Enttäuschungen wegstecken

Für freie Autor/innen bleiben sie natürlich nicht aus: die Enttäuschungen. Wir bieten unsere Ideen an, passen sie auf alle möglichen Formate (oder entwickeln diese gleich mit), recherchieren, erkunden, geben Wissen preis – und werden am Ende abgelehnt.

Dabei geht es nicht um die Härte, tage-, manchmal wochenlang an einem Vorschlag zu arbeiten, der auf keinerlei Gegenliebe stößt. Es geht um die Art, mit der wir immer wieder gegen Wände laufen, die übrigens weder männer- noch frauentypisch sind, die aber, wie ich finde, Schandmale in der Arbeitswelt sind, weil nicht nötig: Das pure Ignorieren.

Wer einen Vorschlag macht, rechnet damit, abgelehnt zu werden. Nicht nur, weil eine Idee vielleicht noch unfertig ist oder – im schlimmsten Fall – überflüssig. Oft kann ich ja nicht wissen, wie die internen Planungen laufen, ob es eine ähnliche Idee schon gibt, ob Geld da ist oder genug Manpower zur Umsetzung. Vielleicht hatte der Umschlag auch bloß die falsche Farbe, Gründe sind unvorhersehbar. Und natürlich alle gleich gültig.

Wirklich bitter sind die verschleppten Antworten, die über eine lange Zeit zum Nein werden, wo eine Absage doch für beide Seiten akzeptabel ist. Es geht mir nicht ums Lamentieren, sondern um Verständnis: Ist es so schwer, etwas abzusagen? Oder macht es Spass, jemanden monatelang hinzuhalten und dann so zu tun, als sei diese/r Jemand begriffsstutzig oder – schlimmer noch – lästig? Mehr Augenhöhe ist für beide Seiten von Vorteil. Denn nur sie ermöglicht gute Arbeit und beste Ergebnisse. Was läuft da falsch?

Doch. Es gibt auch hier ein Happy End. Denn wo Enttäuschungen sind, ploppen unvermutet neue Möglichkeiten auf. Einladungen, Angebote, Rückmeldungen. Sich dann an einer Enttäuschung festzubeißen, ist sicher falsch. Sie aber kommentarlos zu übergehen, ist für mein Gefühl auch kein Weg. Weil diese Kommentarlosigkeit etwas in unserem Umgang zementiert, was ganz und gar nicht gut ist. Denn auch hier geht es um Macht-Mißbrauch. Egal ob von Mann zu Frau, Mann zu Mann, Frau zu Mann oder Frau zu Frau.

 

 

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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