in dem man zum ersten Mal denkt, „ich habe mich verliebt“.
Nächtliche Fatamorgana…
Oder wenn man nur noch vom Schwimmen träumt.
„Schönheit des Abstands“
lese ich heute in einem Artikel von Friedrich Ani, der damit Simone Weil zitiert und sein Gefühl, mit den aktuellen Lockerungen der Pandemie-Einschränkungen gar nicht so recht glücklich zu werden. Mir geht es gerade ähnlich. Ich vermisse angesichts der nächtlichen johlenden Horden im Park gerade die Stille der Stadt, die so unvermittelt kam, dass es wirklich eine Freude war. Klar. Wer in Kreuzberg wohnt, ist selber schuld. Hier wird gefeiert, wem das nicht passt, … – Dennoch. Für mich war der Abstand Erholung und die Möglichkeit einer so lange nicht mehr gekannten Konzentration. Auch auf die Gefahr hin, abgehängt zu werden, möchte ich mir das fürs Erste bewahren.
Ebenfalls heute gelesen: Unsere Gesellschaft hat sich angesichts langfristiger Herausforderungen als nicht verlässlich erwiesen. Statt Verantwortung zu übernehmen, und das hieß im Konkreten, zu verzichten, wurde mit zunehmender Wut gegen Politiker/innen gepöbelt, was uns jetzt einen Wahlkampf beschert, der schon im Vorfeld unterirdisch ist. Keine rosigen Aussichten. Aber, wie die Rheinländer/innen sagen: Es ist schon immer noch gut gegangen! Ich bleibe optimistisch und freue mich jetzt erst mal aufs Wochenende.
Was meist nicht gesagt wird
Dass Schönheit auch eine Maske ist, die in manchen Momenten unverwundbar macht. Wer nicht schön ist, muss sich dagegen ausstellen. Immer.
Ein Brett verändert alles
Ich liebe es, im Sommer am offenen Fenster zu arbeiten. Heute zum Beispiel weht zarter Blütenduft (so etwas wie Flieder) in meine Wohnung, und die Vögel zwitschern, dass ich den lauten Mehringdamm fast gar nicht höre.
Draußen arbeiten dagegen geht gar nicht. Nicht einmal Lesen gelingt mir, sobald sich mein ganzer Körper unter freiem Himmel befindet. Es ist so, als würde ein Schalter gedrückt. Der Kopf wechselt von Denken auf Schauen. Ende der Durchsage.
Seit gestern habe ich eine Fensterbank. Wo vorher nur ein kleines Holz war, auf dem nicht einmal die Kaffeetasse sicher stand, ist jetzt ein Brett montiert, vielleicht nicht das schönste seiner Art, aber immerhin robust genug, um Bücher, Tassen und meine aufgestützten Ellbogen zu tragen. Und, Überraschung! Lesen geht, E-Mails-Schreiben geht, den Rest muss ich noch ausprobieren – Eine kleine Veränderung zieht neue Möglichkeiten nach sich. Wie schön ist das denn!?
Ganz tiefe Verneigung
vor der Tennisspielerin Naomi Osaka, die die French Open verlassen hat, weil sie nicht für Pressegespräche nach den jeweiligen Matches zur Verfügung stehen will. Sie schreibt, dass sie zur Zeit wegen Depressionen diese Verpflichtung nicht einhalten kann, und wurde von den Veranstaltern mit einem hohen Bussgeld belegt, weil sie den ersten Termin nach einem gewonnenen Spiel abgesagt hat.
Wir sehen: Auch Depressive können gewinnen. Und: Menschen sind keine Puppen, die beliebig in die Kamera gehalten werden können. Hut ab!
Hast du Hunger?
Diese Frage schien mir über lange Zeit einfach, weil mit „ja“ zu beantworten. Ich esse gerne. Und mag besonders die Gelegenheiten, mich mit Freund/innen oder Kolleg/innen gemeinsam an einen Tisch zu setzten. Neulich kamen mir Zweifel. Eher durch Zufall. Ich musste ein Medikament nehmen, dass mir nicht besonders bekam. Mir war flau im Magen und an Hunger oder gar Appetit nicht zu denken. Zum ersten Mal fiel mir auf, wie sehr meine Essgewohnheiten an der Tageszeit, nicht aber am Hunger hängen, wann gefrühstückt und zu Mittag gegessen wird, bestimmt die Uhr, abends gibt es meist größere Spannbreiten. Nanu!?
Ich entschied am dritten Tag, erst wieder zu essen, wenn ich Hunger habe. Es blieb an diesem Tag bei einem Apfel. Und auch die nächsten beiden Tage wurde es nicht wesentlich mehr (je noch eine Möhre und noch ein Apfel). Damit hatte ich nicht gerechnet. Es zeigte sich, dass drei Fastentage schon ausreichten, meine Essgewohnheiten zu knacken. Mir fiel ein, dass mein Vater über Jahrzehnte überhaupt nur einmal am Tag, nämlich abends gegessen hatte. Er hat als Kind den Krieg erlebt. Zu viel Essen blieb ihm offensichtlich suspekt. Auf meine Frage antwortete er: Ich hatte einfach keinen Hunger.
Tatsächlich kam mir der Zwischenfall entgegen. Ich habe wie wahrscheinlich viele im Home-Office zugenommen, und war dankbar, wieder zu meiner Sommerkleider-Figur zurückzukehren, dieses Mal sogar ganz ohne Anstrengung und Disziplin. Denn es bleibt dabei, ich habe kaum noch Hunger. Natürlich esse ich längst wieder mehr als Apfel-Möhre-Apfel pro Tag, dennoch bleibt mir die Sache komisch, und die Frage: wann hast du Hunger? Ich bin mal gespannt, wie es weiter geht. Aber keine Sorge. Das Gerne-Essen werde ich nicht aufgeben. Dafür macht mir ein schön gedeckter Tisch mit möglichst vielen Gängen viel zu viel gute Laune.
Pünktlich zum Fest
Meine Hinterhof-Rose: Frohe Pfingsten!
Was suche ich denn auf Reisen?
Am Ende vielleicht doch nur die Bestätigung meiner Vorurteile? Denn wehe, es scheint keine Sonne in Kalifornien oder die Pariser Kellner sind plötzlich freundlich. Und was ist, wenn mich in Rom die Antike langweilt und in New York das teure Törtchen nicht schmeckt? Der Pazifik plötzlich zahm und die angekündigten Wale untergetaucht sind?
Nein, im Ernst. Warum fahre ich irgendwo hin? Bin ich wirklich so mutig, wie ich mir einrede? Suche ich die Horizonterweiterung oder einfach nur eine tolle Zeit (was auch immer das dann ist oder sein soll)? Und was wäre an einer einfach nur tollen Zeit schlimm? Außer dass sie eventuell zu teuer bezahlt ist?
Verstehe ich die Welt – oder auch nur mich selbst – mehr, wenn ich weiß, wie die Sonne in Göteborg scheint oder in Zagreb. Wie der Kaffee dort schmeckt oder ein Fisch frisch aus dem Meer? Wenn ich den Großen Bären einmal am Nachthimmel über den Niagara-Fällen gesehen habe oder in London?
Ja, doch. An letzteres glaube ich fest. Es wird Menschen geben, die sich das vorstellen können, ohne auch nur einmal aus ihrem Geburtsort weggekommen zu sein. Aber für mich ist es eine Erinnerung daran, dass es auch immer anders sein kann. Dass der Mond auf dem Kopf stehen und die Menschen für mich unverständliches Zeug essen und sprechen. Dass es andere Gerüche gibt, ganz andere Temperaturen und Gewohnheiten.
Schon möglich, dass ich mich auf Reisen einfach nur selbst besser kennenlernen möchte. Aber ganz sicher bin ich mir gerade noch nicht. Es wird Zeit, dass ich mal wieder einen Koffer packe. Wenn auch nur, um eine Freundin zu besuchen oder die Heimat meiner Kinderzeit.
Was macht uns Menschen aus?
Das, was wir gemeinsam haben, oder das, was uns voneinander unterscheidet?









