Wetter

Sobald sich Wetter in Unwetter verwandelt, wird es auch für uns moderne Stadtmenschen wieder sichtbar. Was habe ich gestern über den Himmel gestaunt, wo sich die Wolken zu so bisher noch nie Gesehenem stauchten, falteten, auseinanderzogen, und zu so irrealen Farben, dass mir mein höchstens zwei Kilometer kurzer Rückweg auf dem Fahrrad wie eine große Mutprobe erschien.

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Mein Vater ist auf dem Rückweg von der Ostsee irgendwo gestrandet, ich denke, er sitzt – oder saß – in Hamburg fest. Da er zwar ein Handy hat, es aber nicht anschaltet, bin ich gerade noch etwas unsicher, aber nicht wirklich alarmiert. Auch im Urlaub wird das Wetter zum Gesprächs- und Gedankenthema Nummer Eins. Ich hatte Glück, aber die kurze Nachricht gestern, dass es in Kalifornien eine – wenn auch falsche – Erdbebenwarnung gab, hat mir dieses Glück noch Mal doppelt wertvoll gemacht. Wenn Erdbeben überhaupt „Wetter“ sind. Oder wie sagt man zu Naturkatastrophen? Und für das Wetter am nächsten Wochenende wird in vielen Haushalten schon gebetet: Meine Freundin feiert ihre Silberhochzeit in einem Garten. Wer will da schon im Regen stehen?

Der Modeschöpfer Karl Lagerfeld hasst Gespräche über das Wetter. Nick Cave, ich habe hier schon einmal darüber geschrieben, führte jahrelang ein Wettertagebuch. Ich bin wetterfühlig. Kaum ändern sich die Temperaturen um mehr als 10 °C, bekomme ich Migräne. Es gibt Ärtzt/innen, die solche Empfindlichkeiten als pure Fiktion abtun. Ich kann dazu nur sagen: Schmerzen sind Schmerzen. Dennoch liebe ich das Wetter. Ich verbringe viel Zeit damit, in den Himmel zu schauen, Prognosen zu versuchen (ich liege meistens falsch), das jeweilige Licht zu analysieren. Selbst der Winter, den ich nicht besonders mag (und von dem ich in jedem Sommer beklemmende Alpträume habe), bietet oft wunderschöne Himmel.

Wetter ist das Fluidum, in dem wir leben. Insofern ist es sicher kein Verlegenheitsthema für Small Talk. Dennoch reden wir oft nur sehr beiläufig davon. Schade eigentlich.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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