Na toll …

Zur nicht funktionierenden Waschmaschine gesellt sich seit gestern Abend der Ausfall von warmem Wasser. Hinter meinem Rücken höre ich ein fast schon infernalisches Gekicher:

Diese Großstädterinnen… fangen zu flennen an, wenn keine Waschmaschine und …

Hör‘ mal, ich flenne nicht! Ich merke nur, wie schnell ich ausgebremst werde, wenn nicht alles so funktioniert, wie vorgesehen.

Das sollte gleich mal öfters passieren. Findest Du nicht?

Hm. Theoretisch schon. Praktisch, och nö. Ist so, als wenn plötzlich die Farbe weg ist.

Weichei!

Besserwisser!

hihihihii

Dann gehe ich jetzt eben laufen. Wenn mir heiß ist, kann mir eine kalte Dusche nix mehr anhaben.

Na also!

Ruhe jetzt! Geht woanders weiter kichern. Man, man, man…

Dornröschen

Eine Schönheit ist sie nicht – unsere Hofmauer, die seit mehr als einem Jahrzehnt wieder ans Licht gekommen ist. Aber, seufz, sie ist wieder da!

Ich kann mich noch – wenn auch nicht wirklich gut – an den Tag erinnern, als Handwerker in den Hof kamen und gelbstichige Holzpaneelen vor die Backsteinmauer schraubten. Ich dachte, ich traue meinen Augen nicht. Da stand eine Mauer, und plötzlich war da eine abwaschbare Oberfläche. Wer braucht das denn? Vor allem: Auf eine Skala von 0 (prima) bis 10 (abscheulich) war die neue Lösung mindestens eine 14. Und das Schlimmste: Nix zu machen. Das Ding war dran, bevor man irgendwen von der Hausverwaltung auch nur ans Telefon bekam.

Ich musste mich arrangieren. Morgens fiel mein erster Blick auf senfgelb. Und wenn es sehr sonnig war, blendete diese glänzende Oberfläche ganz schön. Das Grauen hatte ein Ende. Ohne dass ich wirklich nochmal damit gerechnet habe. Den gelben Bauschaum knibbele ich in meinen Arbeitspausen ab. Eine Stahlbürste habe ich auch schon besorgt. Was soll ich sagen – ich freu mich!

Da staunt der Nachbarshund

und ich erst. Niemals würde ich joggen gehen. Dieser Satz gehörte bis vor kurzem zu meinem persönlichen Identifikations-Baukasten. Ich laufe nicht. Das stimmte auch. Ich sagte das in einem Ton zwischen Trotz und Resignation. Denn ich konnte es wirklich nicht. Zu laufen, war, als müsse ich mich durch eine Welt bewegen, in der die Luft plötzlich fest geworden war. Ging ich, war alles luftig. Aber sobald ich zum Laufen ansetzte, wurde nicht nur mein Körper schwer und schwerer. Sondern die Luft zu so etwas wie Pudding: Kaum durchzukommen. Es hatte also keinen Zweck. Nicht, dass ich es nicht hin und wieder versucht hätte. Wie konnte etwas so schwierig sein, was andere scheinbar mit Leichtigkeit hinbekamen? Ich habe mir sogar vor vier Jahren Laufschuhe gekauft. Aber auch mit denen wurde das Unterfangen nicht einfacher. Letztes Jahr gab es dann eine Überraschung. Am endlos langen Strand vor Los Angeles. Die Luft war klar und es ging ein kühler Wind. Die Sonne schien. Und ich ging an der Wasserlinie des Ozeans, da wo die Wellen auslaufen und die kleinen Wasserläufer ihrem Tagesgeschäft nachgehen. Wer weiß, ob es die Vögelchen waren? Ich begann zu laufen. Und es geschah etwas Unvorhergesehenes: Mein Körper wurde nicht schwerer. Die Luft blieb luftig. Ich lief. 100 Meter, 200 Meter, 300 Meter, ich blieb mal vorsichtig stehen: Träume ich? Ich lief weiter. Immer noch keine Schwere. Nanu! Ich bin ein vorsichtiger Mensch. Ich wollte mir die Illusion nicht nehmen. Nach einem zögerlichen zweiten Versuch zurück in Berlin – es ging ganz o.k., aber längst nicht so einfach, wie am Pazifik, ließ ich die Sache auf sich beruhen. Dass ich trotzdem jetzt mit dem Joggen angefangen habe, liegt daran, dass die Schwimmbäder nicht, und dann nur sehr beschränkt geöffnet hatten. Und dass sich daran vermutlich in der nächsten Zeit nichts ändern wird. Ich brauchte also dringend eine Alternative. So viel: Eine geborene Läuferin bin ich nicht. Aber drei Kilometer am Morgen bekomme ich leidlich hin. Und ja, langsam fange ich sogar an, diese Läufe zu genießen…

Da sitzen sie nun

Der Baum vor meinem Fenster wurde vorgestern gefällt. Schlimm genug – obwohl ich die Entscheidung verstehe: Er wurzelte in einer sehr schmalen Mauer, sehr kippelig, und wuchs, wie gesunde Bäume das nun mal tun. Die Gefahr, dass er bei einem der zukünftigen Stürme in den Hof stürzen könnte, war zumindest gegeben. Besonders mochte ich sein „Winken“. Er hatte so lange Rispen-Blätter, die sich zum Sommer hin wie Palmwedel auswuchsen. Und jede leichte Brise wurde mit einem huldvollen Fächeln beantwortet. Auf diese Weise hatte ich tagsüber bewegte Lichtspiele in meiner Wohnung. Jetzt knallt die Sonne. Doch, die Helligkeit ist für mich schon ein Vorteil. Ich habe also ein lachendes Auge. Aber die Spatzen, die am Abend nach dem Abtransport des Baumes ratlos auf dem Zaun saßen, ach… zum Glück wohne ich gleich vor einem Park. Sie werden also eine neue Wohnung finden.

Spätsommer

Das ist vielleicht der letzten große Hitzewelle geschuldet: Zum ersten Mal habe ich mich über die frühen Herbst-Boten gefreut: Frischer Wind, ein Himmel zum Niederknien und so viel klares Licht wie lange nicht mehr. Melancholie war auch im Spiel. Doch nicht wie sonst, wenn ich den Winter schon kommen sehe, sondern eine Erinnerung an letztes Jahr, wo genau dieses Wetter über New York stand, als ich dort meine Reise durch die USA begann. Dieses Jahr war für mich nix mit Reisen. Meine Portugal-Fahrt im Mai fiel aus. Jetzt muss ich Arbeit aufholen, die im Frühjahr ausgefallen ist. Tatsächlich bin ich froh, dass ich die Ausfälle noch in diesem Jahr beheben kann. So jedenfalls tönt es aus der Vernunfts-Abteilung. Die Melancholie beweist, dass mein Herz noch nicht so weit ist. Aber das Wetter kann ich jetzt erst mal genießen.

Nichtstun!

Und dafür gibt es ein Stipendium? – Was klingt wie in einem Zukunftsroman, ist tatsächlich gerade zu haben. Im Rahmen der Ausstellung „Die Schule der Folgenlosigkeit – Übungen für ein anderes Leben“ im Museum für Kunst und Gewerbe (Hamburg) werden drei Stipendien für Nichtstun ausgeschrieben. Aber nicht zu früh freuen! Das Nichtstun muss dokumentiert werden und soll auf die eine oder andere Weise Anregung für neue Lebensentwürfe sein. Wer sich bewerben möchte, muss vier Fragen beantworten: Was wollen Sie nicht tun? Wie lange wollen Sie es nicht tun? Warum ist es wichtig, genau das nicht zu tun? Warum sind Sie der*die Richtige, das nicht zu tun? Unterlagen gibt es unter:

https://www.hfbk-hamburg.de/de/projekte/schule-der-folgenlosigkeit/

Viel Glück!

Heiliger Dionysius, hilf!

Katholik/innen haben eine eigene Hausapotheke: 14 Nothelfer/innen, die man anwählen kann (junge Menschen mögen sich das wie eine App vorstellen), um Hilfe zu bekommen.

Ich habe gerade Kontakt zu Dionysius aufgenommen, kein Säufer, wie man vielleicht aufs Geratewohl raten mag, sondern ein Cephalophor – was wiederum kein Dinosaurier ist, sondern ein sogenannter „Kopfträger“, insofern eine Besonderheit, weil er seinen Kopf nicht nur auf dem Hals trug, sondern, als selbiger abgeschlagen wurde (Dionysius ist ein Märtyrer, also einer, der für seinen Glauben an den christlichen Gott starb), ihn in die Hände nahm und vor seinem Körper trug (nicht lange, soweit überliefert).

Der heilige Dionysius hilft gegen Kopfschmerzen, Tollwut, Gewissensbisse und Seelenleiden. Ihr könnt gerne raten… Er ist, was sicher wenige wissen, der Schutzheilige Frankreichs und Städtepatron von Paris und – olala – Krefeld.

Am Montag bin ich die Treppe runtergefallen, seitdem habe ich Kopfschmerzen. Ganz schön lästig bei der Hitze. Und langsam frage ich mich, ob man auch eine (leichte) Gehirnerschütterung kriegen kann, wenn man nicht auf den Kopf fällt – hat jemand von Euch damit Erfahrung? Obwohl – auf dem Sofa zu liegen und von Dionysius kalte Wickel um den Kopf gelegt zu bekommen – ist irgendwie auch schön…

Lesenächte

Als ich die diesjährige Longlist des Buchhandels sah, packte mich unversehens die Leselust. Passt, dachte ich, denn meine Nächte sind still und frei. Ich kenne noch kein einziges Buch auf dieser Liste, einige machen mich neugieriger als andere. Gerne würde ich Olivia Wenzels „1000 Serpentinen Angst“ lesen und – da habe ich fast das Gefühl, mindestens ein gutes Drittel meiner eigenen Kindheit und Jugend wiederzufinden: Frank Witzels „Inniger Schiffbruch“. „Annette, ein Heldinnenepos“ von Anne Weber ist wohl was für mein Historikerinnenherz. Und danach mal schauen. Wie geht es Euch? Schon Favoriten?

Abendlicher Besuch

Ein Alien könnte nicht rätselhafter aussehen. Und – nein, im Glas war die Heuschrecke (ja?) nur, um den Weg aus der Wohnung zu machen. Was die jetzt wohl sieht, dachte ich, die kleine Wohnung muss für sie ja wie ein riesiges Feld aussehen. Und Zeit, sich meine Wohnung noch mal genauer anzusehen. Oder darüber nachzudenken, dass Füxe nur schwarz-weiß sehen (gehört zu den Dingen, die ich mir nie gut vorstellen kann – wahrscheinlich weil ich denke, „aber die Welt ist doch bunt“ – Da bekäme ich aber von vielen Tieren mitleidige Blicke!) Und schon sitzt ein Menschenkind wieder da und denkt: Was um alles in der Welt ist die Wirklichkeit!?

Sieht übrigens aus, als wenn die Heuschrecke winkt – so schade, dass wir uns nicht verstehen.