Ich muss erst mal aufräumen

So zumindest fühlt es sich für mich gerade an, wenn ich den Impuls spüre, Freund/innen einzuladen. Seit ich eine Woche im Haus meiner Eltern gewirkt und gewerkelt habe, hole ich meine eigene Unordnung nicht mehr richtig ein. Oder eher: Nicht die Unordnung ists, sondern die Fülle. Meine Wohnung ist klein und offensichtlich habe ich mehr Neuzugänge als reinpassen. Allein die Gitarre unterzubringen, brauchte einige logistische Veränderungen. Sie hat zum Beispiel drei Kisten mit CDs verdrängt, die jetzt rumstehen. Ordnung geht anders.

Was mich daran gerade überfordert: das wird ja so bleiben. Wohnungen wachsen nicht. Jedenfalls nicht wenn sie, wie meine, über 140 Jahre alt sind. Bislang fand ich das mehr als o.k., diese Idee, dass eben was rausfliegt, wenn was neues reinkommt. Aber gerade hadere ich. Ich merke nämlich, dass ich nicht nur gerne wenig habe, sondern auch viel. Patt. Gleichzeitig macht mich die Fülle nervös. Überall liegt was rum. Wahrscheinlich muss ich das jetzt so lange aushalten bis – entweder ein Wunder geschieht, oder ich eine Lösung finde. Zum Glück wird das Wetter wieder besser. Draußen stört mich das alles nämlich gar nicht.

Jetzt weiß ich auch, warum…

Eigentlich bin ich ein Meer-Mensch. Wo ein Berg steht, versinke ich in Ehrfurcht. Kehre aber lieber um. Berge sind nicht meins. Zu viel Schatten. Das Meer, die unendlich plane blaue Fläche dagegen zieht mich an. Und das Geräusch von Wasser. Auch, wenn das Getöse am Pazifik manchmal doch den Wunsch nach einem Lautstärkenregler aufkommen läßt.

Und dann dachte ich, na Hügel halt. Das ist für den Meer-Menschen eben da Höchste der Gefühle. Bis ich verstand, diese Hügel (im Weser-Bergland) sind uralter Meeresgrund. Das was heute Deutschland ist, lag ja vor Urzeiten unter der Meeresoberfläche. Musste ich lachen: Wie konsequent ist das denn? Und dann habe ich noch einen Unterschied verstanden: denn alles Gebirgige, das aus Vulkantätigkeit entstanden ist, liebe ich auch. Nicht, dass ich damit groß was anfangen könnte, aber so ist es. Auch eine Erkenntnis.

Da steht ein Einhorn am Strand

Oder: Wie sich Erleben mit Erinnern mischt. Oder: Wie ich mir bei Erfolgen immer wieder ein Bein stelle. Denn es könnte so schön sein: Ein beruflicher Traum wird wahr, aber statt mich zu freuen, und den Erfolg mit leichter Hand durchs Ziel zu bringen, springt mein Un- oder Unterbewusstes auf, wütet in meinem Kopf und macht den Erfolg – zumindest gefühlt – zu einem gerade noch über die Linie geretteten Unternehmen.

Statt den Moment auszukosten. Zu spüren, dass ich nach Jahren des Zögerns endlich… – heule ich und fühle mich elend. Mein persönliches, täglich grüßendes Murmeltier. Da möchte ich aus der Haut fahren. Aber vielleicht sollte ich das Murmeltier mal mit dem Einhorn zum Schwimmen (seufz) schicken. Es muss doch einen Ausweg geben!

Schön ist anders, aber…

Kreuzberger Hinterhöfe sind auch nicht dafür gemacht, Springbrunnen zu beherbergen. Dieser solarbetriebene Eimer-Brunnen hat immerhin den Vorteil, irre komisch zu sein, die Pumpe schwimmt im Wasser und wackelt durch den Druck hin und her, so dass die Fontäne rumeiert und wie ein Wassergeist über die Oberfläche hüpft. Hat auch nicht jede/r.

Ansonsten: Mein Hölderlin-Buch in Einfacher Sprache hat einen Verlag gefunden. Ein guter Grund, das Wochenende zum Fest zu machen. Die Sonne lacht schon.

P.S. Meine Mutter war auch so: Nicht schön, aber dafür lustig improvisiert. Denke gerade an sie – die Eimer-Fontäne hätte ihr sicher gefallen.

Jetzt geht es los

und ich ahne, was auf mich zukommt. Die Saiten habe ich auf die Gitarre gebracht (mit Hilfe), die Stimmung rutscht im Minutentakt runter und also bin ich weitestgehend damit beschäftigt, das Instrument wieder und wieder zu stimmen. Konnte ich auch mal besser.

Warum mache ich das bloß? Frage ich mich, um die Frage gleich wieder weg zu wischen. Bringt nix. Flüstere ich ihr hinterher. Manchmal denke ich, dass ich gar nicht weiß, was Musik eigentlich ist. Und dass ich deshalb auch keine machen kann. Der erste Plan lautet jetzt: Erst mal nur genau hinhören. Und noch gar nicht so viel richtig machen. Mal sehen, wie weit ich damit komme.

Lesen

Wenn ich ehrlich bin – seit zwei Jahren lese ich nicht mehr. Zumindest nicht mehr regelmäßig. Oder eher: nicht mehr regelmäßig in meiner Freizeit. Nach wie vor interessiere ich mich für Bücher. Ich kaufe sie sogar. Aber dann bleiben sie liegen. Ungelesen. Was ist passiert?

Zum einen werden meine Augen rasant schlechter. Ein bedrohlicher (und leider umumkehrbarer) Prozess. Ich bin Kunsthistorikerin und gerate regelmäßig in Panik. Kunst kann man selten hören… Verständlich, dass ich abends, nach dem Ende der Schreibtischarbeit selten zum Buch greife. Es ist schlicht zu anstrengend.

Aber es interessiert mich auch nicht mehr so viel. Eindeutig mehr Sachbücher liegen neben meinem Bett, ich kaufe kaum noch Romane. Manchmal denke ich, je älter ich werde, desto mehr fasziniert mich mein eigenes Leben. Die Tage und Nächte werden beim Älterwerden kurz und kürzer, und ich habe Mühe, alles reinzupacken, was ich mir vorgenommen habe. Außerdem schaue ich eindeutig lieber Filme als früher. Und mehr Zeit gibt es leider nirgendwo.

Lasse ich mich nicht mehr genug auf andere Weltsichten ein? Werde ich bequem? Faul sogar? Ist es einfach eine Phase? Sollte ich auf Hörbücher umsteigen? Immerhin habe ich auf der Rückfahrt aus Köln ein Buch in einem Rutsch in der Bahn gelesen. Geht also noch. War aber nicht so toll. Ich gucke meist lieber aus dem Fenster, mache Fotos oder höre, wie sich in meinem Kopf Stille ausbreitet. Wie geht es Euch?

Wiedersehen mit alten Freund/innen

Wer einst von zu Hause weggezogen ist, hat bei jeder Rückkehr nostalgische Momente. Je länger ich jetzt in Berlin wohne, desto weiter reichen diese Erinnerungen zurück. Das hat wohl eher etwas mit meinem eigenen Alter zu tun, oder dem meiner Freund/innen, als mit der wachsenden Zahl der Jahre, die ich fern der Heimat verbringe. Besonders gerührt hat mich der alte Snoopy, den meine Freundin wieder aus dem Keller gekramt hat. Denn er war für mich der erste Snoopy ever – den ich sogar noch vor den Peanuts kannte. Ein großer kuscheliger Plüschhund.

Gespenster

Ich habe die letzten Tage damit verbracht, die Wohnung meiner Eltern zu putzen. Es gab einen Wasserschaden und damit genug Gelegenheit zu wischen und zu waschen. Nachts kamen die Erinnerungen. Ich witzele ja oft darüber, dass eine schlimme Kindheit einen vor zu viel Nostalgie bewahrt (die schönsten Hits der 80er und 90er, usf). Aber die schlimmen Träume sind schon eine Qual. Und jetzt sitze ich im Zug nach Berlin. Auf der Flucht, die jetzt zumindest möglich ist. Aber klar, eingeholt werde ich immer.

2020 ist,

soviel lässt sich jetzt schon sagen, ein Rosenjahr. Und wer, wie ich, Rosen früher eher doof fand, hat jetzt genug Gelegenheit, sich noch mal umzuentscheiden…

Neuanfang

Damals war die Gitarre für mich ein Kompromiss. Denn eigentlich wollte ich Klavier lernen. Dann war lange gar nichts. Ich hatte sogar zugestimmt, als mein Vater das Instrument verschenken wollte. Zum Glück hat das nicht geklappt. Denn als ich die Gitarre gestern zum ersten Mal seit Jahren wieder ausgepackt habe, war ich doch erstaunt, wie gut sie klingt. Viel Geld hatten meine Eltern nie, aber das scheint ein ganz gutes Instrument zu sein. Jetzt habe ich also wieder eine Gitarre und werde damit zum Unterricht gehen. Ich freue mich schon.