11 Freundinnen sollt ihr sein!

Naja, mit Zahlen habe ich es ja nicht so. Außerdem: kluge Menschen haben angeblich nur wenige Freund*innen, alles andere gilt wohl als oberflächlich, und wer ist das schon gerne? Egal. Von der Zahl sehen wir mal ab. Wichtig ist: Bei mir bricht gerade die „Woche der Freundin“ an.

Silvester war kurz, vor allem der Abend. Und statt Vorsätze hatte ich nur noch Zeit, ein Gerüst für Vorsätze zu basteln. Also zu überlegen, an welchen „Fronten“ ich gerne etwas tun würde im neuen Jahr: Eine bessere Autorin sein, eine aufmerksamere Kollegin? Etwas an meinen Beziehungen zur Verwandtschaft ändern, zu den Nachbar*innen? Die Gitarre mehr spielen oder einen Tanzkurs buchen, usf., …

Ich habe mich dann – zumindest für den Abend – ganz gut aus der Affäre gezogen. Es gibt jetzt Kärtchen, die ich am Anfang jeder Woche ziehe. Und auf den Kärtchen steht dann ein Aspekt für Vorsätze. Ihr versteht: Diese Woche bin ich die bessere Freundin. Nein. Natürlich nicht „hauptberuflich“ und 24 Stunden am Tag. Aber ich werde mir hier und da überlegen, wen ich vielleicht vernachlässigt habe, was ich mir von meinen Freund*innen wünsche, kurz: aufmerksamer sein.

Es gibt übrigens keine Zielvorgaben. Es kann und darf auch sein, dass die Woche ohne „gute Tat“ verstreicht. Wie die erste Januarwoche. Da war ich die „Herumtreiberin“. – Es war einfach keine Zeit. Aber doch: ein paar Ideen hatte ich schon. Zum Glück ist das Jahr noch lang…

Kaum hat das Jahr begonnen,

gibt es schon eine beste Veränderung: Die Gärtnerei gleich nebenan macht das Licht aus. Nein, nicht, dass sie aufhören. Aber seit letzter Nacht ist es wieder dunkel nach Sonnenuntergang. Und auch wenn der zur Zeit verdammt früh ist: Sie schalten endlich das Flutlicht ihres Parkplatzes wieder aus. Anderthalb Jahre war es nachts hell in meiner Wohnung. Die Vögel aus unserem Hof hatten sich auch davon gemacht. Dass ich oft nicht schlafen konnte, dass ich keine Sterne mehr sehen konnte, nee, das war nix. Und jetzt ist es wieder. Willkommen neues Jahr!

Man sagt:

Was du am ersten Tag des Jahres machst, wird das nächste Jahr prägen. – … – Na toll! – … – Arbeiten, putzen, Morgengymnastik am Mittag (immerhin), waschen, essen, arbeiten, telefonieren, spülen… pfff.

Oder gilt auch, was man in der Silvesternacht vom Liebsten träumt? Das zumindest wäre die deutlich aufregendere Aussicht auf 2022.

Revue 2021.

Wie war denn mein Jahr? Eben habe ich mich endlich hingesetzt, Kerzen angezündet und versucht, mich zu erinnern. Es gibt erstaunliche Lücken. So weiß ich beim besten Willen nicht mehr, wie der letzte Silvesterabend war. Nein, kein Filmriss. Wahrscheinlich war es so unspektakulär, dass nix hängen geblieben ist. Außer, dass ich nachmittags bei Sonne spazieren war und es am 2. Januar ein frisches Brot gab.

2021 war für mich in der ersten Hälfte merkwürdig kurz, in der zweiten sehr anstrengend. Dabei hielten sich für mich die guten und die nicht so guten Dinge die Waage. Die schwierigste Zeit hatte ich im Februar, danach wurde es besser. In der zweiten, mühsamen Jahreshälfte hatte ich tolle Wiedersehen. Freundschaften, die beendet schienen, gehen jetzt weiter.

Gefehlt hat mir auch dieses Jahr das Schwimmbad. Ich bin eine notorische Hallenbad-Schwimmerin und habe mich bislang noch nicht getraut. Eine brandneue Erfahrung ist das Tragen von Kleidern und Röcken. Das habe ich mich früher nie getraut, bin aber jetzt mit einem seit Frühjahr abgespeckten Körper richtig süchtig danach.

Ich bin sehr unsicher, was die nächsten Monate angeht. Es ändert sich einiges, und es geht auch um größere Entscheidungen für mein Leben. Ungeduld, so muss ich einmal mehr erfahren, ist eine meiner lästigsten Eigenschaften. Aber ich bin dennoch froh, weil ich meine Neugier auch im jetzt gleich beendeten Jahr nicht verloren habe. Und meinen Glauben an die Menschen. In diesem Sinne: Euch allen einen guten Start ins neue Jahr!

Schon wieder?

Gefühlt befinde ich mich in der Zeit um den 3. Advent und morgen schon soll ich ins neue Jahr springen? Halt! Was ist denn da los? Wo sind die Nachmittage, an denen ich das Jahr Revue passieren lasse? Wo die Zeit, um mir etwas Neues für die nächsten Wochen und Monate auszudenken? Wo um alles in der Welt bin ich gerade?

Wie auf dem Foto fühle ich mich in einem beleuchteten Durchgang – streng geradeaus und draußen nix als Dunkelheit. Wo soll denn das hinführen? Und verdammt, kalt ist es auch noch!

Nein, es ist gar nicht so trostlos, wie es auf den ersten Blick scheint. Gerade in den letzten Wochen gab es so richtig schöne Momente – oder etwas, was mehr ist als Momente: Auflösungen langjähriger Missverständnisse, Trennungen sogar. Neue Freundschaften. Freude über erwachsen gewordene Kinder. Über, oh ja, auch das: einen neuen Herd. Bei alledem war ich enorm müde und habe wahrscheinlich mein eigenes Weiterleben für eine Weile verschlafen. Aber wir haben ja erst den 30. Dezember. Noch bleibt ein wenig Zeit, um Rück- und Vorschau zu betreiben. Ich bin schon gespannt.

Stille Nacht

Bei uns ist am Abend des 24. Dezember mittlerweile die Hauptfeier des Weihnachtsfestes, also nix mit still. Wer sich aber am 24. den Luxus leisten und sehr früh aufstehen kann, erlebt einen stillen Morgen, der so gut tut nach dem üblichen Endjahresstress.

Es geschah aber in jenen Tagen…

So hebt die biblische Weihnachtsgeschichte an von dem Wunder, dass Licht in die Welt kommt und Hoffnung. Wer Kinder hat, weiß, wie groß die Freude nach einer Geburt ist, und die Hoffnung, etwas in die Zukunft weiter zu geben. Und so ist Weihnachten an sich schon ein Fest des Lebens und ein Fest der Hoffnung, auch wenn man nicht christlich ist.

Es gibt in dieser Weihnachtsgeschichte übrigens einen Satz, den ich bislang stets überlesen habe. Er betrifft Maria. Sie hört, was die Hirten über die Engel erzählen, die ihnen in der Nacht erschienen und das Christuskind angekündigt haben:

Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.

Maria hört die „frohe Botschaft“ und bewahrt sie im Herzen. So will ich es auch halten, mit „frohen Botschaften“, die mir in den letzten Tagen zuteil geworden sind. Sie erwägen und bewahren. Still. Und mit Hoffnung.

„Ich wähle nicht,

wenn ich schreibe.“ Vielleicht gehört dieser Satz von Ilse Aichinger in die Schultüte aller angehender Autor:innen. Denn so viel muss klar sein: so sehr ich nach Ausdruck ringe oder meine Sätze ein ums andere Mal verändere. Woher weiß ich denn, von wo die Sätze überhaupt kommen? Oder wieso denke ich, dass ICH schreibe – und nicht die Wörter oder Sätze? Ja. Vielleicht ist das überhaupt so wichtig. Und wenn eine:e so genannte Schreibblockaden hat, dann ist es nicht, dass ihr oder ihm nichts einfällt, sondern dass der Empfang gestört ist. Zum Beispiel. „Ich weiß nicht, worüber ich schreiben soll“ hieße dann: ich muss einen guten Platz finden, aber nicht: jagen gehen. „Ich wähle nicht“ heißt, ich öffne mich. Ich lasse das sprechen, was ich eingesogen habe. Das, was meine Träume längst produziert, oder meine Sinne erfahren haben. Es ist meins und das aller anderen. Ich wähle bedeutet Absicht. Ich wähle nicht bedeutet Freiheit. – wobei es in meiner Pflicht steht, über die Folgen meiner Wörter und Sätze nachzudenken, bevor ich sie öffentlich mache. Nicht zu wählen kann so wild sein, dass man die Texte besser an die Leine legt. Nicht, um sich die Freiheit zu nehmen. Sondern aus Rücksicht.