In dem Film „One more time with feeling“ (Regie: Andrew Dominik) redet Nick Cave davon, dass Kunst von Zufällen lebt, und dass diese möglicherweise der direkte Draht zu den Göttern sind. Er präzisiert: Zufälle seien der falsche Begriff, es gehe eher um einen Raum, einen Raum, in dem man gar nichts mehr weiß.
Der ganze Film scheint wie ein Versuch, diesen Raum für Zufälle einzufangen. Es passiert eigentlich nichts weiter. Musiker/innen, Techniker, Filmleute sind bei der Arbeit in einem Studio zu sehen. Alle scheinen vor sich hin zu werkeln, aber wer genauer schaut, merkt, dass alle aufeinander achten, dass größtmögliche Konzentration herrscht, dass jede/r bereit ist, sofort in die gemeinsame Arbeit einzusteigen. Sie arbeiten nicht im konventionellen Sinn. Sie schaffen eine Situation, in der Dinge möglich werden. Sie machen Gelegenheiten.
Vor allem bei der Zusammenarbeit von Nick Cave und Warren Ellis entsteht ein solcher, leerer und gleichzeitig vor Energie berstender Raum. Nick Cave singt. In langen Schleifen, oft mit endlosen Wiederholungen, scheinbar nebenher, scheinbar irgendwas, bis man auf einmal eine Textzeile erkennt, eine Tonfolge, die verzerrt ist bis zum vermeintlich falschen Ton. Ich singe etwas, was ich nicht kenne, sagt Nick Cave. Un bei dem Lied „Girl in Amber“ denke ich tatsächlich ein paar Momente lang, er wisse nicht, was er tue. Er singt scheinbar falsch und noch falscher, Ellis begleitet ihn, hört zu, fummelt an elektronischen Geräten rum, ist vor allem da. Aus dem Durcheinander schält sich hier und da etwas heraus. Und wenn dann die Aufnahme läuft, klingt alles frisch und neu und präzise. Es sieht so aus, als sei es genau das: Ein Raum, um eine Melodie, einen Rhythmus, Textzeilen so weit in alle Richtungen zu dehnen, zu stauchen und endlos zu wiederholen, bis sich etwas daraus ergibt. Zufall, Inspiration, göttliche Fügung? Vor allem, wie mir scheint, höchste Konzentration und Geduld. Und großes Vertrauen darein, gemeinsam etwas zu gestalten.
Das Foto ist ein Still aus dem oben genannten Film „One more time with feeling“ (Copyright Bad Seed Ltd.).







