Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Sightseeing in Kassel

Es war anders als die letzten Male. Nicht mal schlecht. Das Sommerwetter spielte mit: schauen, essen abhängen. Selbst die Häßlichkeit Kassels hatte ihre Momente. Vielleicht spielte es auch eine Rolle, dass ich nicht alleine dorthin gereist war. Ich hatte zumindest nicht diese plötzlichen Momente der Verwirrung mit der immer gleichen Frage: „Was mache ich eigentlich […]

Und wenn er kommt, dann laufen wir

Das Thema Flucht geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Es ist, als wenn ich einen Schlüssel in der Hand halte. Ich kenne ihn, weiß aber beim besten Willen nicht, wo das passende Schloss ist. Es ist komisch zu denken, dass ich ein Mensch auf der Flucht bin. Fast schon lächerlich angesichts aller Menschen, die […]

Gesund werden

kann auch schon mal ziemlich lange dauern. Das passt so gar nicht in unsere schnelllebige Zeit. Und verlangt einem eine dicke Portion Geduld ab. Mir geht es langsam besser. Heute gehe ich zur Ärztin und hoffe, dass sie mir sagen kann, dass ich ganz bald (vielleicht schon Ende der Woche) wieder gesund bin. Bis dahin […]

Gestört sein

Meine Eltern waren als Kinder, bzw. Teenager im Zweiten Weltkrieg auf der Flucht. Meine Mutter kehrte beim Vorankommen der russischen Soldaten im Osten des Landes mit dem großen Flüchtlingsstrom zurück ins Rheinland. Mein Vater desertierte als Flugschüler des Regimes mit seinem unglaublich mutigen und klugen Lehrer aus Leipzig über Ungarn und Österreich ebenfalls zurück nach […]

Am Ende,

und als es dunkel wurde, habe ich mich doch getraut: Eine Runde schwimmen, während die Partygäste an ihren von Kerzen beleuchteten Tischen saßen und von mir beim besten Willen keine Notiz nahmen. Trotzdem: ich war die einzige Erwachsene, die sich getraut hat. Die Kinder hatten natürlich überhaupt keine Bedenken (und zum Glück). Happy End? Ja. […]

Marionette sein

Freiheit geht anders: Ich schäme mich. Mal wieder für meinen Körper. Der alt wird. Was denn sonst? Am Wochenende ist Party. Man könnte da jetzt auch in den Pool. Aber die Vorstellung, vor geladenen Gästen zu baden: Auweia! Schwimmbad geht. Aber Gäste? Geht gar nicht! Das muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen… […]

Was machen wir zusammen?

Reden natürlich, essen, tanzen, Sport, Ausflüge. Das fällt mir als Erstes ein, wenn ich an Dinge denke, die ich mit Freund*innen mache. Reisen, wenn man enger befreundet ist, ins Kino gehen, ins Theater, ins Konzert. Alles schön. Dennoch denke ich manchmal: zu wenig. Warum? Weil vieles von dem mit Konsum zu tun hat. Und kein […]

Die Wahrheit gibt es nicht

Aber Wahrheiten, die seit Menschengedenken überliefert werden. Wer in Berlin ist, sollte sich unbedingt die Ausstellung „Songlines – tracking the Seven Sisters“ im Humboldt-Forum anschauen, die bis zum 30. Oktober gezeigt wird. Denn da gehen einem so einige Lichter auf… Die Songline der Sieben Schwestern ist eine von vielen Erzählungen, die in Australien seit Jahrtausenden […]

Beste Freundinnen

Simone de Beauvoir? Ich dachte, ich wäre fertig mit ihr. Eine wichtige Lektüre während der Studienzeit, gewiss. Ich habe Romanistik studiert und ja, natürlich wollte ich mir meinen Platz im Leben erobern. Als Frau. Da war Simone eine wichtige Stimme. Die mir vor allem anderen von Dingen erzählte, die um mich herum Gang und Gäbe […]

Wenn schon,

dann richtig. Jedes Kind weiß doch, dass Mona eine italienische Lady ist, und landestypische Pasta allem anderen vorzieht! Lasagne wäre das Wurfgeschoss der Wahl gewesen. Aber wer achtet denn heute noch auf die Wünsche anderer… Das Bild habe ich 2019 im New Yorker Central Park bei einem Straßenverkäufer erstanden. Er wies ganz stolz darauf hin, […]