Tiere?

Natürlich kenne ich welche. Als Kind habe ich in einer kleinen Stadt gewohnt mit Land drumrum. Meine Freundinnen hatten Hunde und Katzen, es gab Mäuse im Garten und später eine Schildkröte. Igel, Vögel (vor allem im Winter am Vogelhäuschen), einmal ein Reh im Wald, später sogar ein Hirsch im Wannseebad (ich schwöre), Windschweine, einen raschelnden Schwarzbär im Maisfeld (im Urlaub), ein Hamster mit drei Beinen, Regenwürmer, Ameisen, der ganze Zoo, glibberige Quallen, wütende Schwäne im Park, ein kleines Hasenkind im meinen Händen, einen Papagei ohne Federn. Fremde Tiere kann ich noch leidlich unterscheiden. Aber dann? Könnte ich mit Tieren leben. Oder neben ihnen? Nehme ich sie überhaupt wahr (wie erstaunt ich war, als ich Kühen längere Zeit beim Grasen zuhörte). Hunde, ja, wahrscheinlich schon. Alle übrigen? – Ich lese und schaue mich gerade in das Werk von Franz Marc ein. Seine Sehnsucht lag in einer natürlichen Welt, in der die Tiere und die Menschen gemeinsam Platz hätten. Er hatte verstanden, dass wir die Tiere mit unseren Augen sehen, ohne auch nur einen Deut darum zu geben, wie sie sehen. Oder wie sie für sich in der Welt stehen. Er hatte eine romantische Sehnsucht (zumindest verstehe ich das gerade so). Er blickte zurück auf eine Zeit, die noch harmonisch hätte sein können – und es schon nicht war. Hege ich eine solche Sehnsucht? Kann ich mir als Großstädterin überhaupt vorstellen, mein Leben mit Tieren zu teilen? Ehrlich, ich weiß es nicht. Aber die Tiere treiben mich um. Denn es gibt sie. Und ich vergesse sie die meiste Zeit.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 3

    • Stephanie Jaeckel 8. Februar 2016

      Na, Du weißt ja, dass gerade die kleinen gefährlich sind, weil Mama Wildschwein eine Tigermama ist (in Wirklichkeit). Meine Freundin Petra sah sich auf einem Parkplatz am Wannsee mal umringt von einer kleine-Wildschweine-Truppe. Sie ist stehengeblieben und hat sich kaputt gelacht. Ich war in einiger Entfernung und habe Blut und Wasser geschwitzt. Ist aber nix passiert.

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