Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Zwischen den Jahren

Abtauchen. Einmal im Jahr. Ohne Krankheit oder Urlaub. Tief gehen. Auf den Grund. Für mich sein. Schweben. Meinetwegen „leer schreiben“, wie „Wildgans“ das in ihrem Blog formuliert hat. Oder – wie ich das gestern gemacht habe – anderen beim Schreiben zuhören. jaja. Was man da alles so über die Schreibenden erfährt! Warum mache ich das […]

Abschied nehmen

Frauen altern anders als Männer. Schneller, möchte man vorschnell rufen, aber die Sache verhält sich anders. Was wir Wechseljahre nennen, ist tatsächlich eine Art Kippschalter, mit dem Frauen von jung zu alt wechseln, allein wegen der Möglichkeit und darauf folgenden Unmöglichkeit, Kinder zu bekommen. Die Wechseljahre sind ein gefürchtetes Alter. Sie beenden einen Zustand, den […]

Stille

Das Wunder der Menschwerdung geschieht nachts. Heimlich. Dass wir dazu übergegangen sind, ausgerechnet auf diesen Heiligen Abend, der Stillen Nacht, die große Tafel samt Geschenkeschlacht zu verlegen, ist im Grunde keine gute Idee. Die christliche Botschaft lautet: Liebe. Oder, um es deutlicher zu formulieren: Liebe erst ermöglicht den Menschen. Liebe nicht als großes Verliebtsein, als […]

Selbstermächtigung

Wieder ein Jahr, das fast vorbei ist. Älterwerden hat längst für mich einen neuen Beigeschmack. Wie wenn man weniger in der Welt anhaftet (je älter man wird), sondern sich wieder ablöst. Nicht, dass ich schon auf gepackten Koffern säße. Aber die Abschiede werden häufiger. Anhaften, in der Welt ankommen, hatte für mich auch immer den […]

Schön schreiben

Die aktuelle Spiegel-Affäre um gefälschte Reportagen geht mir nah. Ich bin keine Reporterin. Ich verliere zu schnell die Fäden. Ich habe zu wenig Biss. Ich kriege die Sachen oft nicht zusammen. Meine Geschichten werden nicht rund. Oder sie bleiben zu unspektakulär, um überhaupt recherchiert zu werden. Nicht mein Fall. Dennoch kenne auch ich diesen Sog […]

Besinnlichkeit anschalten

Nein. So geht es natürlich nicht. Aber wer jetzt nicht allmählich runter schaltet, schießt vermutlich im Affenzahn an Heilig Abend vorbei. Gefeiert wird nicht weniger als die Erinnerung an ein Wunder. Ein Wunder, das mit jeder Geburt aufs Neue wahr wird. Insofern haben wir alle etwas zu bedenken, erinnern, oder zum drüber freuen. Es geht […]

Bigger than life

Gerade geht die Nachricht durchs Netz und durchs Radio, dass ein Spiegel-Reporter zahlreiche Artikel gefälscht hat. Peinlich, wenn solche Fälle erst nach längerer Zeit aufgedeckt werden, noch peinlicher, wenn gerade ein Preis vergeben wurde. Andererseits. Und hier hole ich erst noch mal tief Luft. Journalist/innen sind verpflichtet, sauber zu recherchieren und ebenso sauber zu berichten. […]

Alte Freundschaft auf neu

Kürzlich ist mir das schon aufgefallen (und, jaja, ich brauche für Nachfliegendes (=der Rechner!!!) N-a-h-e-l-i-e-g-e-n-d-e-s oft echt lange): Wie wir in Freundschaften Positionen festlegen, in denen wir uns über Jahre, Jahrzehnte begegnen.  Wahrscheinlich ist das auch ein Teil des Geborgenheitsgefühl. Wer alte Freundschaften pflegt, hat manchmal das Gefühl, Geschwister zu haben – zumindest geht es […]

Nature writing,

der Begriff war mir bis vor kurzem unbekannt. Ulrike Draesner widmet dem „Schreiben nach der Natur“ wie sie es (auch) übersetzt, ihr letztes Kapitel der Frankfurter Poetik-Vorlesung, die unter dem Titel „Grammatik der Gespenster“ Anfang des Jahres bei Reclam erschien. Sie macht es dort über den Umweg des Life writing als Möglichkeit aus, über Lebendiges […]

Beethoven, stupid!

Antwort auf die Frage, welches Stück denn nun das Zeitgenössische war. – Nein, so ist es natürlich nicht zu verstehen, und wenn ich ehrlich bin: Heute kriege ich das auch nicht mehr wirklich nachvollziehbar auf die Reihe. Dafür habe ich jedoch gesehen, dass Albrecht Selge gestern auch im Berliner Kammermusiksaal war, um das sensationelle Konzert, […]