Die Idee kommt beim Sprechen

Neulich habe ich ein Flickenkleid genäht. Keins aus Stoff, sondern eins aus Tönen, bzw. aus Zwischentönen. Aus dem, was manchmal zwischen den Tönen, den Wörtern so hängt: Atmer, Atmosphäre aus dem Hintergrund, Lachen, Räuspern, Innehalten. Und dabei fiel mir die Überschrift von einem Kleistschen Text wieder ein (und das von 1805!): Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. Ja. Der wusste das schon, was ich mir wieder mühsam auserfunden habe: Dass man einfach mal drüber reden sollte, wenn es noch nicht so recht passt. Denn es stimmt tatsächlich, dass einem Gedankengänge, die eben dort, in Gedanken, noch ziemlich planlos dahergehen, beim lauten Sprechen plötzlich in die Reihe flutschen und zu einem guten – oder zumindest ans angepeilte – Ende kommen. Das ist dann auch schon mal der Grund für so manches Selbstgespräch: kannste noch steigern, indem Du eine Fremdsprache wählst (was bei mir ob der oft mangelnden Vokabeln noch zu ganz anderen Ergebnissen führt). Mein Ton-Kleid ist sehr schön geworden. Leicht, fremd, witzig, in der oberen Spur fast meditativ. Eine ganz eigene Atmosphäre. Als könne man etwas unter dem Mikroskop betrachten, was dort völlig verändert, abstrakt ist. Einmal mehr die ganze Welt.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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