Noch mehr Törtchen

Ich wünschte, es wäre eine todsichere Angelegenheit, eine Regel sozusagen, die man nur einzuhalten brauche, um dicke Belohnung zu bekommen. Aber vielleicht ist trotzdem was dran: Mit Komplimenten-Törtchen loszugehen, und am Ende des Tages das dickste Törtchen selbst geschenkt zu bekommen. Pfff. Mal ein richtig toller Montag! Und eben – wie sagte meine Mama immer: „Wie man in den Wald ruft, so schallt es wieder heraus…“ Also los: mehr Törtchen backen! Und wild damit um sich schmeißen.

Verbales Törtchen

Komplimente tun gut. Soviel ist klar. Und im Grunde wissen wir das alle. Heute morgen gab es dazu im Netz auch noch einiges zu lesen. Dass Komplimente sogar den Blutdruck senken zum Beispiel. Und weil Morgen mal wieder Montag ist, dachte ich: wer jetzt ein oder zwei gute Komplimente einsteckt, mag zumindest ein oder zwei Leuchtraketen für den grauen Wochenbeginn dabei haben. Viel Erfolg!

11 Prozent sind zu viel

Dennoch werden vermutlich 11 % der Wähler/innen am 24. September die AfD wählen. Ich habe einen Kloß im Hals, sehr unangenehm, in meinen Träumen schreie ich, aber natürlich hört mich kein Schwein. Was läuft schief? Warum erreiche ich niemanden mit meinem Zorn, mit meiner Enttäuschung? Das kann doch alles nicht wahr sein? Das kann doch kein Mensch im gesammelten Ernst meinen? Wo um alles in der Welt sind diese Leute unterwegs? – Nein. Die Fragen sind falsch. Wo bin ich unterwegs? Und warum habe ich mich von „diesen“ Leuten abgewendet? Gut. Ich habe mein eigenes Päckchen zu tragen. Eltern, die sich – wenn auch als Kinder – für Hitler begeisterten, und erst entsetzlich allmählich von diesem Trip runterkamen. Alles, was sich nach deutscher Selbstbeweihräucherung auch nur im entferntesten anfühlt, ist für mich noch immer unerträglich. Aber warum höre ich Menschen nicht zu, die Angst vor der Zukunft haben. Die skeptisch gegenüber Europa sind, gegenüber Amerika, der NATO. Warum denke ich, mit „denen“ könne ich erst gar nicht reden? Weil – ja, weil ich wahrscheinlich verdammt überheblich bin. Doch, die Gänsehaut bekomme ich immer, wenn ich Töne aus dieser Richtung höre. Aber deswegen gleich wegrennen? 11 Prozent sind zu viel, als dass ich sie weiter übersehen könnte. Vielleicht lohnt es sich, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Vorfreude

Nee. Vor allem nicht auf den Winter. Aber als ich dieses Bild sah – und es war tatsächlich das erste, das ich aufschlug – wurde mir richtig warm ums Herz. Nick Cave ist also auch die Yorckstraße im Schnee rauf oder runter gelaufen mit dem Kuchen der ganzen Bäckerei über dem Kopf. Hätte ich das damals (und damit meine ich meine Studienzeit) gewusst! Ich wäre mir dort nicht so verloren vorgekommen in dem Matsch und der Winterdunkelheit. Denn auch, wenn die Yorckstraße ziemlich cool aussieht. Für den, der müde ist, ist sie endlos lang. Aber jetzt freue ich mich erst mal auf das Nick Cave-Buch von Reinhard Kleist „Mercy on me“, das gerade im Carlsen-Verlag erschienen ist. Eine Biografie, wie der Klappentext sagt und noch viel mehr von und über Cave. Aber wieso steht da, er habe Elisa Day nicht getötet?

Das Foto habe ich von/aus dem Rezensionsexemplar gemacht, das mir der Cornelsen-Verlag zugeschickt hat: Keine Sorge: Die Besprechung kommt noch…

Wissen und Sehen

Ich schreibe gerade einige Bildbeschreibungen für Sehbehinderte. Was für eine Herausforderung! Denn einerseits muss ich mir vorstellen, wie das, was ich da beschreibe, für jemanden klingt und sich dann im Kopf zusammensetzt, der nicht später doch noch mal schauen kann, wie ich das denn jetzt genau gemeint habe. Andererseits spüre ich Skrupel, Sehbehinderten dauern vorzubuchstabieren, was sie nicht können. Gäbe es, denke ich, etwas anderes als eine Beschreibung, etwas, das sie mehr interessieren könnte. Sollte ich besser versuchen, analoge taktile oder akustische Erfahrungen heranzuziehen? Eine Bildbeschreibung ist – so objektiv sie daherkommt – immer eine Deutung. Muss ich das nicht gerade dann besonders kenntlich machen, wenn mein Gegenüber das Gesagte nicht überprüfen kann. Oder gibt es sie, die sture Bildbeschreibung, die eben doch spannend ist. Auch für Menschen mit funktionierenden Augen?

Natürlich meint William Kentridge, von dem dieses „Bildzitat“ stammt, etwas viel Grundsätzlicheres. Und ich denke an die zahlreichen Momente, in denen ein einziger Blick angelerntes Wissen zur lebendigen Erfahrung macht.

Wählen

Weil ich am 24. September nicht in Berlin sein werde, habe ich mir die Wahlunterlagen nach Hause kommen lassen. In der Hauptstadt sind zwei Entscheidungen zu treffen, zur Bundestagswahl und zur Frage, ob der Flughafen Tegel weiterlaufen oder geschlossen werden soll. Ich fühle mich mit beiden Themen überfordert. Unendlich viele Fürs und Widers stehen sich entgegen, ich ertappe mich dabei, am liebsten kneifen zu wollen. Ich habe mir lustlos die amtliche Information zum Volksentscheid zum Flughafen durchgesehen und mir – immerhin – im Mietermagazin die Positionen der großen Parteien zu Wohnen und Städtebau in Berlin angeschaut. Ich habe mich durch den Wahl-O-Mat gezwängt und bei vielen dort gestellten Fragen gemerkt, dass ich nicht mal die Spur einer Ahnung habe, was es damit auf sich hat. Morgen werde ich mir im knallvollen Terminkalender zwei Stunden freischaufeln. Um nachzudenken. Wenigstens das. Fühlt es sich so an, wenn einem die Demokratie schon zu selbstverständlich geworden ist?

Poesie?

Die Frage steht aktuell bei Elisabeth Lindau als Blogbeitrag obenauf. Und sie hat mich ins Denken gebracht. Weil mir scheint, dass in dem Beitrag dort ein großes Gewicht auf Schönheit gelegt wird. Also, dass Poesie schön ist und möglicherweise die Realität aufwerten kann. Achtung! So habe ich das verstanden. Nicht, dass ich etwas gegen Schönheit hätte. Aber zu viel bringt mich schnell zum Überdruss (wie Gummibärchen). Vielleicht denke ich bei Poesie mehr an Überraschung.  Oder an Melancholie (was natürlich auch eine beliebte Gummibärchengeschmacksrichtung ist). Oder daran, ob die Wörterdichte auch – und wie – aussprechbar ist. Und vor allem an Einsamkeit. Weil Gedichte doch meist sehr alleine geschrieben und oft auch sehr alleine gelesen werden. Was ist also Poesie? Ein Blumengarten, ein Schrottplatz, ein Panorama, ein Staubkorn, ein Wimpernschlag? Was meint ihr?