ist immer. Auch wenn morgen wieder Montag ist…
Der Hafen der Ehe
Wenn man es aus der Perspektive des Vorher betrachtet, macht das Bild Sinn: Es gibt ein Auf und Ab beim Finden und Verlieben, große Momente, ebenso große Verunsicherungen, ein Hin und Her (vielleicht), ein Für und Wider. Und endlich die Entscheidung, und dann das Einlaufen in den Ehehafen.
Wer aber schon 25 Jahre verheiratet ist – ? 25 Jahre im Hafen dümpeln? Doch nicht im Ernst???
Nein. Natürlich kann man vom Hafen aus wieder starten. Und es gibt genug Ausfahrten, Expeditionen, gemeinsam oder auch alleine, die zu meistern und zu übersehen sind. Freudige Reisen, plötzliche Aufbrüche, überflüssige Fahrten, heimliche sogar manchmal. Lange, kurze, stürmische, langweilige, geruhsame, was auch immer.
Heute feiert meine Freundin Petra, die ich schon aus dem Kindergarten kenne, mit ihrem Mann Gero den 25sten Hochzeitstag. Ein wirkliches Freudenfest, auch wenn es bislang noch wie aus Kübeln gießt und im Garten gefeiert wird (das Alter lässt einen zumindest was das Wetter angeht, gelassener werden…). Mal wieder Zeit, sich über die Zeit Gedanken zu machen und übers eigene Leben (was habe ich bloß in den letzten 25 Jahren gemacht?). Wenn ich ehrlich bin? Ich freue mich mehr über die 25. Weil ich damals, als die beiden geheiratet haben, noch so unsicher war. Ob ich auch einen Mann finden würde. Ob ich mit der Entscheidung, nach Berlin zu ziehen, richtig lag. Ob und auweia. Ich bin viel gelassener geworden. Und gut verwachsen mit meinem eigenen Leben. Und so froh, dass Petra und ich immer noch Freundinnen sind. Es gibt was zu feiern. Da kann es regnen, wie es will.
Es hilft,
ab und an mal in den Spiegel zu sehen.
In Würde sterben
Was bedeutet das eigentlich? Dachte ich gestern, als ich im Bonner Naturkundemuseum König in der Präparatorenwerkstatt war. Es herrscht dort eine ganz eigene, ungewöhnliche Atmosphäre. Es gibt riesige Fenster zum Norden hin, genau wie in anderen Restaurierungswerkstätten oder in Künstlerateliers. Feierlich, ernst lagen die Tiere auf den Tischen, um für ihre neue Aufgabe zurechtgemacht zu werden. „Den Niedergang zu dokumentieren“ – wie Naturwissenschaftler ihre Arbeit mittlerweile schon nennen.
Wer stirbt, wird meist schnell weggeräumt. Dafür gibt es (gute) Gründe. Natürlich werden tote Tiere in der Natur auch schnell weggefressen. Einen so ruhigen Ort wie die Präparatorenwerkstatt gibt es selten. Dennoch frage ich mich, was die Würde des Sterben und auch die Würde des Todes wieder klarer zum Vorschein bringen könnte. Wir haben sicher nicht zu Unrecht eine Scheu vor dem Tot und den gerade Gestorbenen. Aber die jahrzehntelange Praxis, alles Tote sofort zu entsorgen, verändert unseren Blick auf die Welt. Vielleicht kommt daher auch die Frage heutiger Kinder – eine Freundin berichtete mir neulich davon – wieso sich Menschen im Alten Ägypten überhaupt drüber Gedanken gemacht hätten, was mit den Toten passiert. Klar. Wo es keine Toten mehr gibt, kann man sich wahrscheinlich nicht vorstellen, dass sich die Frage überhaupt stellt.
Als ich die toten Vögel und Mäuse auf den Werkstatt-Tischen sah, fand ich auf eine Art etwas Vollendetes: Ein ganzes gelebtes Leben. Es hat eine große Schönheit. Und auch versehrte Tote haben wahrscheinlich die daraus resultierende Würde. Ob es das ist? Oder bin ich an dieser Stelle zu romantisch?
Am Flughafen
Doch! Es ist wahr. Wer tagsüber am Flughafen auf den Abflug wartet, sieht überall Leute, die Alkohol trinken. Glaubt mir kein Mensch, aber um mich rum nur Bier, Wein und eher kleine Portionen durchsichtiger Flüssigkeit. Ich? Nö. Kaffee. Ist es Angst? Oder vielleicht eine schon mal angeheizte Vorfreude? Hm. High in the Sky. Ich bin mal gespannt. Vielleicht schunkeln gleich alle. Allenthalben bin ich auf dem Weg nach Köln…
Mache von Mann und Weib einen Circkel…
und du wirst haben den Stein der Weisen. So vermutete der Alchemist Michael Maier im Jahr 1618, als er seinen „Atalanta fugiens“ veröffentlichte. Ein interessantes Buch, in dem die Musik als Teil des wissenschaftlichen Denkens und Forschens eine wichtige Rolle spielt. Ob die Zirkel tatsächlich den Stein der Weisen herbeizaubern, weiß ich nicht. Ich dachte eher an die DNA-Spiralen und an neue Generationen. Gold so oder so.
Albtraum
Albträume gehören zu den Schlafstörungen. Kein Wunder, denn wer aus einem erwacht, schläft oft so schnell nicht wieder ein. Albträume fangen oft harmlos an. Manchmal gibt es Episoden, die wieder und wieder geträumt werden, die aber plötzlich eine andere, unangenehme Wendung nehmen. Ich durchwandere nachts oft ganze Städte, Straßen gleichermaßen wie Räume, die ineinander übergehen oder aufeinander folgen. Stets sind es unbekannte Städte, manchmal heißen sie New York oder Montreal, aber sie ähneln nie ihren realen Vorbildern. Manchmal träume ich auch von Haus- oder Wohnungsbesichtigungen. Dann bin ich in verschachtelten Räumen unterwegs, die sich oft über riesige Flächen erstrecken.
So fing auch dieser Traum an. Es gab Räume, die so hoch waren, dass man dachte, im Freien zu sein. Von Raum zu Raum wurden die Dimensionen größer, die Küche war ein Restaurant mit riesigem Buffet, die Sonne schien und in den weiteren Räumen gab es sogar Pflanzen und Seen. Erst schien es nur so eine Art Wohnungsbegehung. Später war es eine Art Privatführung. Wie immer fotografierte ich im Traum unglaublich schöne Dinge. Doch ab irgendeinem Moment verschwand meine Begleiterin immer häufiger, eine junge, sehr zerbrechlich wirkende, langhaarige Frau. Ich verlor sie, aber dann wartete sie irgendwo auf mich. Sie schien immer schwächer zu werden. Und es änderte sich noch einmal etwas. Ich schien auf einer Erfahrungswanderung. Plötzlich wurde ich von hinten angegriffen. Ich drehte mich zu früh um, konnte den Angreifer sehen und mich erfolgreich wehren. Obwohl ich mich retten konnte, war die Situation sehr unheimlich. Die junge Frau versicherte mir, der Überfall sei bloß eine weitere Erfahrung gewesen, schließlich habe ich nicht das Anrecht darauf, dass immer alles gut gehe. Doch ich begriff schlagartig, dass sie diesen Angriff vorbereitet hatte, und in der Art einer Vampirin mein Leben wollte. Danach war ich auf der Flucht, ein ziemliches Durcheinander, das ich nicht mehr richtig erinnern kann.
Ich wurde verwirrt wach. Weil ich den Traum mit nichts in Verbindung bringen kann. Vielleicht ist er eine grundsätzliche Warnung oder unbewusste Reflexion, dass meine Neugier und meine neu erwachte Reiselust auch gefährlich sein können. Vielleicht war es aber bloß eine Reaktion auf meinen letzten Friedhofsbesuch. Schließlich gibt es den Aberglaube, man solle nie zu lange auf Friedhöfen bleiben, weil die Toten einen zu sich ziehen wollen.
Sommer und Prost!
Jedes Jahr ist es wieder soweit: Sommeranfang! Und auch, wenn ich eine bekennende „Herbstmögerin“ bin, gibt es keine Jahreszeit, die mich so euphorisch macht, wie der Sommer. Und dann heute bei spiegel-online noch eine fantastische Nachricht: Vergesslichkeit wird rehabilitiert, bzw. endlich, endlich darf ich als Vergessliche aufatmen. Denn Philipp Kienzl erklärt in seinem Artikel in, auf, bei ze.tt, dass Vergesslichkeit ein höchst nützlicher und also positiver Vorgang ist. Haha. Wer zuletzt lacht, möchte ich denken, und denke ich auch, aber – die Nachricht ist auch ohne ätsch und bätsch schon toll genug.
„Vergessen ist ein aktiver Vorgang“ – das habe ich in der Schule gelernt und immerhin nicht vergessen. Machte die Sache aber nicht besser. Ich verlege zwar nichts, weil ich alle wichtigen Dinge am festen Platz – oder zumindest in einer bestimmten Ecke im Raum – aufbewahre, aber der Rest raschelt durch mein Gehirn wie Laub am Ende des Sommers von den Bäumen. Und jetzt das: „Deine Vergesslichkeit hilft dir, klügere Entscheidungen zu treffen“ (so der Titel des Artikels). Denn, so lese ich, es hilft, die brauchbarsten Informationen herauszufiltern, um damit später kluge Entscheidungen zu treffen. Beispiel (auch aus dem Artikel): Wenn die Bushaltestelle plötzlich ein paar Straßen weiter verlegt wird, ist es leichter, sich daran zu gewöhnen, wenn ich die alte Haltestelle schneller vergesse.
Tatsächlich gab es einen krassen Vergesslichkeitsbeweis nach meiner letzten Reise: ich habe fast alle Passwörter vergessen, bzw. ich wusste nicht einmal, was, wo abgefragt wurde (Geburtsdatum, Namenskürzel, Zahlenkombination aus der Ausweisnummer, etc.). Scheint also ein guter Urlaub gewesen zu sein. Und mit meinem Gehirn ist soweit noch alles in Ordnung. Prost! Oder noch schöner: Enjoy!
Wetter
Sobald sich Wetter in Unwetter verwandelt, wird es auch für uns moderne Stadtmenschen wieder sichtbar. Was habe ich gestern über den Himmel gestaunt, wo sich die Wolken zu so bisher noch nie Gesehenem stauchten, falteten, auseinanderzogen, und zu so irrealen Farben, dass mir mein höchstens zwei Kilometer kurzer Rückweg auf dem Fahrrad wie eine große Mutprobe erschien.

Mein Vater ist auf dem Rückweg von der Ostsee irgendwo gestrandet, ich denke, er sitzt – oder saß – in Hamburg fest. Da er zwar ein Handy hat, es aber nicht anschaltet, bin ich gerade noch etwas unsicher, aber nicht wirklich alarmiert. Auch im Urlaub wird das Wetter zum Gesprächs- und Gedankenthema Nummer Eins. Ich hatte Glück, aber die kurze Nachricht gestern, dass es in Kalifornien eine – wenn auch falsche – Erdbebenwarnung gab, hat mir dieses Glück noch Mal doppelt wertvoll gemacht. Wenn Erdbeben überhaupt „Wetter“ sind. Oder wie sagt man zu Naturkatastrophen? Und für das Wetter am nächsten Wochenende wird in vielen Haushalten schon gebetet: Meine Freundin feiert ihre Silberhochzeit in einem Garten. Wer will da schon im Regen stehen?
Der Modeschöpfer Karl Lagerfeld hasst Gespräche über das Wetter. Nick Cave, ich habe hier schon einmal darüber geschrieben, führte jahrelang ein Wettertagebuch. Ich bin wetterfühlig. Kaum ändern sich die Temperaturen um mehr als 10 °C, bekomme ich Migräne. Es gibt Ärtzt/innen, die solche Empfindlichkeiten als pure Fiktion abtun. Ich kann dazu nur sagen: Schmerzen sind Schmerzen. Dennoch liebe ich das Wetter. Ich verbringe viel Zeit damit, in den Himmel zu schauen, Prognosen zu versuchen (ich liege meistens falsch), das jeweilige Licht zu analysieren. Selbst der Winter, den ich nicht besonders mag (und von dem ich in jedem Sommer beklemmende Alpträume habe), bietet oft wunderschöne Himmel.
Wetter ist das Fluidum, in dem wir leben. Insofern ist es sicher kein Verlegenheitsthema für Small Talk. Dennoch reden wir oft nur sehr beiläufig davon. Schade eigentlich.
In eigener Sache
Nach 15 Monaten Arbeit: Der neue „Kimmo“ ist da! Nicht mehr alleine, denn ab dieser dritten Folge hat er Saki an seiner Seite, eine Klassenkameradin aus Japan, die erst seit ein paar Monaten in Berlin lebt, aber schon mit größter Selbstverständlichkeit die Klasse aufmischt. Wegen ihr unternehmen die Kinder mit ihrer Lehrerin eine Reise zum Meeresforschungsinstitut GEOMAR in Kiel. Wer Kimmo schon kennt, weiß, dass es nicht bei einem Institutsrundgang bleibt. Zusammen mit dem Geist Alexander von Humboldts (seit ihrer Begegnung im Berliner Museum für Naturkunde sind Kimmo und er unterschiedliche, aber beste Freunde) und Saki geht es erst – und eher versehentlich – mit dem Forschungsschiff Meteor vor die Kanarischen Inseln, und von dort in die weite Unterwasserwelt.
Zugegeben, Fakten mischen sich ganz gewaltig mit Fiktion, aber was ist schon Wahrheit? Es geht um unser Leben auf der Erde und um unsere Zukunft. Seit es Menschen gibt, scheint sich das natürliche Gleichgewicht langsam aus den Angeln zu lösen. Allerspätestens Kimmos und Sakis Generation muss eine Lösung finden, damit der Planet für unsere Spezies bewohnbar bleibt. Dass die Meere dabei eine Schlüsselrolle spielen, verrät schon der Titel. Ab heute ist die CD im Buchhandel und bei Amazon erhältlich.








