Poesie?

Die Frage steht aktuell bei Elisabeth Lindau als Blogbeitrag obenauf. Und sie hat mich ins Denken gebracht. Weil mir scheint, dass in dem Beitrag dort ein großes Gewicht auf Schönheit gelegt wird. Also, dass Poesie schön ist und möglicherweise die Realität aufwerten kann. Achtung! So habe ich das verstanden. Nicht, dass ich etwas gegen Schönheit hätte. Aber zu viel bringt mich schnell zum Überdruss (wie Gummibärchen). Vielleicht denke ich bei Poesie mehr an Überraschung.  Oder an Melancholie (was natürlich auch eine beliebte Gummibärchengeschmacksrichtung ist). Oder daran, ob die Wörterdichte auch – und wie – aussprechbar ist. Und vor allem an Einsamkeit. Weil Gedichte doch meist sehr alleine geschrieben und oft auch sehr alleine gelesen werden. Was ist also Poesie? Ein Blumengarten, ein Schrottplatz, ein Panorama, ein Staubkorn, ein Wimpernschlag? Was meint ihr?

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 9

  1. Maren Wulf 28. August 2017

    Auf jeden Fall etwas, das eine Saite in dir zum Klingen bringt. Poesie hat für mich viel mit Melodie zu tun. Wohl auch deshalb lese ich (nicht nur Gedichte) gern laut. Aber die Melodie kann auch nur innen drin zu hören sein – beim Anblick einer Landschaft zum Beispiel. Schön? Schon, aber nicht unbedingt im klassischen Sinn. Eher ausdrucksvoll. Und sicher gehaltvoller als die Alben, in denen sie einstmals eingesperrt wurde.

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  2. Elisabeth Lindau 29. August 2017

    Das ist eine entzückende Idee, liebe Stephanie ! Ich freue mich schon auf weitere Kommentare.
    Poesie ist sicherlich etwas sehr Persönliches und Subjektives. Ja, sie hat viel mit Klang zu tun, mit Schwingungen und mit Harmonie (alles Begriffe aus der Musik). Insofern geht es schon eher um Schönheit als um das Gegenteil davon – in diesem einen Moment, in dem du Poesie wahrnimmst. Aber das Wichtigste ist das Staunen, das Innehalten und das individuelle Wahrnehmen: oh, da ist ja etwas ganz Besonderes. Ich denke, das kann auch ein Schrottplatz sein, wenn er dir plötzlich dieses Besondere (vielleicht ein Geheimnis) offenbart und du stehen bleiben musst. Ein verschrobener, schroffer Schrottplatz – doch, ja …Poesie ist nicht unbedingt lieblich und süß (wie Gummibärchen oder die Sorte Wein, die ich weniger mag), sie kann auch karg und rauh sein, aber auch dann hat sie eine besondere Intensität, konzentriert in einem Moment (Bordeaux eben – mein Geschmack) und ihre eigenwillige Schönheit.
    PS: Das Foto meiner „poetischen Schwimmnudel“ ist nun auch wieder sichtbar. Nicht direkt ein Bild fürs Poesie-Album, aber für mich etwas Spezielles.
    Beste Grüße
    Elisabeth

    Gefällt 2 Personen

    • Stephanie Jaeckel 29. August 2017

      Liebe Elisabeth, ich bin froh, dass Dir das gefällt. War ja nicht abgesprochen. Ja, intensiv, konzentriert, das ist eben Verdichtung im besten Sinn und ist absolut notwendig. Vision könnte es vielleicht manchmal auch treffen, wenn der Begriff nicht schon so religiös geprägt wäre. Dennoch fehlt mir noch der Moment des Schreckens/Erschreckens, der für mich bei Poesie auch dabei ist. Das reicht von: „oh, so habe ich das ja noch nie gesehen, gehört, gedacht“ bis zu „auweia“. Gedichte waren ja – zumindest früher – auch mal zum Auswendiglernen gedacht. Eventuell als eine Art Wissensschatz für Momente, in denen man mit seinem Alltagswissen nicht weiterkommt.

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  3. Elisabeth Lindau 29. August 2017

    Ich finde es auch sehr schön, dass mir WordPress gleich deinen älteren Beitrag „Der Fisch ist die Sphinx der Katze“ zum Lesen anbietet. Dort finde ich das Beitragsfoto durchaus poetisch, obwohl ich keine Ahnung habe, was abgebildet ist. Vielleicht auch gerade deshalb (Stichwort „Geheimnis“).
    Die Vorstellung, einen Gedanken „herauszuputzen“, spricht mich weniger an. Dieser Vorgehensweise bedienen sich wohl eher Politiker – und die wenig poetischen Ergebnisse kennen wir ja.

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      • Elisabeth Lindau 29. August 2017

        … ah, ja – wer hätte das gedacht ?!
        Ich nehme das zum Anlass, zu ergänzen: ein spielerisches Element gehört für mich auch zur Poesie, oft ein Spiel mit der Mehrdeutigkeit (der Klang von Worten einerseits, ihre Bedeutung andererseits).
        Auweia-Poesie ist dann wohl im Versuch stecken geblieben – sie gibt uns immerhin die Möglichkeit, den tief empfundenen Schmerz unmittelbar in Heiterkeit aufzulösen. Dafür lieben wir ja unsere Sprache. Bekannt (und lächerlich gemacht) wurde in dieser speziellen Disziplin Friederike Kempner, der „schlesische Schwan“.

        Da ich diese Diskussion unbeabsichtigt angestoßen habe, erlaube ich mir, hier doch noch meinen Beitrag zur „poetischen Schwimmnudel“ zu verlinken: https://elisabethlindaublog.wordpress.com/2017/08/27/was-ist-poesie-12-dezember-2016/?wref=tp
        Anlass für meine kleine Spielerei war die Tatsache, dass ich eine Schwimmnudel eigentlich extrem „prosaisch“ finde. Ich mag auch überhaupt nicht das Material. Und dann – nach dem Film „Paterson“ – habe ich sie plötzlich mit anderen Augen gesehen. Auf ihre Weise hat es mir die Schwimmnudel sogar noch „gedankt“. Was will man mehr ?
        Weiterhin viele poetische Momente (ohne „auweia“) wünscht
        Elisabeth

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  4. papiertänzerin 29. August 2017

    Poesie hat für mich mit Unerwartetem zu tun, mit Irritation, dem Dazwischen. Poesie wirft einen anderen, neuen, ungewohnten Blick auf die Welt (die wir zu kennen meinen). Annette Rhiner, Künstlerin aus der Schweiz, nennt eine Definition von Alltagspoesie, die mir gefällt: „Wenn du ein bisschen in Schräglage gehst und dann die Welt anschaust.“ Poesie kann Schönheit sein, muss aber nicht. Für mich ist sie vor allem leise. Ja, Klang. Und Hoffnung. Weil sie dem Unsagbaren eine Stimme gibt.

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