Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Andere froh machen

Sich das vorzunehmen, hat oft verheerende Folgen. Dennoch – könnte ich mir diesen Auftrag nicht öfter auf die „To Do“-Liste schreiben? Als Kind, und daran erinnere ich mich noch gut, gehörte das zu den täglichen Aufgaben. Allerdings, wie ich damals schon vermutete, (wahrscheinlich) nur für Mädchen. Mir kam die Aufgabe albern vor. Unnütz. Und mal […]

Berliner Begegnungszonen

Man mag es kaum glauben. Aber Begegnung scheint dem Bezirk wichtig. Wir sprechen von Kreuzberg, damit kein Missverständnis aufkommt. Die Bergmannstraße ist eng. Jahrzehntelang lag sie im Schatten der Mauer. Selten, dass Autos vorbeikamen, Lieferfahrzeuge schon, Anwohner. Ansonsten führte es hier nicht mehr weit. Dass der Bergmannkiez nach dem Fall der Mauer zu einem Trendbezirk […]

Jahrestage

Übernächste Woche ist es drei Jahre her, dass meine Mutter gestorben ist. Bislang hatte ich immer ihren Geburtstag als Anlass genommen, nach Hause ins Rheinland zu fahren. Dieses Mal habe ich mich für diesen Tag entschieden, und merke, dass es einen Unterschied macht. Das Leben vom Tod her betrachten, einen Menschen von seinem Ende her […]

Alltag ist ein Straßentier

Wie oft wohl bin ich in meinem Leben schon einkaufen gegangen? Einkaufen von Lebensmitteln + Putzzeug, um genauer zu sein. Diese Art von Alltagstätigkeit ist für mich nicht die Schlimmste: Immerhin kommt man mal raus und wenns gut läuft, ist auch irgendeine Belohnung drin (am Wochenende aber eher mal eine Schlange…). Wenn es geht, erledige […]

Einzelkind sein

Fluch oder Segen? Die Zuschreibungen und Vorurteile kennen kaum Grenzen. Obwohl ich selten direkt angegangen worden wäre: Dass ich ein Einzelkind bin, hat mich für manche wahrscheinlich von vornherein suspekt gemacht. Gemein, weil sich kein Kind gegen Geschwister entscheidet. Es kommen nur keine. Ob Kinder insgeheim wünschen, dass keine kommen, ist eine andere Geschichte. Ich […]

Reminder:

Wir haben Karneval! Hoch die Tassen! Und ja, man kann auch unverkleidet mal ganz grundlos laut loslachen. Einen schönen Tag!

Ins Gespräch kommen

Wann habe ich das letzte mal mit jemandem gesprochen, den ich nicht kenne? – Das ist gar nicht so lange her, sechs Stunden vielleicht, an der Supermarkt-Kasse, als hinter mir jemand laut „Mist“ sagte, ich mich umdrehte, und fragte, ob er was vergessen habe. „Ja, das kommt vor, wird schon gehen“, antwortete der Mann, lachte […]

Alltag, Alltag, Alltag

Seit ich mir vor fünf Jahren eine Kamera gekauft habe, trage ich sie täglich bei mir, wenn ich die üblichen Wege gehe – denn die Kamera mitnehmen, nur wenn man in Ferien fährt oder ins Wochenende war nie so mein Ding. Natürlich ist schon alles „abfotografiert“ – würde alles, was ich je auf meinem Weg […]

Blonde Poison: Das Leben der Stella Goldschlag

Die Aufregung um das Buch „Stella“ von Takis Würger ist noch gar nicht so lange her. Im Kern ging es um die Frage, wie man über den Holocaust einen Roman schreiben kann. Fiktion und historische Gegebenheiten miteinander zu mischen, ist heikel. Weil die Frage nach dem Warum laut dröhnend im Raum steht: Warum hält ein […]

Musikgeschmack

Es ist kein Zufall – und wahrscheinlich auch viel weniger individuell – was wir hören oder genauer, welche Musik uns gefällt. Schon in den 1980er und 1990er Jahren erforschte Pierre Bourdieu unsere Musikvorlieben darauf, wie wir uns über sie definieren oder andersherum, wie Musikgeschmack im sozialen Miteinander Grenzen definiert, beziehungsweise Gemeinsamkeiten herstellt. Wenn ich zurückdenke, […]