Rückkehr der guten Geister

Einige kamen über das Telefon. Andere zeigten sich einfach am Wegesrand. Außerdem hatten wir einen Sonnentag. Und dann gibt es immer noch den Fotoapparat. Wie sagte mal eine Freundin: Fotografieren kann auch Stress reduzieren. Weil: also bei dem Bild (s.o.) hat eine Frau, die hinter mir die Straße überquerte, gelacht. Schon ein paar Schritte weiter fragte mich jemand, was ich denn da im Auto fotografiere. Es war eine nackte Frau. Nein, keine „echte“ – eine kleine aus Plastik, die am Rückspiegel hing. Wer Fotos macht, muss gucken und alle paar Schritte stehen bleiben. Das Gewöhnliche immer und immer wieder mit neuen Augen zu sehen, ist – wie mir gerade durch den Kopf wandert – auch Ziel der Klunker. Und dann: Du trägst mit der Kamera Deine gesamten Lebenserfahrungen zusammen. Bild für Bild. Da lachen sogar die guten Geister.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 4

  1. mannigfaltiges 7. Februar 2016

    Gerade gelesen:
    „…dass die Fotografie uns stets in der Vergangenheitsform erreiche, sie somit die traurigste aller Künste sei, weil sie von einem Augenblick erzähle , der nie wiederkehrt; die Malerei sagt, es ist; die Fotografie, es war.“
    So in dem Buch „Zwei Herren am Strand“. Der Autor – Micheal Köhlmeier – legt es W. Churchill in den Mund.
    Churchill versuchte mit Malen seinen „Schwarzen Hund“ in Zaum zu halten. Ich mit Fotografie (und bloggen).
    Darum kann ich Deiner Freundin nur zustimmen.

    Gefällt 1 Person

  2. Stephanie Jaeckel 7. Februar 2016

    Tolles „Zitat“! Fotografie hat oft etwas melancholisches, das stimmt. Vielleicht hat sich das aber auch – vielleicht nur an den Rändern – geändert. Weil es eben auch diese Fotos gibt, wo ich denke, „wow! Das gibt es auch! und das! und das!“ Bei Landschaften, oder Tieren. Früher waren die Fotograf/innen viel mehr darauf auf, etwas „festzuhalten“, zu dokumentieren, zu repräsentieren. Meine Fotos zum Beispiel wollen ja einen Blick festhalten, nicht die Dinge an sich. Und Blicke können immer wieder neu sein: Wenn man Fotos/Bilder betrachten als Schauen lernen/in der Welt sein lernen versteht. Wo der Augenblick festgehalten ist (auch im, z.B. impressionistischen Bild), schwingt Vergänglichkeit mit – aber eben immer auch die freundliche Aufforderung an die Betrachter/innen: Genieße den Augenblick!

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