Wie wollen wir leben?

Das Leben als eigenen Entwurf zu verstehen, ist eine moderne Vorstellung. Und wie uns heute schmerzhaft bewusst ist, nicht nur eine, die durch Geld eingeschränkt sein kann. Wo es wieder kälter wird, und ich mich mehr und mehr in meine eigenen Vier Wände zurückziehe, wird mir dieses Konzept wieder bewusst. Vielleicht auch, weil ich immer noch krank bin, und sehr auf meine Wohninsel angewiesen bin. Oder weil ich neulich noch bei meinem Vater war. Dessen Wohninsel eine Art Ruine unserer Familienwohnung ist. Und wo die Zuhause (gibt es diesen Plural?) von Freund*innen ganz andere Lebensstile vorschlagen.

Eine lustige Möglichkeit, gleich ganz viele Lebensstile zu probieren, zeigt übrigens das Puppenhaus, aus dem ich hier ein Dachzimmer zeige. Eigentlich ist es eine Puppenvilla. Und sie gehörte der Mutter eines Nachbarn, die im Frühsommer gestorben ist. Die gesamte Villa ist selbstgemacht und minutiös eingerichtet. An diesem Zimmer mag ich vor allem die Landkarten an den Wänden. Dieser Traum von Weite im kleinen Zuhause! Was mich daran erinnert, dass ich zu gerne einen leuchtenden Globus hätte. Als ich bei meinem Vater war, hat mich plötzlich dieser Wunsch fast verschlungen.

Und ich lege gleich noch eins drauf: Weil ich neulich dachte, dass ich noch nie (NOCH NIE) ein Knusperhäuschen gemacht habe. So aus Lebkuchen und anderen Süßigkeiten. Vielleicht mit Flachdach und Flugzeughangar (moderne Hexen…) Eine Knusperhäuschen-Competition wäre was im Büro, wo immerhin zwei Architekturbüros tolle Entwürfe liefern könnten (und ich sitze am neuen Konferenztisch und esse die dann auf…)

Wie will ich leben? Es wird Winter. Und ich stelle mir diese Frage einmal mehr. Ein Dachzimmer mit Landkarten ist dabei nicht einmal die schlechteste Wahl, wie mir scheint.

Das Schicksal herausfordern

Grundsätzlich halte ich nicht viel davon. Man kann viel wollen. Ebensoviel probieren. Aber bloß nicht den Übermut raushängen lassen. Mache ich so, dachte ich zumindest. Bis ich Corona bekam und mich wie Brot langweilte. Das heißt, ich habe mich weniger gelangweilt, als dass es mir tatsächlich nicht besonders gut ging. Schlapp und unmotiviert war ich, eine Kombination, die mir so gar nicht schmeckt. Also dachte ich, könnte ja ein bisschen Gymnastik nicht schaden, zumal mir vom Liegen schon der Rücken weh tat. Dehnen, ein bisschen Kerze hier, ein bisschen Hund da, warum nicht? Ja, warum nicht, wenn ich es denn dabei belassen hätte. Aber dann hatte ich die Idee, einen Purzelbaum zu machen, ohne mich die Bohne daran zu erinnern, wie das eigentlich geht. Die Kurzfassung: Das ist gehörig schief gegangen. Also, gepurzelt bin ich schon, aber mit solchem Schmerz aufgeschlagen, dass ich kurz dachte, ich – keine Ahnung, aber das tat so weh, wie ich es noch nie erlebt habe.

Ich hatte Glück. Mir ist soweit nichts passiert, außer dass ich bis heute Rückenschmerzen habe. Scheint aber alles noch ganz, letzte Nacht konnte ich sogar wieder durchschlafen. Was mich an der Sache wirklich entsetzt ist, wie wenig ich abschätzen konnte, was ich da vorhatte. Ein Purzelbaum schien mir harmlos. Bis ich mich – natürlich erst später – darüber schlau gemacht habe, was passieren kann, wenn man sein gesamtes Körpergewicht über den Kopf rollt. Auweia! Fazit? Ich bin verunsichert. Weil ich erlebt habe, wie arglos ich mich in eine gefährliche Situation gebracht habe. Zu Hause! Und ohne Not. Werde ich das nächste Mal schlauer sein? Ich hoffe. Und lege noch eins drauf, in dem ich hier noch einmal laut und deutlich schreibe: Niemand muss Dinge aus Langeweile tun. Und vor allem nicht, ohne vorher sehr scharf nachzudenken. Aloa!

Bienenfleißig

ist draußen. Während ich drinnen hocke, und Löcher in die Luft gucke. Das muss schon aussehen, wie Sprudelwasser. Aber natürlich guckt keiner.

Könnte spülen, aufräumen, Filme gucken. Na!?

Coronablues

Gedanken brüchig in festen Formen. Träume, in denen es mir vor mir schaudert. Schmerzen. Desorientierung. Was einmal schön war, ist zumindest im müden Zustand grau und kein Haar, aus dem ich mich aus dem Sumpf ziehen kann. Fühlt sich fast an, als würde ich selbst zu Stein, ein Sumpf beim Austrocknen. Keine Idee, keine Schokolade, nicht mal genug Energie bis zum nächsten Lichtschalter. Bleibt: auf die Lauer legen und nicht mehr blinzeln. Irgendwo ist der Ausgang.

Von Bohnen lernen…

Geduld? Balance? Genügsamkeit? Nee, nicht wirklich. Obwohl ich mich gerade mit der Geduld ziemlich umtue (schwertun ist gar kein Ausdruck).

Wenn ich will, dass etwas SO ist. Also SO, wie in meinem Kopf in schönen Farben ausgemalt. Dann ist es aber anders. Ich zweifele an mir, an der Welt am Leben. Wegen dem SO.

Ich könnte in der Zeit des Zweifels auch putzen. Die Steuer machen oder Freund*innen treffen.

Aber nee. Ich bin doch keine Bohne! (o.k. putzende Bohnen habe ich auch noch nicht gesehen, aber ich weiß gar nicht, was die im Dunkeln machen)

Also will ich SO.

(Erklär‘ das mal der Bohne)

Und dann lasse ich den Kopf hängen. Dann kriege ich mich ein. Ich putze, ich backe einen goldenen Kuchen. Ich backe einen Obstkuchen, ich kaufe mir ein Wollkleid. Ich arbeite. Ich mach‘ halt. Und plötzlich ist für 15 Minuten SO. Ohne Zutun. Ohne Erwartung. Ohne auch nur noch dran zu denken.

Die beiden Bohnen habe ich gegessen. Und jetzt?

Fummel und Fähnchen

Bei uns zu Hause (ich spreche von meiner Kindheit und Jugend) galt eine strenge Kleiderregel: Kein Firlefanz! Alles hatte gediegen zu sein, d.h. sollte so lange wie möglich halten und bequem und gleichzeitig zurückhaltend chic sein (wurde wahrscheinlich in den Köpfen meiner Eltern schick geschrieben).

Natürlich fand ich das erst normal und später kreischend spießig. Interessanterweise habe ich aber genau diese Sicht auf Klamotten übernommen. Ich galt dennoch als gut angezogen. Keine Ahnung. Ich kann mich nur an brav und langweilig erinnern. Natürlich hatte das auch was mit meinem Selbstverständnis zu tun. Ich fand mich nicht besonders attraktiv. Ich wollte vor allem mal nicht auffallen.

Bewundert habe ich aber immer Menschen, die sich um nichts scherten. Und tolle Klamotten trugen. Egal, ob sie Gesicht und Figur dazu hatten oder – soll vor allem mal jemand sagen, was oder wie denn bitte wirklich.

Fähnchen waren das Schlimmste in den Augen meiner Mutter. Zu dünne, oft schlecht genähte Kleidchen. Just for fun entworfen, ganz offensichtlich. Und um welchen fun es da ging, ebenfalls schnell zu erraten.

Wie lange ich mich nicht getraut habe, wenigstens mal eins zu probieren. Nur so für mich. In der Umkleidekabine.

Was ich da letzte Woche gefunden habe (lag auf einer Fensterbank zum mitnehmen!!!) ist zwar. kein Fähnchen im Sinn meiner Mutter (dazu ist es zu komplex genäht), aber liefe natürlich ebenfalls unter ihrem strengen no go!

Wie hinreißend ich es finde.

(Sorry, nein, es geht nicht darum, meine Mutter anzuschwärzen. Eher darum, wie lange in mir Werte kleben, die gar nicht meine sind).

Melancholischer Herbst

wie mittlerweile jedes Jahr. Die Farben und Düfte explodieren, die Sinne sind wieder wach (nach den Hitzetagen des Sommers), die Tage haben etwas mildes, dösiges, wäre da nicht dieser kalte Luftzug, gelegentlich, ich würde fast denken, es sei das Paradies. – Es ist fast so, kaum erreiche ich das Schönste im Leben, ist es auch schon vorbei.

Hello back…

Wer vom Schreiben lebt, schreibt sich auch schon mal vor die Wand. Die letzten Wochen waren ein ziemlicher Marathon, abends hatte ich das Gefühl, kein Buchstabe ist noch für die Klunker. übrig. Was schade war, denn ich bin gerne hier. Einfach auch, um zu schauen, wie es Euch geht, was Ihr erlebt, macht, von was Ihr erzählt. Und natürlich auch, um mir beim Schreiben hier und da überhaupt klar zu werden, was ich gerade mache. Für heute ist das Programm schon gesteckt: Orangen-Mandel-Kuchen backen und lesen, lesen, lesen. Euch allen ein schönes Wochenende!

Und wer erkennt,

wo ich letztes Wochenende war, um nach der documenta 15 dann doch nochmal Kunst zu sehen? Achtung Spoiler: Das Foto zeigt keine Kunst. Gibt aber einen Hinweis…