, größeres abwarfen. Tau- oder Schmelzmond gab es auch damals noch im Wörterbuch, aber wer weiß, ob sich unsere Enkelkinder noch an Schnee erinnern werden. Februargemüse sind Chicorée, Pilze, Schwarzwurzeln, Grünkohl und Rapunzel (in der Schweiz als Nüsslisalat bekannt). Obst kommt aus dem Flugzeug. Die Februarblume ist das Schneeglöckchen, obwohl ich heute schon Krokusse und Blausternchen gesehen habe. Tulpen dagegen sind die Vasenpflanzen der Wahl. Jedenfalls bei mir. Jahr für Jahr im Februar…

Kunst und Leben

Das Holzrelief ist mittlerweile so seine hundert Jahre alt. Ich habe vergessen, von wem es ist, habe es selbst auch massiv – vor allem farblich – verändert, denn es geht mir nicht um das Werk an sich, sondern um folgendes. Von weitem betrachtet ähnelt diese Holzcollage (zumindest in meinen Augen) einer Tasche. Vielleicht kein elegantes Handtäschchen, eher eine Art Ärztekoffer oder meinetwegen auch einem Handwerkskasten. Sich sein Leben zurechtzimmern, war ein Gedanke, der mir sofort in den Sinn kam. Oder, dass alles zu jedem Moment ein Provisorium ist, wie ich gerade in Henning Mankells Buch „Treibsand“ lese. Vielleicht sollte ich mir mein Leben öfters mal wie so ein zusammengezimmerte Tasche vorstellen, in der ich wohne, herumreise und vielleicht auch verloren gehe, oder von Hand zu Hand weitergereicht werde. Um? Mir der Flüchtigkeit des Lebens, der Bewegung, der Unwägbarkeiten wieder mehr bewusst zu werden. Jeden Tag am Schreibtisch sitzend, die nächsten Wochen im Blick, erscheinen meine Tage oft vorherbestimmt und auf eine Art unverrückbar. Dem aber ist nicht so. Ein Gedanke, der offenbar nicht gut in ein Menschenhirn hineinpasst (aufjedenfallnichtinmeins).