Aufblühen

Das können Tulpen wirklich nur, wenn sie mit ihren Wurzeln noch in der Erde stecken: die Blütenblätter so weit strecken, dass sie waagerecht stehen und das Innere eine zweite Farbe preisgibt. „Mehr Hingabe“ hat jemand auf den Eingang des Friedhofs gesprüht, auf dem diese Tulpe ein Familiengrab ziert. Man hat den Eindruck, dass sie zumindest sich alle Mühe gibt.

Verlust

Weil wir (auch) in der Kunst die größten Dinge schaffen, die uns möglich sind, wiegt der Verlust (oder auch nur der teilweise Verlust) einer Kathedrale schwer. Dass vermutlich niemand bei dem Brand von Notre Dame sterben musste, ist ein wahnsinniges Glück, wenn man bedenkt, was dort jeden Tag los ist. Aber die Zerstörung ist endgültig. Natürlich kann man alles wieder rekonstruieren (ich würde mich wahrscheinlich wundern, was vom Kölner Dom alles nicht „echt“ – nicht mal aus dem 19. Jahrhundert – ist). Und auch früher sind – nein, gerade früher sind – etliche Kirchen abgebrannt und wieder neu aufgebaut worden. Doch gerade an einem Gebäude, an dem so viele Generationen ihr Bestes gegeben haben, wird spürbar, dass nicht nur altes Holz in Flammen aufgeht. Ein so altes Gebäude ist ein gemeinsames Projekt über Jahrhunderte hinweg. Stets von neuem haben sich Menschen dafür entschieden, diese Kirche nicht aufzugeben, abzureißen, zu vergessen. Insofern geht auch ein Stück sichtbarer Zeit verloren. Es ist so, als würde ein Anker gelichtet. Und wir treiben weiter.

Ans Meer denken

hilft mir auch an grauen Tagen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Schon verrückt, wenn man denkt, dass es einfach nur salziges Wasser ist. Aber es ist so viel Wasser, dass man schon wieder ins tiefe Staunen versinkt. Überhaupt: Wasser. Und was für ein merkwürdiger Ort für so unterschiedliche und oft ebenfalls merkwürdige Lebewesen.

Ich fühle mich im Wasser zu Hause. Auch wenn ich nicht besonders gut schwimmen kann. Und keineswegs so mutig bin, an jedem Strand ins Meer zu gehen. Ist es, weil ich das Meer so liebe, oder umgekehrt, weil ich zu denjenigen gehöre, die ihre unendlich weit zurückliegende Herkunft aus dem Wasser nicht vergessen haben (wo auch immer in meinem Körper diese Erinnerung gespeichert ist).

Im Wasser bewege ich mich mit dem ganzen Körper. Was sich besser anfühlt, als alles, was ich an Land mache. Natürlich stimmt das so nicht. Ich gehe schließlich auch mit dem gesamten Körper. Aber im Wasser habe ich alle Richtungen zur Verfügung (zumindest unter Wasser), ich fühle mich wendiger, auch wenn ich im Schwimmbecken am Ende meist nur in eine Richtung schwimme. Ich hatte mal angefangen, eine Kindergeschichte zu schreiben, in der plötzlich eine Stadt unter Wasser steht, und die Menschen dort fortan ihren Alltag schwimmend bewältigen. Wie geht man zum Beispiel ins Bett, ohne im Schlaf weg zu driften? Oder wie frühstückt man gemütlich Toastbrot mit Nutella? Vielleicht ist ja Ostern endlich mal Zeit, diese Fragen zu beantworten. Bis dahin wünsche ich mir und allen eine schöne kurze Woche!

Mit den Augen eines/einer anderen

Vielleicht sind Fotografien, Filme, aber auch gemalte Bilder deshalb so spannend (und immer und immer wieder), weil sie uns eine Ahnung davon geben, wie andere die Welt sehen.

Andererseits: Wenn wir von früh an lernen würden, dass das, was wir sehen, keineswegs das ist, was ist, und dass jede/r andere etwas anderes sieht, wäre die Welt dann friedlicher (oder besser: wären wir dann friedlicher)?

 

Lernen

Als Freie Autorin werde ich hin und wieder von Schulbuchverlagen angefragt, ob ein Text von mir in einem Lehrbuch erscheinen könne. Ich muss jedes Mal lachen, weil ich als Schülerin in Deutsch oft nicht so gute Noten hatte… (allerdings ist ein Text mindestens in einem Sozialkundeheft erschienen). Ich freue mich auch, denn ich habe keine eigenen Kinder und denke, dass ich auf diese Weise hier oder da Gedanken in Kinderköpfen bewegen kann.

Aber erst Mal gilt es sich an Erwachsenen-Köpfen zu stoßen: die von erwachsenen Didaktikern (nicht mit Diktatoren zu verwechseln…), die solche Lehrbücher gestalten (Achtung! Dirk ist hier ausdrücklich ausgenommen!!!). Denn Ach und Weh! Könnte es nicht sein, dass ein Schulkind einen Satz nicht versteht. Und dann frustriert ist, das Handtuch wirft oder schlimmer noch, die Hausaufgaben verweigert und was noch!?

Liebe Leute, möchte ich dann beruhigend – und wahrscheinlich ebenso didaktisch (wie diktatorisch) – antworten: Lernen bedeutet Nicht-Verstehen. Denn was könnte gelernt werden, wenn wir alles schon vorher wissen oder verstehen? Das Lernen beginnt da, wo sich ein großes Fragezeichen in unser Denken bohrt: Wie bitte? Was? Echt jetzt? Nicht-Verstehen ist insofern keine Störung, sondern unabdingbar, wenn ein Lernprozess in Gang gesetzt werden soll. Ja, klar, man kann auch auf bereits Gewusstem aufbauen. So, wie wenn man allmählich einen Horizont öffnet. Aber nach meiner eigenen Erfahrung fängt Lernen bei Widersprüchen an, bei eigenen Denkfehlern, beim Entdecken von Unbekanntem, Sperrigen.

Ich würde mir wünschen, dass Erwachsene, die über den Lernstoff für Kinder entscheiden, diesen Aspekt wieder stärker im Blick hätten. Und damit auch mehr Vertrauen in die Kinder setzen könnten, denn, da bin ich sicher, Kinder sind viel weniger schnell vom Nicht-Verstehen abgeschreckt, als Erwachsene sich vorstellen, vor allem, wenn Kinder merken, dass sie für Voll genommen werden, und wir ihnen zutrauen, auch schwierige Zusammenhänge zu begreifen. Auch wenn das jetzt etwas weit hergeholt erscheint, aber die „Fridays for Future“ beweisen doch genau das – oder?

Kennen wir uns?

Einmal mehr liegt die „Odyssee“ auf meinem Nachttisch (in der fantastischen Übersetzung von Kurt Steinmann) und einmal mehr verliere ich mich in den Irrfahrten des „Wandlungsreichen, den es oft abtrieb vom Wege“, diesmal begleitet von Daniel Mendelsohn, dessen Buch „Eine Odyssee“ ich später hier im Blog noch rezensieren werde.

Der „Wandlungsreiche“ also, der nach jahrelanger Irrfahrt zu Hause nicht mehr erkannt wird und dort beweisen muss, dass er „er selbst“ ist. Mendelsohn setzt mit seiner Lektüre hier an: Die „Odyssee“ sei ein Buch, das danach fragt „wie viele Formen des Selbst“ ein Mensch haben könne. Na ja, wer älter wird, ändert sich wohl. So hätte ich vielleicht noch vor ein paar Wochen diese Frage abgetan. Doch ist in der Zwischenzeit offensichtlich eine weitere Form meines Selbst aufgetaucht. An einem Morgen jedenfalls wachte ich auf und hatte das komische Gefühl, nicht ganz bei mir zu sein. Nein, ich bin nicht zum Käfer mutiert, ich bin auch nicht Mrs. Hyde geworden (auch wenn mein Name dazu einladen würde), keine Werwölfin (erst recht nicht), leider auch nicht Wonder Woman. Ich bin ich, aber ich habe mich verwandelt. Keine Ahnung.

In südamerikanischen Kulturen, auch bei den nordamerikanischen Inuit spielen Schlangen eine wichtige Rolle in der Mythologie. Nicht nur weil sie gefährlich sind und Tod bringen können, sondern vor allem, weil sie sich im Laufe ihres Lebens immer wieder häuten und größer und wie neu aus diesem Prozess hervorgehen. Jedes Mal, wenn ich zurück in meine Heimatstadt fahre, erinnere ich mich an meine Kindheit und Jugend, und versuche mich zurück zu versetzen. Dabei hatte ich schon öfters die Frage im Kopf, ob ich wirklich noch die Fünfjährige bin, an die ich mich erinnere, bzw. was von ihr in mir heute übrig geblieben ist. Vielleicht eine falsche Frage. Aber schon ein deutliches Gefühl dafür, dass man sich im Laufe des Lebens ändert.

Wer oder vielleicht wo wäre dann das „wahre Selbst“? Oder täuschen wir uns, wenn wir das Ich als feste Größe denken? Ich bin verunsichert. Denn zum Einen fühle ich eine leichte Bedrohung, so als wenn ich verloren gehen könnte. Andererseits gibt diese Wandlungsfähigkeit natürlich auch die Gelegenheit, sich selbst neu zu entwerfen. Nicht im Wettstreit mit mir selbst, sondern im Sinne einer Verschiebung der eigenen Grenzen. Ich bin gespannt. Sowohl auf die Lektüre, als auch auf die kommenden Wochen. Ich bewege mich durch meine Tage auf der Suche nach diesen bislang unbemerkten Veränderungen. Ich weiß dabei nicht genau, wonach ich suche. Ich weiß auch nicht, was ich finden werde. Gerade hätte ich am liebsten mein altes Ich zurück. Aber ich habe den Verdacht, dass es sich tatsächlich um eine Häutung, und in diesem Sinn um Wachstum handelt. Odysseus war auf der Heimreise. Vielleicht sollte ich das vor Augen halten, solange ich unterwegs bin.

 

 

Alles neu macht der —- April, April!

Ganz schön blöd, im April, mit seinen Wetterkapriolen die Fenster putzen zu wollen. Aber spätestens wenn die Osterglocken blühen und die Feldlerchen wie betrunken im Morgenhimmel hängen, sehne ich mich nach Frische und Durchblick – Hagelschauer hin oder her. In meinen Blumentöpfen wachsen Hornveilchen um die Wette: seit ich meine Abneigung gegen die einst als piefig missverstandenen Blühgenies abgelegt habe, explodieren Farben auf meiner Fensterbank, und dank robuster Konstitution bleiben die Schätzchen auch mal bis Juni und halten bis dahin tapfer dem einen oder anderen nächtlichen Frosteinbruch stand.

Man mag es Ostern nennen oder Frühjahr – es wächst mir jedes Jahr um diese Zeit ein neuer Schwung zu, ein Optimismus, dies oder das doch endlich angehen zu können. Keine Euphorie. Eher eine Zuversicht, das doch hinbekommen, oder zumindest auf den Weg bringen zu können. Je älter ich werde, desto klarer ist mir, dass das Licht für mich eine große Rolle spielt. Mögen Winterabende etwas gemütliches haben. Für mich muss Sonne her, damit mein Herz aufgeht. Übrigens gerne auch Sonne hinter Regenwolken.

Der Alltag im April ist – wenn Ostern, wie meist – in diesen Monat fällt, unregelmäßig. Es ist der erste Monat im Jahr, in dem bei mir so etwas wie Ferienstimmung aufkommt, das erste Drittel des Jahres ist fast vorbei, und damit auch Zeit, ein erstes Resümee zu ziehen. Tagsüber weit die Fenster aufmachen zu können, ist auch jedesmal ein glücklicher Moment. Ich muss mich nicht mehr gegen die Kälte verbarrikadieren. Die Vögel zwitschern bis an meinen Schreibtisch, ja, auch die erste fette Fliege hat hier schon ihre Runden gedreht – na, wenn’s denn sein muss…

Im Kleiderschrank gibt es den Jahreszeitenwechsel von Herbst/Winter zu Frühjahr/Sommer, und jedesmal empfinde ich diese Erleichterung, mich fortan nicht mehr in so viele Schichten packen zu müssen. Das Leichte, Luftige, Helle, ach! Ich höre meinen Körper regelrecht lachen vor Freude. Rundum Eierkuchen, möchte man meinen. Aber das ist es nicht. Kein Licht ohne Schatten. Der Karfreitag hebt sich scharf gegen die Aufbruchsstimmung ab. Woher nehme ich den Mut, weiter zu leben? Woher die Kraft, an den Abgründen zu stehen, ohne einen Weg zu finden? Die Gelassenheit angesichts aller Verluste? Die Hoffnung, genug von allem zu haben, um nicht nur weiter zu leben, sondern vielleicht auch noch liebenswert zu sein? Auch wenn es paradox erscheint: Genau diese Fragen gehören für mich in die Aufbruchstimmung des Aprils. Weniger Alltag also, viel Schwung und eine gehörige Portion Melancholie, das sind für mich die Tage im April. Und Ihr so?

Dieser Beitrag ist übrigens einmal mehr inspiriert von Ulli: https://cafeweltenall.wordpress.com/2019/04/05/alltag-6/

Wait and see

Erstaunlich, wie oft mir die Option des „Abwartens und Tee Trinkens“ vom Schirm rutscht. Dabei – … nein, wahrscheinlich ist dieses Bild „aktiv“ Dinge anzugehen, enorm stark in mir. Passivität assoziiere ich mit Desinteresse, Bequemlichkeit und – schlimmer noch – mit „typisch Frau“. Komisch eigentlich, wo gerade meine Mutter extrem spontan war, sie musste immer sofort alles angehen. Tee trinken wäre ihr auch nicht in den Sinn gekommen, na höchstens Kräutertee, wenn sie krank war. Dabei hat abwarten, wie ich gerade wieder merke, eine Menge Vorteile. Und oft eine – von Captain Kirk so genannte – „dritte Lösung“ parat, die ein konfrontatives Entweder-Oder in einen ganz unerwarteten Vorschlag verwandelt.

Der Welt anhaften

Ich habe beides erlebt. Und beide Male saß ich in der Berliner Philharmonie. Das erste Mal hörte ich Beethoven. Ich war berührt, weil ich Beethoven eigentlich nie gemocht hatte, aber plötzlich von der Schönheit seiner Musik überwältigt war. Gleichzeitig jedoch fühlte es sich so an, als schaue ich über einen Zaun in einen Garten, das heißt, ich war ganz nah dran, aber blieb doch außen vor. Ich war glücklich und traurig zugleich, denn der Zaun bedeutete eindeutig: „nicht für Dich“.

Jahre später saß ich wieder in der Philharmonie. Bruckners f-moll-Messe stand auf dem Programm. Und wie schon bei Beethoven wäre ich um ein Haar in der Pause gegangen. Die Überraschung war ungefähr dieselbe, doch die Überwältigung traf mich direkt: „Du musst dein Leben ändern!“ schien die Musik zu sagen, ganz so wie in Rilkes Gedicht.

Bei Sheila Heti („Motherhood“) habe ich heute etwas gelesen, das mich an die Konzerte denken ließ. Sie vermutet, sich in der Welt zu Hause zu fühlen, könne die wesentliche Grundlage für ein glückliches Leben sein. Es ginge dann, so denke ich, weniger darum, Dinge zu tun, die einen glücklich machen – ganz so als könne man Glücksgelegenheiten anhäufen wie einen Goldschatz, sondern lediglich darum, drin zu sein. Wie man reinkommt, weiß ich nicht. Dass man, einmal draußen, für immer draußen bleiben muss, scheint meine Erfahrung jedoch zu widerlegen.

 

 

Aus der Rolle fallen

Als Kind habe ich meine Eltern oft auf die Palme gebracht, weil ich im Fernsehen nicht das Kinderprogramm schauen wollte, sondern nur die Werbeblocks vor den Abendnachrichten. Sie verdrehten die Augen und schimpften: „Wer braucht das schon? Wir haben alles!“, während ich in die weite Werbewelt schaute. Rückblickend staune ich, wie kleinkariert diese Welt der 1970er Jahre tatsächlich war: Mutti servierte der Familie das Frühstück, den Nachbarinnen einen Nachmittagskaffee (klar, Mittagessen fiel aus, Vati aß ja in der Firmenkantine), und abends ein schnell hingezaubertes Essen, alles gut gekleidet und mit perfekter Frisur. Vati rauchte Zigaretten, mit denen er sich meilenweit von seiner Schreibtischarbeit träumte, nutze ein herbes Aftershave und trank später noch einen Weinbrand, um die Sorgen des Tages mit den Annehmlichkeiten eines Clubabends in den eigenen vier Wänden zu vertauschen. Doch, es gab auch Ausnahmen: Clementine, zum Beispiel, eine burschikose Frau in weißer Latzhose , die nicht – oder nur als der Typ unvermittelbare Kumpel-Frau (oder doch Lesbe??? – d.h. Lesbe aus der damaligen Einschätzung von burschikosen Frauen in Latzhosen) – in die deutsche Nachkriegszeit passen wollte, und natürlich der Afri-Cola-Clip von Charles Wilp, den ich schon als Kind liebte – obwohl ich nichts von dem Witz und den vielen Anspielungen darin verstand.

Die Dinge haben sich geändert: Heute schalte ich alles aus, oder zumindest den Ton weg, wenn Werbung droht. Aber warum? Fast alle Werbefilme haben mittlerweile Hollywood-Qualität, die darin gezeigte Welt ist noch aufregender geworden, allein – wer braucht das schon? Bin ich erwachsen geworden und wehre mich wie meine Eltern gegen ein Zuviel von allem? Nein. Das ist es nicht. Auch nicht die lauten Stimmen und die viel zu laute Musik, die jede Werbung von anderen Sendungen im Radio, im Kino oder auf dem Bildschirm unterscheidet. Es ist die Biederkeit dieser Werbewelt, die so viel bunter geworden ist, aber nach wie vor im kleinsten Format von Vater-Mutter-Kind verbleibt. Geschenkt, es gibt jetzt auch die rebellischen Kids, die berufstätigen Frauen, die kochenden Männer, doch wer genau hinschaut: Mann und Frau sitzen im Auto. Wer fährt? Eine Frau kommt mit ihrer niedlichen Tochter in einem Geschäft und kauft etwas per Mobil-Telefon. Für wen? Der Feierabend mit Lagerfeuer und Bier am Strand: Nur was für Jungs. Paps hilft seiner erwachsenen Tochter per Skype ein verunglücktes Essen für ihr erstes Date zu retten. Natürlich behält er die Nerven, kann aber – ebenso natürlich – nur Spaghetti.

Studien belegen, dass die alten Rollenbilder nach wie vor am besten ziehen, auch wenn sich die Marketing-Abteilungen bemühen, die – wie sie es nennen – „Rollenvielfalt“ von Frauen auszuweiten. Umgekehrt kommen auch die Männer nicht vom Fleck: Sie müssen erfolgreich, sportlich und verführerisch sein oder zumindest Fußball gucken und Bier trinken. Warum das so ist, darüber scheiden sich die Geister. Für den deutschen Werberat ist Werbung ein Spiegel der Gesellschaft. Dabei ist es wohl eher umgekehrt: Werbung beeinflusst unsere Gesellschaft, sie setzt Trends und schafft Vorbilder. Doch in einer solchen Welt, in der ich nur erfolgreich sein kann, wenn ich Parfüm nutze, kalorienreduziert frühstücke und im rosa Stadtflitzer daher komme, möchte ich nicht leben. Und ehrlich: ich glaube auch nicht daran. Meine Berliner Wirklichkeit ist vielleicht weniger bunt, aber dafür aufregender. Ich muss nicht mal Afri-Cola trinken, um eine coole Party zu schmeißen.