Was bedeutet Dir Wohnung?

Die Frage kommt aus zwei Richtungen. Zum einen, weil ich immer wieder an die denke, die hier in der Stadt ohne Wohnung leben. Sei es draußen, sei es in Notunterkünften oder in Turnhallen. Könnte ich das? Würde ich es unter bestimmten Umständen sogar etwas anderem (aber was?) vorziehen? Zum anderen, weil ich gerade immer wieder mit Malern befasst sind, die Innenräume „porträtiert“ haben. Oder zumindest immer wieder gemalt, wie Pierre Bonnard zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er wollte, und das finde ich sehr spannend, einen Raum so zeigen, wie er ihn das erste Mal sieht. Denn das ist eigentlich – oder mir scheint es oft so – gar kein räumliches Sehen, sondern eins, wo nur bestimmte Dinge die Aufmerksamkeit erregen. Gleich beim nächsten Besuch sieht es dann wieder anders aus, ich jedenfalls bin sehr nachlässig im Räume-Gedächtnis und brauche lange, bis ich mir die Wohnung neuer Freund/innen eingeprägt habe.

Räume sind zudem Resonanzräume für ihre Bewohner/innen – und es scheint alles, was wir dort sehen, auf sie zurückzuweisen. Ob das immer so ist? Und ob jedes Detail etwas über die dort Wohnenden verrät? Vielleicht ja nur so viel, dass ihnen Wohnen nicht so wichtig ist. Wie sehen Wohnungen von wirklich Sesshaften aus? Wie die von Wanderern? Gibt es offene Wohnungen auch da, wo jemand seit über 20 Jahren seine Bettstatt hat? Oder zementieren wir uns im Laufe der Jahre unwillkürlich zu? Was bedeutet Euch wohnen? Wenn Ihr Lust habt, schreibt was.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 17

  1. mannigfaltiges 2. Februar 2016

    Ich habe nicht gerne Besucher in meiner Wohnung. Wohnen ist die Abwesenheit von Besuchern. Ein Rückzug von der Welt „da draussen“. Es kommt nicht darauf an was in der Wohnung rumsteht oder hängt oder was auch immer. Oder wie sieh aussieht Wichtig ist eine Tür die man zumachen kann. Wo diese Wohnung ist, ist unwesentlich. Ob Hotelzimmer, Bootskabine etc. ist egal. Nach ein paar Stunden geschlossener Tür ist das dann meine „Wohnung“.

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    • Stephanie Jaeckel 2. Februar 2016

      Ich habe mal bei Víllem Flusser gelesen, wie er Wohnung oder zu Hause als Ausgangspunkt des Menschen für die Entdeckung der übrigen Welt beschreibt. Leider weiß ich nicht mehr, wie seine Argumentation genau ging. Aber ich fand die Idee von einem eigenen, geschlossenen Ort ins Offene zu gehen, sehr plausibel. Wie geschlossen dieser Ort ist, bleibt wahrscheinlich jedem oder jeder Einzelnen überlassen. Ist wahrscheinlich auch eine Art Definitionsfrage: Gehören zum Beispiel meine Freund noch zu mir und damit in meine Wohnung, oder nicht? Etc.

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  2. sgeisel 2. Februar 2016

    Wohnen hat für mich zu tun mit Wohlbefinden. Die Wohnung als Energie-Zentrum, wo man alle Batterien aufladen kann. Ist ein anspruchsvolles Konzept, zumal wenn man nicht allein wohnt und also nicht Herrin der eigenen vier Wände ist. Heimkommen, aufatmen, „endlich bin ich da, wo alles in Ordnung ist und ich einfach SEIN kann“ – was für eine Utopie! Stattdessen stolpert man über Schuhe und Taschen, muss in der Küche aufräumen, bevor man sich einen Tee kochen kann, etc.
    Die Kunst des Wohnens will, wie alle Künste, gelernt und geübt sein. Aber dann!

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    • Stephanie Jaeckel 2. Februar 2016

      Wow! Die Wohnung als Batterie. Das gefällt mir. Eine funktionierende Heizung und ein gut gefüllter Kühlschrank mögen da schon eine Menge bieten – Schuhe und Taschen fliegen leider immer rum. Auch wenn es nur die eigenen sind (zum Trost). Aber eben – und zum Glück: da ist noch viel Platz nach oben!

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  3. papiertänzerin 2. Februar 2016

    … gerade bin ich allein in unserer Familienwohnung und fühle mich ein wenig verloren, so viele Dinge erzählen von Abwesenheit, aber ich geniesse es auch: ist ein bisschen wie es früher war, als ich noch allein lebte und die Dinge blieben, wo sie waren. Wohnung ist für mich Rückzug, Höhle, Auftanken, Familienzelt, auch Gestaltungsraum (aber weniger als früher). Was ich mir wieder mehr wünsche sind unkomplizierte Freundschaftstreffen: klingeln, zusammen kochen, in der Küche hocken, reden, schweigen, zusammen sein.

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  4. Stephanie Jaeckel 2. Februar 2016

    Ja, sieht so aus, dass wir uns nach beidem sehnen, einem eigenen Rückzugsort, einem Platz, wo mit Sicherheit nichts über uns hinein bricht (weder Wetter, Lärm, noch ungebetener Besuch), und nach einem Treffpunkt. Und sei er nur mit uns selbst. Ein Ort, an dem sich Staub ansammelt, ist letztlich auch einer, in dem sich nichts so rasch bewegt (außer man hat genug Fenster, um Durchzug zu machen). Es bleibt in gewisser Weise auch ein bestimmter Überblick. Und ein Kraftzentrum allemal.

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  5. Pingback: Was bedeutet mir Wohnen? | Jaellekatz

  6. Peggi Liebisch 17. Februar 2016

    Resonanzräume – ja. Aber nur für die Verortung der Bewegung, die darin stattfindet – mit anderen. Was wir in der Wohnung sehen, kann – finde ich – nicht wirklich Aufschluss darüber geben, wer darin lebt. Wohnungen sind eigentlich mehr Kulissen für Szenen, die sich darin abspielen. Morgen ist vielleicht alles anders.

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