Wieso eigentlich nicht – perfekt?

Das war schon an der Uni so: Warum ich eigentlich eine Eins haben wolle? Eine Zwei würde doch auch reichen – und mich weniger stressen. Zugegeben, ich hatte damals mit enormen Schreibblockaden zu kämpfen. Es gab einen Vorbereitungskurs für Magister-Absolvent/innen, und da wurde die Zwei gepredigt. Oder die Vier. Je nach Hartnäckigkeit der Studierenden. Seitdem arbeite ich mich an dem Thema ab.

Eine bestmögliche Arbeit abzuliefern ist mir selbstverständlich. Egal ob privat oder beruflich, ich möchte eine beste Lösung – zumindest als Ziel – denn weniger gut wird’s von selbst. Das ist eben der Tribut, den wir Menschen an die so genannte Realität zahlen, mal haben wir zu wenig Zeit, mal zu wenig Mittel, irgendwas ist immer, Perfektion also von sich aus meist ein Phantom. Aber warum nicht das Beste wagen, wünschen, anstreben? Ist es denn wirklich einfacher, weniger zu wollen?

Meine Taktik ist: Viel wollen, aber mit weniger zufrieden sein. Natürlich nacheinander. Erst mal will ich alles! Und strebe das auch an. Das Ergebnis wird so lange poliert, bis es zumindest glänzt. Auch gescheiterte Versuche bekommen – noch eine Chance, bis das Pferd wirklich tot ist, und danach ordentlich begraben wird. Ein Druckfehler im gerade frisch erschienen Buch zum Beispiel lässt mich kalt. Wenn der O-Ton rauscht oder die Aufnahme kracht ist das Mist. Aber das mache ich beim nächsten Mal besser. Fehler sind.

Wer von vornherein versucht, keine Fehler zu machen, steht sich auf den Füßen. Wenn es schlimm kommt, sein Leben lang. Perfektionismus wäre demnach nicht der Wunsch, alles perfekt zu machen, sondern die Unfähigkeit, sich Fehler einzugestehen oder je nach (Un)Möglichkeiten alternative Ziele anzusteuern. Damit wäre nicht der Wunsch nach Perfektion, sondern das Beharren auf eine einzige Lösung das Problem. Die Uni habe ich mit einer Eins im Zeugnis verlassen. Im „richtigen“ Leben war das weiß Gott nicht immer der Fall. Aber ich bleibe dabei. Der Blick zu den Sternen. Egal wie oft ich über eine Wurzel stolpere.

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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