Das wäre was. Dabei ist es immer dasselbe Desaster. Wenn ich tagsüber (zu) viel vertexte, passiert es nämlich tatsächlich, dass ich nachts weiterschreibe. Aber wehe! das geht meistens schief. Denn irgendwann nehme ich fast immer einen Abzweig, von dem mein schlafendes, oder noch halb waches Ich denkt: Autsch, völlig falsch! Und dann schreibe ich weiter und im Kopf fahren Gedanken Karussell und ich kann mich nicht erinnern, wie es nun falsch oder richtig ist. Werde ich wach, laufe ich immer wieder zum Schreibtisch, um mich zu vergewissern. Meistens ist alles gut. Oder zumindest nicht in der nächtlichen Unordnung. Dabei wäre es toll, im Schlaf weiterschreiben zu können. Immerhin mache ich im Traum auch die besten Fotos. Dass ich sie nicht in den Tag mitnehmen kann? Vielleicht hilft es manchmal einfach dabei, Tage nicht so ernst zu nehmen.
Kreisbewegung
Vorgestern dachte ich, dass ich die Hoffnung aufgegeben habe. Zu viel Schweigen ertrage ich nach wie vor nicht gut. Obwohl ich weiß, wie unterschiedlich Frequenzen sein können. Es fühlte sich wie eine Niederlage an. Ich habe weiter gearbeitet. Heute denke ich, vielleicht muss man manchmal bis zur Niederlage durchhalten, um ein Happy End zu bekommen. Kapitulieren, um überhaupt wieder offen für eine neue Chance zu sein. Ich bin bereit für die nächste Runde.
hören und sehen vergehen
Zu viele Farben, zu viel Bewegung, die Augen nicht mehr schließen können, weil Träume nahtlos anschließen an die heran prasselnden Bilder. Geschwindigkeit von außen und innen, wenn das Herz nicht aufhört zu rasen oder Zeit explodiert, weil Gleichzeitigkeit in Wahrheit der Sprung durch die Zeit ist, und wir eins, keins und verbunden für immer, Kreise und Dreiecke in dauerndem Wechsel, ein Spiel, ein Rennen, ein Schweben, ein Sehnen. Dreh Dich bloß nicht um. Und heute auch noch die schöne CD von This Is The Kit gehört: Moonshine Freeze.
Warp factor 8
Am Ende ist es immer wieder die Frage nach der Zeit. Als ob man je genug hätte. Aber warum eigentlich nicht? In der Vermeer-Schmonzette „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ (doch, habe ich mit Vergnügen gesehen), sagt Vermeer zu dem neuen Dienstmädchen, es könne doch seine Farben mischen. Das Mädchen möchte nur zu gerne. Denn die Farben und alles, was Malerei betrifft, faszinieren es. Nicht zuletzt, alles was Vermeer betrifft in der Gestalt von Mr. Darcy, der in einem weiteren Leben Colin Firth heißt… Aber sie sagt, dazu habe sie wirklich keine Zeit. Und wir glauben ihr, denn dauernd wird sie bei ziemlich anstrengender und vor allem zeitraubender Hausarbeit gezeigt. „Make time“ sagt Mr. Darcy, äh, Colin Firth, und schaut ihr dabei tief in die Augen. Natürlich rührt sie die Farben an. Und wir wissen, obwohl wir nicht ganz kapieren, wie sie das schafft, dass es möglich ist.
Dinge zu tun, hat nicht nur mit genug Zeit zu tun. Denn Dinge brauchen nicht immer dieselbe Zeit. Man kann sie manchmal beschleunigen. Geschenkt. Nicht mal die Enterprise fliegt ständig im Warp-Modus. Aber sie kann hin und wieder über die Maßen beschleunigen. Und tut es auch. Ich denke, das ist eines der nicht genau planbaren Geheimnisse des Zeit-Managements. Wenn ich etwas tun will/muss, dann tue ich es eben. Auch, wenn in meinem Leben, wie in allen anderen auch, der Tag 24 Stunden hat. Ich kann das längst nicht immer. Und es gibt leider Tage, an denen der Tank leer ist. Und ich liegen bleibe. Und? Das ist mein Plädoyer für mehr Geschwindigkeit. Denn ich habe den komischen Verdacht, dass Hamsterräder auch durch zu gleichmäßiges Fahren entstehen.
Vorurteile
Ich war heute in Dresden. Und habe dort eine Lektion gelernt. Gleich auf dem dicken Einkaufsboulevard ging es los. Überall AfD Plakate. Eins nach dem anderem. Alle hirnrissig und dann noch irgendwas mit trau‘ dich Deutschland oder so, dass ich diese Ofenhocker gut und gerne sofort in der Hölle wüsste. Zugegeben, auch Plakate von den Kommunisten. Und hier und da die Linke. Jaja, dachte ich, Dresden. Am Mittag ging es zum Eisessen ins Café. Dort dann gleich diese „typische“ Ost-Bedienung. Kommt nicht, wenn sie kommt, sagt sie, sie müsse jetzt erst noch mal weg und kommt dann wieder nicht. Und dann kommt sie und sagt, nein, das macht jetzt mein Kollege und dann kommt sie irgendwann doch, ach doch nicht mein Kollege (15 von 30 freien Minuten sind da schon um), dann kommt erst mal Besteck, dann zwei Getränke und ein Essen. Und natürlich müssen wir am Ende nach der Bedienung suchen, damit wir bezahlen können und warten und wieder warten. Pffff. Gleichzeitig sehe ich viele Gäste aus dem Ausland durch die Stadt laufen. Alles soweit schön. Wie in Berlin. Und plötzlich bleibt mir dann doch die Spucke weg. Bin ich nicht diejenige, die hier nach Vorurteilen Ausschau hält?
Kurz vor der Rückfahrt war ich in einem Supermarkt. Vor mir stand ein Junge, höchstens 12 und sagte zu seiner Mutter, dass es hier in Dresden ja so viele Fremde gebe. Da sei es zu Hause doch besser. Autsch. Dem Kind hätte ich gerne sofort feste in die Hacken getreten. Denn auch, wenn ich mich selbst gerade beim vorverurteilen ertappt hatte, diese Engstirnigkeit ist leider eben doch da (und woanders). Wir haben echt eine Menge zu tun. Alle miteinander.
Enge
An manchen Tagen hat man wenig Spielraum. Oder das Gefühl, von allen Seiten bedrängt zu werden. Wer frei sein will, muss mit Widerstand rechnen. Und Enge aushalten. Es wird schon wieder einen Ausgang geben. Denke ich und dann sehe ich so ein kleines Unkraut an der Hauswand mit leuchtend gelben Köpfchen (wo ich meinen doch gerade hängen lassen will). Alles klar?
Open your heart
Doch, ehrlich. Das geht mir schon die ganze Zeit durch den Kopf: Ich wünsche mir ein Wunder. Und, warum nicht – ein blaues!
Über Ausstellungen nachdenken
Oft genug fühle ich mich eingesperrt, kaum dass ich drin bin. Am schlimmsten ist es, wenn gepflegte Dunkelheit herrscht. Ich weiß. Viele Exponate hassen Licht. Aber dieses geheimnisvolle Aufleuchten der Exponate. Nö. Muss nicht. Vor allem nicht in Kombination mit Geräuschen, Musiken und was sonst noch seit Neustem akustisch in die Ausstellungsarena geschickt wird. Ich fühle mich gegängelt. Gut. Jajaja. Wir wollen nicht gegen den Strom schwimmen, weil viele andere auch unterwegs sind. Und die Kurator/innen haben sich oft was gedacht. Aber ich möchte hier und da auch was denken. Warum bleibt mir oft so wenig Platz? Schließlich bezahle ich (oft eine Menge) Eintritt. Ich schätze Helligkeit, Übersicht und Stille. Ich bin doch nicht in einer Achterbahn! O.K. Ich bin eine alte Schachtel. Vielleicht wollen andere was anderes. Aber gäbe es nicht Möglichkeiten, für alle möglichen Wünsche mehr Platz zu lassen? Ist es wirklich nötig, gerade Sonderausstellungen in immer engere Parcours zu zwängen. Ich denke nicht. Ideen?
Stroh im Kopf
Seit ein paar Monaten versuche ich, großen Arbeitsstress zu akzeptieren. Mir bleibt nicht viel anderes übrig, die Amerika-Reise war teuer und Schreiben ist nicht gerade eine Tätigkeit, mit der man reich wird. Also nehme ich mehr Aufträge an als sonst. Die Idee: Den Stress, der dabei „normalerweise“ entsteht, konsequent zu ignorieren. Also Überlastung als Normal-Null zu begreifen. Es ist ein Experiment. Und es ist eine Notwendigkeit. Ich merke: Es geht. Aber mich nicht stressen zu lassen, ist ganz schön schwierig. Und hoffentlich ein Anfangsphänomen. Es macht mich auch etwas ratlos. Denn so viel mehr Geld kommt bei alledem nicht raus und ich habe das Gefühl, einen großen Teil der letzten Wochen gar nicht mitbekommen zu haben. Was mir richtig dabei erscheint: Stress als weitgehend selbstgemacht zu begreifen. Oder auch: Das Chaos, das dadurch entsteht, auszuhalten. Wenn ich nicht dauernd frage, wer was schon wieder verdaddelt hat oder wie ich das jetzt bitte schaffen soll, ist schon viel gewonnen. Es scheint auch so zu sein, dass ich weniger darüber nachdenke, ob ich etwas kann oder nicht, oder nicht so gut oder vielleicht doch ganz sensationell. Was immerhin den Vorteil hat, weniger angreifbar zu sein. Im Kopf ist zudem ein Strohstrudel. Komischerweise nicht mal das schlechteste Gefühl.
Stille
Gleichzeitig das Gefühl, dass wir in Europa zusammengehören.








