Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Sternenfunkeln

Von wegen! Gestern Abend hatte ich alles noch weggenickt: Mars, Venus und Jupiter in ungewöhnlicher Konstellation, morgens um fünf? Ohne mich. Morgens um fünf schlafe ich. Da kann noch so eine Planetenkonstellation vorbeikommen. Hab‘ ich dann ja sowieso beim Kaffee in einem Online-Magazin in Großaufnahme. Aber dann: Es war noch stockdunkel draußen (was auch sonst…). […]

Tanizaki Jun’ichirō: Lob des Schattens

Für die Menschen in Japan werden Europäer wohl immer mit den Errungenschaften der Moderne in historischer Erinnerung bleiben, als die Überbringer des elektrischen Lichts, der glänzenden Oberflächen und der gnadenlosen Sauberkeit. Weiße im durchgängigsten Sinn des Wortes, die mit ihrer schattenlosen Haut und den hypermodernen Einrichtungen die Asiaten das Fürchten lehrten. Und sie dennoch zur […]

Es wird wieder Nacht –

so kommt es mir jedenfalls immer vor, wenn im Oktober die Zeitumstellung ansteht. Noch früher dunkel als nötig – und überhaupt: wer hat den Winter noch mal erfunden? Doch dieses Mal will ich nicht gleich den Kopf in den Schnee stecken, sondern genauer hinschauen. Was hat es denn auf sich mit der Dunkelheit? Hebt sie, […]

Sich zeigen

ohne sich gleich darzustellen, ist ein schmaler Grat. Was ist (mir) wichtig, was ist privat, was kann, was muss ich sagen oder zur Geltung bringen, um mich auszudrücken und um mir Gehör zu verschaffen? Ich habe viele Jahrzehnte gedacht, man würde mir schon ansehen, was ich denke, fühle, meine. Von wegen! So wie ich mir […]

Herbstklunker

Also, das ganze Sommergrün ist nun wirklich nur ein Klacks gegen das hier: Volle Kanne Herbstfarben! Und dann diese zauberhaften Blattlöffel mit den wie ungeschliffene Diamanten eingepasste Wasserflecken. Schöner als jedes Design. Nur leider nicht so haltbar. Was soll ich sagen? Was graue Nieselhimmel so hergeben!

Perfektion versus – ?

Erstaunlich, denke ich in letzter Zeit öfters, dieser Drang meiner Generation, keine Fehler zu machen. Das scheint mir fast vergleichbar wie die Angst der 50er und 60er Jahre vor Mikroben und Bazillen. Auweia! Ein Fehler – da könnte ja, da wäre, was würden die anderen…, wie komme ich da wieder raus … Hilfe! Dabei. Fehler […]

Sag‘, wie hältst Du’s mit der Kunst?

Sicher keine neue Gretchenfrage, aber eine, mit der ich mich gelegentlich rumschlagen. Wie jede gute Frage taucht sie immer wieder auf, im eigenen Leben, aber auch in meiner Arbeit als Kunsthistorikerin. Tatsächlich bin ich gespalten. Auf der einen Seite gefallen mir viele der neuen Museumsbauten. Wie Paläste sind sie gebaut, aus edelsten Materialien mit riesigen […]

Wie klingt ein Traum?

Jetzt habe ich den Salat: da wollte ich ein Schlaflied basteln, mit dem Audioschnittprogramm, an dem ich seit knapp einem Jahr lerne, aber Schlaflieder sind gar nicht so einfach. Ohne Melodie geht da gar nix und die muss auch noch gut klingen. Nix für mich. Außerdem fallen mir immer nur Schlaflieder ein, die es schon […]

Kaum bohren die Sonnenstrahlen

wieder Löcher in die gefiederten Wolken, brennen die Bäume noch einmal lichterloh, wie letzte Grüße des Sommers, die der graue Niesel mit herbstlichem Eifer ertränken wird, morgen, übermorgen, die ganze nächste Woche. Zieh‘ Dich warm an, und vergiss‘ den Bademeister bis zum nächsten Jahr.