Für mich sind Frühjahrsblumen immer mit einem strahlenden Himmel verbunden. Wie verblüfft ich gestern Abend war: Diese kräftigen Farben vor tiefem Nachtschwarz. Ich hatte offensichtlich wirklich gedacht, Frühblüher gäbe es nur tagsüber…
Alles fließt
Je nach Stimmung mag einen diese Aussage erleichtern oder erschrecken. Nichts bleibt. Der Wind treibt alles (und alle) vor sich her, mal in diese mal in jene Richtung. Manchmal sehe ich mich wieder als Kind beim Versuch im kleinen Bach gleich neben dem Schrebergarten meines Vaters kleine Stauseen anzulegen oder das Wasser in bestimmte Richtungen zu leiten. Alles auszuprobieren hat Spass gemacht. Noch mehr, wenn es geklappt hat. Und selbst wenn kurze Zeit später alles wieder überschwemmt wurde. Der Bach war stärker. Und das hat mich in keinster Weise beunruhigt.
Wie kam die Idee in meinen erwachsenen Kopf, dass ich Dinge nachhaltig beeinflussen soll? Natürlich will ich mein Leben führen. Und vor allem nicht bloß eine Art „Mit-Schwimmerin“ sein. Ein Freund von mir hat neulich am Telefon von der Fähigkeit (oder sogar Freude?) des Nachgebens gesprochen. Es ging um (lange) Ehen und ich habe erleichtert gelacht. Ja. Hier steckt was: Zu denken, der Erfolg besteht nur darin, sich durchzusetzen. Nachgeben bedeutet nicht automatisch Phlegma oder Desinteresse. Nachgeben kann ein Zeichen von Souveränität sein, und Ich-Vergessenheit. Mal sehen, was ich damit jetzt mache – oder auch sein lasse…
Für mich das schönste Lied der Welt
Ich will hier bei dir stehen;
Verachte mich doch nicht!
Von dir will ich nicht gehen,
Wenn dir dein Herze bricht.
Wenn dein Herz wird erblassen
Im letzten Todesstoss,
Alsdenn will ich dich fassen
In meinen Arm und Schoss.
Die größte Verzweiflung und der größte Trost.
Trostlosigkeit (III)
Das ist so die deutsche Variante von trostlos, dachte ich, als ich Anfang der Woche im Zug saß, und an dieser Szenerie vorbeikam. Oder wie es wäre, dort zu wohnen. Oder wie gut ich es habe (das war mir noch nie in den Sinn gekommen), genau da zu wohnen, wo ich auch wohnen möchte (na gut, von Kalifornien mal abgesehen, aber man muss ja auch noch Träume haben, oder?)
Trostlos fand ich auch diese schmierige Bräsigkeit einiger meiner Mitreisenden, die sofort, nachdem sie in der Bahn Platz genommen hatten, ihren Mundschutz abnahmen, um die nächsten anderthalb Stunden an einem Brötchen zu lutschen.
Oder dass es weder ein Glas Wasser, geschweige denn eine Tasse Kaffee gab, nachdem ich zu einem Arbeitsgespräch beim Kunden endlich ankam. Echt jetzt?
Können Bäume flüstern?
Seit vorgestern würde ich JA sagen. Ich ging still durch den Branitzer Park. Die Sonne schien und ich war alleine in diesem von Fürst Pückler angelegten Gartenparadies. Was für ein toller Mittagsspaziergang! Und als ich gerade unter diesem Baum war, flüsterte etwas, ich schaute nach oben, von wo die Stimme zu kommen schien und sah diesen fantastischen Baum, der gerade seine flauschigen Kätzchen austreibt. Bäume können ganz bestimmt keine Selfies machen. Aber ich bin mir sicher, dass dieses alte stolze Holz gerufen hat, um fotografiert zu werden. Et voilà: ein tolles Foto – oder?
Frühling!
Gesichtslose Trauer
Ich frage mich seit einer Woche, was los ist – bis ich eben merke, dass ich den Todestag meiner Mutter vergessen habe.
Was würden wir sehen?
Heute vor 506 Jahren wurde Teresa von Avila geboren. Wie ich neulich schon bei Bachs Geburtstag gestaunt habe – so lange ist das schon her!? – fallen mir jetzt schon fast die Augen aus. Warum ist mir nicht früher schon klar geworden, wie endlos lang drei und erst fünf Jahrhunderte sind? Was, dachte ich augenblicklich, würde ich sehen, würde mir Teresa begegnen? Könnten wir uns überhaupt verständigen? Würden wir unsere Blicke verstehen, unsere Gesten? Würden wir uns als Frauen solidarisieren können oder wären wir uns als Lebewesen aus anderen Zeiten zu fremd? Vielleicht könnte ich mich besser verstehen, wenn ich eine so alte Vorfahrin vor mir hätte? Und umgekehrt? Wäre sie überrascht über eine Frau aus dem 21. Jahrhundert? Würde sie mein Alter erraten? Meinen Beruf? Wäre sie überrascht über die Art, wie ich über den christlichen Gott denke? Hätte sie mir etwas voraus – oder ich ihr? In ihren Texten spricht sie direkt zu mir. Ich verstehe sie. Sie hat – wie es mir scheint – sehr moderne Gedanken. Aber wie wäre sie als Person? Könnten wir über die enorme zeitliche Entfernung auch im Gespräch zueinander finden? Ich bin mir nicht sicher.
Wieso eigentlich nicht – perfekt?
Das war schon an der Uni so: Warum ich eigentlich eine Eins haben wolle? Eine Zwei würde doch auch reichen – und mich weniger stressen. Zugegeben, ich hatte damals mit enormen Schreibblockaden zu kämpfen. Es gab einen Vorbereitungskurs für Magister-Absolvent/innen, und da wurde die Zwei gepredigt. Oder die Vier. Je nach Hartnäckigkeit der Studierenden. Seitdem arbeite ich mich an dem Thema ab.
Eine bestmögliche Arbeit abzuliefern ist mir selbstverständlich. Egal ob privat oder beruflich, ich möchte eine beste Lösung – zumindest als Ziel – denn weniger gut wird’s von selbst. Das ist eben der Tribut, den wir Menschen an die so genannte Realität zahlen, mal haben wir zu wenig Zeit, mal zu wenig Mittel, irgendwas ist immer, Perfektion also von sich aus meist ein Phantom. Aber warum nicht das Beste wagen, wünschen, anstreben? Ist es denn wirklich einfacher, weniger zu wollen?
Meine Taktik ist: Viel wollen, aber mit weniger zufrieden sein. Natürlich nacheinander. Erst mal will ich alles! Und strebe das auch an. Das Ergebnis wird so lange poliert, bis es zumindest glänzt. Auch gescheiterte Versuche bekommen – noch eine Chance, bis das Pferd wirklich tot ist, und danach ordentlich begraben wird. Ein Druckfehler im gerade frisch erschienen Buch zum Beispiel lässt mich kalt. Wenn der O-Ton rauscht oder die Aufnahme kracht ist das Mist. Aber das mache ich beim nächsten Mal besser. Fehler sind.
Wer von vornherein versucht, keine Fehler zu machen, steht sich auf den Füßen. Wenn es schlimm kommt, sein Leben lang. Perfektionismus wäre demnach nicht der Wunsch, alles perfekt zu machen, sondern die Unfähigkeit, sich Fehler einzugestehen oder je nach (Un)Möglichkeiten alternative Ziele anzusteuern. Damit wäre nicht der Wunsch nach Perfektion, sondern das Beharren auf eine einzige Lösung das Problem. Die Uni habe ich mit einer Eins im Zeugnis verlassen. Im „richtigen“ Leben war das weiß Gott nicht immer der Fall. Aber ich bleibe dabei. Der Blick zu den Sternen. Egal wie oft ich über eine Wurzel stolpere.
Happy birthday, Mr. Spock!
bevor es schon wieder zu spät ist. Die Stadt Boston hat den heutigen Tag zum Leonard-Nimoy-Day erklärt, der von allen Trekkies heiß geliebte Old-Spock-Darsteller wäre heute 93 Jahre alt geworden. Ob er ein großer Schauspieler war, hmmmmm, ich bin mir nicht ganz sicher, aber er war Spock, und hat mit dieser Figur Menschen inspiriert, die aus welchen Gründen auch immer am Rand (von was auch immer standen und stehen), und in einem außerirdischen Außenseiter einen starken Verbündeten fanden. Mich begleitet er seit ich acht bin, und so komisch das klingt, von ihm (den es – bei sehr hellem Licht betrachtet – vielleicht gar nicht gibt) habe ich mehr gelernt als von Leuten, die zu diesem Behufe jahrelang vor mir in der Klasse standen. Was soll ich sagen? Hoch die Tassen. Und natürlich: Live long and prosper…🖖








