Und wenn er kommt, dann laufen wir

Das Thema Flucht geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Es ist, als wenn ich einen Schlüssel in der Hand halte. Ich kenne ihn, weiß aber beim besten Willen nicht, wo das passende Schloss ist. Es ist komisch zu denken, dass ich ein Mensch auf der Flucht bin. Fast schon lächerlich angesichts aller Menschen, die Todesangst erleben, weil sie aus ihrer Heimat in Länder fliehen, in denen sie nicht erwünscht sind. Warum bergen wir uns nicht, geben uns Heimat. Angesichts der viel größeren Gefahren, die wir – einerseits selbst verursachen, andererseits – nun ja, leben ist nun mal – wie es so launisch heißt – lebensgefährlich. Und unser Planet quasi nur eine Nussschale im Universum. Vielleicht ist Flucht allerdings auch ein Teil jeglichen Lebens. Wenn wir uns anschauen, wie gefährlich Tiere leben, dann haben wir vielleicht auch eine falsche Idee von Sicherheit, die uns zusteht.

Und wenn er kommt, dann laufen wir. Manchmal ist die Angst übermächtig. Fast alle Nächte verbringe ich im Niemandsland einer endlosen Odyssee. „Normale“ Träume von Menschen, die ich kenne, oder von Erlebnissen des Tages kommen nicht vor. Die brennenden Städte aus den Albträumen meiner Kindheit erinnere ich wie reale Erlebnisse. Ich weiß, wie privilegiert mein Leben ist. Dennoch denke ich, Dass diese ständige Flucht echt ist. Dass sie zu „knacken“ ist. Nicht nur für mich, sondern für meine und die nachfolgenden Generationen. Ob man etwas aus der Geschichte lernen kann, bezweifele ich mittlerweile. Aber vielleicht kann man Erfahrungen weitergeben. Ich werde weiter nach dem Schloss suchen.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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