11 Prozent sind zu viel

Dennoch werden vermutlich 11 % der Wähler/innen am 24. September die AfD wählen. Ich habe einen Kloß im Hals, sehr unangenehm, in meinen Träumen schreie ich, aber natürlich hört mich kein Schwein. Was läuft schief? Warum erreiche ich niemanden mit meinem Zorn, mit meiner Enttäuschung? Das kann doch alles nicht wahr sein? Das kann doch kein Mensch im gesammelten Ernst meinen? Wo um alles in der Welt sind diese Leute unterwegs? – Nein. Die Fragen sind falsch. Wo bin ich unterwegs? Und warum habe ich mich von „diesen“ Leuten abgewendet? Gut. Ich habe mein eigenes Päckchen zu tragen. Eltern, die sich – wenn auch als Kinder – für Hitler begeisterten, und erst entsetzlich allmählich von diesem Trip runterkamen. Alles, was sich nach deutscher Selbstbeweihräucherung auch nur im entferntesten anfühlt, ist für mich noch immer unerträglich. Aber warum höre ich Menschen nicht zu, die Angst vor der Zukunft haben. Die skeptisch gegenüber Europa sind, gegenüber Amerika, der NATO. Warum denke ich, mit „denen“ könne ich erst gar nicht reden? Weil – ja, weil ich wahrscheinlich verdammt überheblich bin. Doch, die Gänsehaut bekomme ich immer, wenn ich Töne aus dieser Richtung höre. Aber deswegen gleich wegrennen? 11 Prozent sind zu viel, als dass ich sie weiter übersehen könnte. Vielleicht lohnt es sich, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 10

    • Stephanie Jaeckel 3. September 2017

      Ich höre bei dieser Abschottung und dem Wunsch, starke Führer zu haben, wenig Anderssein zuzulassen, bei großem Stolz auf Gemeinschaft und Konformität, vor allem bei dem Hass auf Pressefreiheit immer Angst mitschwingen. Angst davor, dass das Eigene nicht automatisch das Richtige ist, weil alle es so machen. Angst davor, dass andere die gleichen Rechte haben wie ich, und mein Stück Kuchen davon kleiner werden könnte. Vor allem diese ungeheure Angst davor, dass es auf der Welt mehr gibt, als in Pusemuckel. Daraus entsteht dann ein Überlegenheitsgefühl, dass meines Erachtens nirgendwo hinführt. Oder eher: zu einer viel schnelleren Zerstörung der Welt, als so schon. Aber was vermutest Du?

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  1. Karo-Tina Aldente 16. September 2017

    Was mir Sorgen bereitet ist, dass es hier um Menschen geht, die den demokratischen Anstand, auch andere Meinungen zuzulassen, nur solange für sich reklamieren, bis sie irgendeine, wie auch immer geartete, Mehrheit zustande gebracht haben. Ab dann werden sie nur noch ihre Sichtweise gelten lassen.
    Desillusionierte Grüße aus dem Garten

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