Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

In der Zwischenzeit überlege ich mir das Motiv

Die westliche Malerei hat sich technisch immer weiter entwickelt. So konnten Farben ab dem 19. Jahrhundert vorproduziert und in Tuben quasi malfertig abgefüllt werden. Leinwände wurden ebenfalls mit der Industrialisierung normiert und fertig zum Verkauf angeboten. Die Fotografie trat in Konkurrenz mit gemalten Bildern, bewegte Bilder, Filme schließlich, folgten rasch. Bis heute geschieht es selten, […]

Sehen lernen

gehört bis heute zum Curriculum von Kunsthistoriker/innen. Ich komme darauf, weil ich mich nach wie vor mit Johann Winckelmann beschäftige, der im 18. Jahrhundert die Kunstgeschichte als Wissenschaft mit aus der Taufe hob und gerade Sehen zur wichtigsten Voraussetzung machte. Winckelmann als Kind aus einfachsten Verhältnissen. Was gerne betont wird. Winckelmann als Selfmademan, der die […]

Rechtzeitig „Ja“ sagen

In vielen Ratgebern ist zu lesen, man solle rechtzeitig „Nein“ sagen, weil die vielen „Ja.s“ zu häufig in Überforderung enden. Dagegen ist nichts. Aber: Rechtzeitig „Ja“ sagen heißt auch, das Abwägen über Bord werfen. Zeit machen. Sich überraschen lassen. Die letzten Wochen habe ich mich fürs mehr oder weniger kopflose „ja“ entschieden. Es war aufregend. […]

Augen öffnen,

und natürlich auch immer wieder: Atem anhalten. Kunst kann einem derart den Horizont aufreißen. Manchmal bin ich platt, dass es immer und immer wieder funktioniert. Auch wenn man sich wie ich seit Jahrzehnten mit Kunst abgibt. Und – wenn ich ehrlich bin – die zwischengeschobenen Ausstellungsbesuche, die, die man schnell vom Bahnhof aus erledigt, bevor […]

Gerlind Reinshagen: Atem anhalten

Gedichte hat sie nie veröffentlicht. Dafür aber hin und wieder welche geschrieben. Gerlind Reinshagen wird im Mai 92 Jahre alt und ist, wie sie gestern im Buchhändlerkeller verraten hat, seit kurzem in einem Heim. Es sei spannend dort, so viele interessante Leute, aber zum Schreiben komme sie jetzt nicht mehr. Man glaubt ihr beides, wie […]

Weiterfragen

Wahrscheinlich werden wir als Menschen wirklich alt, wenn wir aufhören, Fragen zu stellen. Was etwas ist. Oder sein könnte. Wozu, warum, weshalb? Wo vor allem oder woher? Warum habe ich mich das noch nie gefragt – geht mir manchmal durch den Sinn. Oder am Wochenende, das ich mit Freundinnen verbracht habe: Wieso wusste ich das […]

Stille

Ich lebe gerne in der Großstadt. Aber solche Sonnenaufgänge gibt es nur auf dem Land. Momente, sich groß zu fühlen. Und ganz allein auf der Welt.

Gutenachtgeschichte

Ihr müsst schon ein bisschen näher ranrücken, alte Teddys brummen nicht mehr ganz so laut. Aber alle haben ein paar tolle Geschichten auf Lager. Mit denen sie auch hartnäckige Fälle in den Schlaf bringen. Hört mal!

So schnell kann es gehen

Gestern noch kam mein Freund Carsten außer Atem bei mir an: fast wäre er von einem Auto überfahren worden. Ein Schreck, den ich fast körperlich spürte, so als wäre zwischen seiner Anwesenheit und seinem Verschwinden tatsächlich nur ein Hauch. Und als könne er sich in Luft auflösen, wenn ich mir den Unfall auch nur vorzustellen […]

Enttäuschungen wegstecken

Für freie Autor/innen bleiben sie natürlich nicht aus: die Enttäuschungen. Wir bieten unsere Ideen an, passen sie auf alle möglichen Formate (oder entwickeln diese gleich mit), recherchieren, erkunden, geben Wissen preis – und werden am Ende abgelehnt. Dabei geht es nicht um die Härte, tage-, manchmal wochenlang an einem Vorschlag zu arbeiten, der auf keinerlei […]