Albtraum

Albträume gehören zu den Schlafstörungen. Kein Wunder, denn wer aus einem erwacht, schläft oft so schnell nicht wieder ein. Albträume fangen oft harmlos an. Manchmal gibt es Episoden, die wieder und wieder geträumt werden, die aber plötzlich eine andere, unangenehme Wendung nehmen. Ich durchwandere nachts oft ganze Städte, Straßen gleichermaßen wie Räume, die ineinander übergehen oder aufeinander folgen. Stets sind es unbekannte Städte, manchmal heißen sie New York oder Montreal, aber sie ähneln nie ihren realen Vorbildern. Manchmal träume ich auch von Haus- oder Wohnungsbesichtigungen. Dann bin ich in verschachtelten Räumen unterwegs, die sich oft über riesige Flächen erstrecken.

So fing auch dieser Traum an. Es gab Räume, die so hoch waren, dass man dachte, im Freien zu sein. Von Raum zu Raum wurden die Dimensionen größer, die Küche war ein Restaurant mit riesigem Buffet, die Sonne schien und in den weiteren Räumen gab es sogar Pflanzen und Seen. Erst schien es nur so eine Art Wohnungsbegehung. Später war es eine Art Privatführung. Wie immer fotografierte ich im Traum unglaublich schöne Dinge. Doch ab irgendeinem Moment verschwand meine Begleiterin immer häufiger, eine junge, sehr zerbrechlich wirkende, langhaarige Frau. Ich verlor sie, aber dann wartete sie irgendwo auf mich. Sie schien immer schwächer zu werden. Und es änderte sich noch einmal etwas. Ich schien auf einer Erfahrungswanderung. Plötzlich wurde ich von hinten angegriffen. Ich drehte mich zu früh um, konnte den Angreifer sehen und mich erfolgreich wehren. Obwohl ich mich retten konnte, war die Situation sehr unheimlich. Die junge Frau versicherte mir, der Überfall sei bloß eine weitere Erfahrung gewesen, schließlich habe ich nicht das Anrecht darauf, dass immer alles gut gehe. Doch ich begriff schlagartig, dass sie diesen Angriff vorbereitet hatte, und in der Art einer Vampirin mein Leben wollte. Danach war ich auf der Flucht, ein ziemliches Durcheinander, das ich nicht mehr richtig erinnern kann.

Ich wurde verwirrt wach. Weil ich den Traum mit nichts in Verbindung bringen kann. Vielleicht ist er eine grundsätzliche Warnung oder unbewusste Reflexion, dass meine Neugier und meine neu erwachte Reiselust auch gefährlich sein können. Vielleicht war es aber bloß eine Reaktion auf meinen letzten Friedhofsbesuch. Schließlich gibt es den Aberglaube, man solle nie zu lange auf Friedhöfen bleiben, weil die Toten einen zu sich ziehen wollen.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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