Da staunt der Nachbarshund

und ich erst. Niemals würde ich joggen gehen. Dieser Satz gehörte bis vor kurzem zu meinem persönlichen Identifikations-Baukasten. Ich laufe nicht. Das stimmte auch. Ich sagte das in einem Ton zwischen Trotz und Resignation. Denn ich konnte es wirklich nicht. Zu laufen, war, als müsse ich mich durch eine Welt bewegen, in der die Luft plötzlich fest geworden war. Ging ich, war alles luftig. Aber sobald ich zum Laufen ansetzte, wurde nicht nur mein Körper schwer und schwerer. Sondern die Luft zu so etwas wie Pudding: Kaum durchzukommen. Es hatte also keinen Zweck. Nicht, dass ich es nicht hin und wieder versucht hätte. Wie konnte etwas so schwierig sein, was andere scheinbar mit Leichtigkeit hinbekamen? Ich habe mir sogar vor vier Jahren Laufschuhe gekauft. Aber auch mit denen wurde das Unterfangen nicht einfacher. Letztes Jahr gab es dann eine Überraschung. Am endlos langen Strand vor Los Angeles. Die Luft war klar und es ging ein kühler Wind. Die Sonne schien. Und ich ging an der Wasserlinie des Ozeans, da wo die Wellen auslaufen und die kleinen Wasserläufer ihrem Tagesgeschäft nachgehen. Wer weiß, ob es die Vögelchen waren? Ich begann zu laufen. Und es geschah etwas Unvorhergesehenes: Mein Körper wurde nicht schwerer. Die Luft blieb luftig. Ich lief. 100 Meter, 200 Meter, 300 Meter, ich blieb mal vorsichtig stehen: Träume ich? Ich lief weiter. Immer noch keine Schwere. Nanu! Ich bin ein vorsichtiger Mensch. Ich wollte mir die Illusion nicht nehmen. Nach einem zögerlichen zweiten Versuch zurück in Berlin – es ging ganz o.k., aber längst nicht so einfach, wie am Pazifik, ließ ich die Sache auf sich beruhen. Dass ich trotzdem jetzt mit dem Joggen angefangen habe, liegt daran, dass die Schwimmbäder nicht, und dann nur sehr beschränkt geöffnet hatten. Und dass sich daran vermutlich in der nächsten Zeit nichts ändern wird. Ich brauchte also dringend eine Alternative. So viel: Eine geborene Läuferin bin ich nicht. Aber drei Kilometer am Morgen bekomme ich leidlich hin. Und ja, langsam fange ich sogar an, diese Läufe zu genießen…

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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